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Rudy Giuliani sitzt im Yankee Stadium und hört sich die Buhrufe zu seinem Geburtstag an.

Rudy Giuliani

Buhrufe für Giuliani

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Rudy Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York und aktueller Anwalt von Donald Trump, feiert Geburtstag im Stadion, bekommt aber nur Buhrufe zu hören. Im Netz sieht das nicht anders aus.

Rudy Giuliani ist seit dem 28. Mai 74 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag besuchte er ein Spiel der New York Yankees im Big Apple. Die Stadt, in der Giuliani geboren wurde und der er acht Jahre lang als Bürgermeister diente. Die Yankees verloren zwar gegen die Houston Astros mit 1:5, doch das Wetter war gut, die Yankees-Mütze passte und an Giuliani linkem Ringfinger prangte ein glänzender Ring mit dem Logo des erfolgreichsten Baseball-Teams in der Geschichte der USA.

Doch als der Stadionsprecher Giuliani willkommen hieß, erntete der statt eines warmen Empfangs inklusive Geburtstagsständchen recht eindeutige „Buh“´-Rufe von den Fans der Yankees.

Der entsprechende Tweet im Netz löste noch mehr Häme aus. Doch warum all das?

Giuliani hat schon viel erlebt und getan in seinem Leben. Er war Staatsanwalt, drückte sich erfolgreich um den Vietnamkrieg und führte legendäre Prozesse gegen New Yorker Mafia-Familien. Er war dreimal verheiratet, einmal mit seiner Cousine zweiten Grades. Er trennte sich vor laufenden Kameras von seiner zweiten Frau, die aus dem Fernsehen davon erfuhr. 

Doch weltberühmt wurde Giuliani als Bürgermeister von New York. Seine Nulltoleranzpolitik gegenüber Kleinkriminalität brachte ihm Respekt von befreundeten Hardlinern und Hass von der mehrheitlich linken Kulturszene New Yorksein.

Dann kam der 11. September und alles änderte sich. Giuliani wurde das Gesicht des unbeugsamen New Yorks wie einst Rocky Graziano, der sich auch nicht unterkriegen ließ, egal wie viele Einschläge er hinnehmen musste und dessen Vorfahren ja auch aus Italien stammten. Das amerikanische „Time“-Magazin erklärte ihn zur Person des Jahres 2001, zum „Bürgermeister der Welt“ gar. Den Bambi gab es gleich noch mit dazu. Ein Jahr drauf schlug ihn die Queen zum Ritter des britischen Empire. Giuliani war fast ganz oben.

Der logische nächste Schritt war die Präsidentschaft. 2008 sollte es soweit sein. Giuliani,, der sich in der Zwischenzeit für Vorträge und Beratertätigkeiten fürstliche Honorare hatte zahlen lassen, trat bei den Vorwahlen an, gewann nicht einen Wahlmann und beendete die Sache recht schnell. Es folgten noch mehr Vorträge und unter anderem ein Engagement als TV-Moderator („Rudolph Giuliani präsentiert Gangsterfilme auf AMC“).

Und kurz bevor keiner mehr an den Ex-Bürgermeister New Yorks dachte, da tauchte ein Immobilienmakler aus derselben Stadt auf, gewann die Präsidentenwahl und zog ins Weiße Haus in Washington ein. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis US-Präsident Donald Trump sich der alten Freundschaft der beiden erinnerte. Immerhin machten die beiden schon vor zwölf Jahren zusammen schlechte Chauvie-Witze im Wahlkampf.

Giuliani wurde also erst Berater und wechselte schließlich in das Anwaltsteam Trumps, das bekanntlich sehr viel zu tun hat und sich deshalb wohl über jede Verstärkung freuen dürfte.

Über jede? Nein, nicht ganz. Giuliani nämlich, keine vier Wochen nach seiner Anstellung, setzt sich ins Fernsehen, gefiel sich da offensichtlich sehr gut und plauderte darüber wie Trumps persönlicher Anwalt Michael Cohen dem Pornostar Stormy Daniels 130.000 Dollar bezahlt hatte, damit sie die Affäre mit Trump verschweigt. Das Problem: Trump hatte die Zahlung bis dahin immer bestritten und Giuliani ihn der Lüge überführt. Das überraschte selbst konservative Berichterstatter in den USA und sorgte bei liberalen Kollegen für ausgeprägte Lachkrämpfe.

Alles halb so wild, man lernt ja nie aus, auch Giuliani mit 74 Jahren noch nicht. Alles Gute nachträglich!

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