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Bücherklau auf der Buchmesse

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Volle Taschen sind bei Besuchern der Frankfurter Buchmesse nichts Ungewöhnliches. Doch bei vielen von ihnen finden sich im Rucksack nicht nur Kataloge, sondern auch auf der Messe geklaute Bücher.

Frankfurt/Main. Volle Taschen sind ja bei Besuchern der Frankfurter Buchmesse nichts Ungewöhnliches. Doch bei vielen von ihnen finden sich im Rucksack nicht nur Prospekte und Kataloge, sondern auch Wertvolleres: auf der Messe geklaute Bücher. Über das Thema reden die Verantwortlichen der Verlage nicht besonders gerne - und Zahlen nennen sie schon gar nicht.

"Zahlen gibt es, aber die geben wir nicht preis", sagt etwa Eric Merkel-Sobotta, Pressesprecher des größten deutschen Fachbuchverlages Springer Business+Science. Er räumt aber ein, dass speziell im vergangenen Jahr viele Bände vom Stand verschwunden seien. "Es wird auf Bestellung geklaut", glaubt Merkel-Sobotta. Besonders begehrt seien juristische und medizinische Standardwerke, bei denen ein Band schon einmal 400 Euro kosten kann.

Merkel-Sobotta erzählt, dass bei der Buchmesse 2007 ein ganzes Regal mit 20 bis 30 Medizinbänden leer geräumt wurde. Ihm ist aufgefallen, dass an den Fachtagen mehr Bücher verschwinden als an Tagen, an denen das normale Publikum Zutritt hat. Viele Diebe werden allerdings bei den Kontrollen am Ausgang erwischt, so dass der Großteil der Werke zurückgegeben werden kann.

Anzeige erstattet der Fachbuchverlag ebenso wie andere Verlage nicht. Der Schrecken, erwischt zu werden, sei groß genug, findet Merkel-Sobotta.

Eher augenzwinkernd betrachtet man das Problem Bücherklau bei Kiepenheuer + Witsch. "Das ist bei uns nicht dramatisch, sondern ergibt eher ein Ranking der Beliebtheit bestimmter Werke", sagt Verlagssprecherin Gudrun Fähndrich. Der dabei entstandene Schaden sei nicht so hoch, weil zum einen hauptsächlich Taschenbücher geklaut würden, zum anderen gebundene Bände, die maximal 25 Euro kosten. Sie spricht bei den Dieben von einer "vorgespielten Naivität" nach dem Motto: "Ich dachte, die Bücher sind zum Mitnehmen."

"Geistiger Mundraub von Bücherenthusiasten"

Diese Ausrede kennt auch Martin Spieles, Sprecher des Fischer-Verlages. Er findet aber, dass das Problem nicht überbewertet werden solle. Abgesehen von einigen professionellen Tätern handele es sich um "geistigen Mundraub von Bücherenthusiasten". Er berichtet aber auch über Diebe, die ihre Beute gleich im Rollkoffer abtransportierten und erwischt wurden. Trotzdem tauchten sie am nächsten Tag gleich wieder auf.

Der Fischer-Verlag versuche zwar, Diebstähle zu verhindern. "Aber wir wollen die Bücher nicht ans Regal nageln", sagt Spieles. Geschultes Wachpersonal haben weder Fischer noch Kiepenheuer + Witsch angeheuert. Springer hingegen hat sich gegen Diebe gewappnet. "Wir haben Maßnahmen ergriffen, dass es keine blinden Ecken mehr gibt, die unsere Mitarbeiter am Stand nicht einsehen können", sagt Merkel-Sobotta. Zudem sind Aufpasser in Zivilkleidung am Messestand.

Mit eigens für die Buchmesse angefertigten Kopien kostbarer Original-Bände begegnet der Fachverlag Bibliotheca rara der Angst vor Dieben. Im Programm des Anbieters finden sich limitierte Faksimile-Abdrucke etwa der Albani-Psalter, einer wertvollen Pergament-Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, für knapp 12.000 Euro.

Bei den Ausstellungsexemplaren fehlt allerdings im Gegensatz zu den Originalen die laufende Nummer. Zudem schließt der Verlag jeden Abend alle Bücher ein. "Da ist bisher auch noch nie etwas weggekommen", berichtet Verlagsmitarbeiterin Petra Wendker.

Viele Verlage begrüßen vor diesem Hintergrund die vor einigen Jahren geschaffene Möglichkeit, Bücher am letzten Tag der Messe auch verkaufen zu dürfen. "Das entspannt das ganze Diebstahlproblem ein bisschen", sagt Fischer-Sprecher Spieles. (ddp)

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