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Claas-Heinrich Aufhoven (Ernst Stötzner) mit Linda Selb (Luise Wolfram).
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Claas-Heinrich Aufhoven (Ernst Stötzner) mit Linda Selb (Luise Wolfram).

TV-Kritik

Bremen-Tatort „Und immer gewinnt die Nacht“: Verbrechen und was wir davon halten

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Am Sonntag (12.12.2021) im Ersten: „Und immer gewinnt die Nacht“, der zweite Bremen-Tatort mit Selb, Liv und Mads.

Im Mai ging es überambitioniert los, jetzt setzt es sich überambitioniert fort. Sie können nicht anders, sie sind zu sehr auf Draht, und wieder ist das Drehbuch von Christian Jeltsch, und Regie führt diesmal Oliver Hirschbiegel, ein Mann für angespannte Situationen, die zugleich zur Unterhaltung des Publikums beitragen.

Den Ton geben aber die Schauspielerinnen vor, hoffentlich. Sie sind dabei, aus Liv und Selb ein krasses Frauenteam zu modellieren, Jasna Fritzi Bauer und Luise Wolfram, denen Jeltsch nicht nur stramme Wortgefechte schreibt, sondern die ihre Sätze auch wie Dolche durch den Raum (Bremen in kalter Sonne) schwirren lassen. „Soll ich dir noch helfen?“ – „Bloß nicht“. Es geht angeblich um ein paar Teller, offenkundig aber um das große Ganze. Brauchst du mich nicht doch ein klein bisschen, ist es nicht gut, dass ich da bin? – Nö.

Bremen-Tatort „Und immer gewinnt die Nacht“: Subtiler Dialog

Subtil: Dieser Dialog wiederholt sich, beim zweiten Mal ist der Kollege Mads der, der fragt. Klingt anders. Äh, tja, und der Abwasch? – Lass mal, ich mach das schon. Frauen unter sich: So unwahrscheinlich es ist, dass sich zwei androidenhafte Fanatikerinnen – fanatisch in der Sache – wie Selb und Liv zufällig auf der Arbeit treffen, so detailreich und komplex ist es auch. Mehr Metatext ist in so kurzen Ansprachen nicht unterzubekommen. Als der Däne Mads, Dar Salim, wieder auftaucht, ist er sofort der, der im unklaren Dreiergrüppchen ansagt. Das ist psychologisch aufschlussreich, abgesehen davon, dass nicht geklärt ist, wie die drei formal zueinander stehen. Ein typisches Norddeutschland-Tatort-Phänomen. In der verbreiteten Wortkargheit fällt es nicht ins Auge, insgesamt wird weniger gefragt und gestaunt.

Während man hinstarrt und von Liv und Selb lieber kein Wort verpasst, ist das Überambitionierte der Krimihandlung nicht ganz so fruchtbar. Steil geht es hinein, mit fünf und mit Mads’ aus vorangegangener Ermittlertätigkeit mitgeschlepptem Problem sogar sechs Erzählsträngen, die nachher so dicht ineinander verschlungen werden, dass es unglaublich ist.

Bremen-Tatort „Und immer gewinnt die Nacht“: Merkwürdig simpel

Unglaublich und zugleich merkwürdig simpel. „Und immer gewinnt die Nacht“ ist nicht der erste Tatort und nicht der erste Bremen-Tatort, in dem das Oben und Unten der Gesellschaft in großer, kämpferischer Offenheit dargelegt und gerügt wird. Und in dem es sich gewissermaßen rächt, beruflich und privat auf Zigarren zu setzen. Und in dem eine Romantik als Begleiterin des gerechten Zorns es den Leuten, die es nicht leicht haben im Leben, einen versöhnlichen Ausgang gönnt. So dass sich der strenge Titel nicht erfüllt und manches Schmerzliche krasse Dekoration bleibt. Auf der Zigarren-Unternehmer-Seite finden sich unter anderem Karoline Eichhorn und Ernst Stötzner, während der Sprössling, Franziska von Harsdorf, sich auf die Seite der Armen, aber letztlich Anständigen geschlagen hat und mit ihrer zornigen jungen Freundin, Anna Bachmann, weggeworfene Lebensmittel stiehlt.

Das Learning für heute (und wundern Sie sich bitte nicht über das Wort Learning, wir hören es zu oft, es quengelt und will auch einmal in die Zeitung): Selb zitiert nach eigenem Bekunden Goethe mit dem berühmten Satz „Ich habe nie von einem Verbrechen gehört, das ich nicht hätte begehen können“ (Liv: Nee, echt nicht), aber dieser Satz stammt nicht von Goethe. Thomas Mann legt ihn Goethe in „Lotte in Weimar“ in den Mund. Daran knüpfte sich eine interessante, zwischen Literaturwissenschaft und Politik changierende Debatte. Eben hat man Selb noch beneidet, weil sie super ist. Jetzt tröstet es, dass ihr doch einiges entgeht im Leben. (Judith von Sternburg)

„Tatort: Und immer gewinnt die Nacht“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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