Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

"Pop" lautet das Motto der diesjährigen re:publica.
+
"Pop" lautet das Motto der diesjährigen re:publica.

re:publica

Breitbandausbau als Randnotiz

  • Patrick Schlereth
    VonPatrick Schlereth
    schließen

Die Digitalkonferenz re:publica beschäftigt sich vor allem mit Hass im Netz. Ein anderes elementares Thema wird nicht berücksichtigt.

Als 2007 die erste re:publica mit 700 netzaffinen Bloggern in Berlin an den Start ging, kam gerade das erste iPhone auf den Markt. Mittlerweile findet sich kaum jemand, der kein Smartphone besitzt, und auch für die re:publica hat sich einiges verändert. Das digitale Klassentreffen für Technik-Nerds ist zum digitalen Volksfest für den Mainstream und nebenbei zur größten Digitalkonferenz Europas geworden. Die Redner- und Sponsorenlisten werden jährlich länger, die Besucherzahlen steigen: So kamen im vergangenen Jahr mehr als 9000 Teilnehmer zur re:publica, die mittlerweile auch Ableger in Dublin und Thessaloniki hat.

Das Internet ist eben nicht mehr Merkels „Neuland“ für uns alle, sondern endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Motto der diesjährigen re:publica, die von diesem Mittwoch bis Freitag nach Berlin lädt, lautet folgerichtig „Pop“. Die Veranstalter inszenieren sich dabei selbstbewusst in der Tradition großer Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol, die “[a]ls Reaktion auf das Zeitalter der Austauschbarkeit, des Überflusses und der Identitätslosigkeit […] das Triviale zur Kunst erhoben“ haben.

Pop für Populismus

Auch die Mehrdeutigkeit der Pop-Art nehmen die Veranstalter in ihrem Motto bewusst mit. „Pop“ soll nicht nur für „Populärkultur“ stehen, sondern auch für „Populismus“, weshalb sich ein Großteil der Diskussionen um Hass im Netz, Fake News und digitale Zivilcourage drehen wird. „Pop“ ist aber auch die hoffnungsvolle Beschwörung der „Power of People“ im Angesicht undurchschaubarer Algorithmen, steigender künstlicher Intelligenz und übermächtiger Staatsapparate.

Zu letzteren kann vor allem Chelsea Manning einiges erzählen, die für ihre Weitergabe von geheimen Dokumenten des US-Militärs an die Enthüllungsplattform Wikileaks verurteilt und erst vor einem Jahr aus der Haft entlassen wurde. Das eröffnende „Kamingespräch“ mit der Whistleblowerin dürfte einer der frühen Höhepunkte der Digitalkonferenz werden.

Sprachcomputer, Social Bots, Fake News, Filterblasen, NetzDG und Netflix – bei der diesjährigen re:publica und der parallel stattfindenden Media Convention soll es um alles gehen, was den „digital native“ umtreibt. Nur ein elementares Thema wurde dabei nicht berücksichtigt: Keine der zahlreichen Veranstaltungen wird sich mit dem lahmenden Breitbandausbau in Deutschland beschäftigen, obwohl der Koalitionsvertrag der neuen alten Bundesregierung eine gute Diskussionsgrundlage geboten hätte. Immerhin wird die „Tragödie der Digitalisierung in Deutschland am Beispiel des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs beA“ aufgearbeitet, außerdem gibt es ein „Statusupdate Netzneutralität“.

Die Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) ist jedenfalls nicht für die re:publica angekündigt, dafür aber Justizministerin Katarina Barley (SPD), die mit Ex-Minister Gerhart Baum und Netzpolitik-Autorin Constanze Kurz über „digitale Freiheitsrechte in der neuen Legislatur“ diskutiert. Die dazugehörige Ankündigung besteht darauf, dass es „um weit mehr als den Ausbau der digitalen Infrastruktur“ gehe, womit die digitale Infrastruktur des Internet-Entwicklungslands Deutschland zumindest als Randnotiz Erwähnung findet.

Immerhin gibt es W-Lan auf der Digitalkonferenz, auch wenn sich viele der Besucher traditionell über den katastrophalen Empfang echauffieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare