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Kinobetreiber fürchten, dass das Modell des Unternehmens „The Screening Room“ sie viele Kunden kosten könnte.
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Kinobetreiber fürchten, dass das Modell des Unternehmens „The Screening Room“ sie viele Kunden kosten könnte.

„The Screening Room“

Wer braucht denn noch ein Kino?

In den USA will ein Start-up aktuelle Blockbuster sofort im Wohnzimmer ausstrahlen. Die Kinobetreiber protestieren und in Hollywood spaltet das Vorhaben die Regie-Elite.

Von Thomas Schmitz

Schon die bloße Ankündigung, dass Kinofilme in Zukunft sofort zu Hause angeschaut werden können, spaltet Hollywood: Schließlich handelt es sich bei „The Screening Room“ nicht um ein gewöhnliches Start-up. Dahinter steckt mit Sean Parker einer, der schon einmal eine komplette Branche umgekrempelt hat.

1999 war er einer der Gründer der Musiktauschbörse Napster. Kurz vor deren Verbot im Frühjahr 2001 tauschten Napsters 80 Millionen Nutzer zwei Milliarden MP3-Dateien monatlich. Später war Multimilliardär Parker Berater des sozialen Netzwerks Facebook und Investor des schwedischen Musik-Streamingdienstes Spotify.

Jetzt also die Kinobranche. Mit dem Event-Veranstalter Prem Akkaraju hat sich Parker „The Screening Room“ ausgedacht. Öffentlich äußern möchten sich beide zu dem Modell nicht. Laut dem US-Branchenblatt „Variety“ ist aber folgendes geplant: Wer „The Screening Room“ nutzen möchte, braucht zunächst für einmalig 150 Dollar einen Receiver. Darüber können die Kinofilme empfangen und direkt gestreamt werden. 50 Dollar soll ein Kinofilm kosten. Nach 48 Stunden ist die Leihe beendet.

Das Unternehmen selbst will angeblich fünf Dollar pro Film verdienen. Zehn Dollar sollen an Kinobetreiber gehen, zusätzlich erhalten die Käufer für den Film, den sie ausgeliehen haben, zwei Karten für ein Kino ihrer Wahl. Weitere zehn Dollar sollen an die Film-Verleihfirmen gehen. Der Rest? Noch unklar.

Wie bekannt wurde, führt Sean Parker seit Monaten Gesprächen mit Film-Studios. Bis auf Disney scheinen Größen wie Universal, Fox und Sony auch nicht abgeneigt zu sein. Schon seit Jahren versuchen sie selbst, ähnliche Modelle zu entwickeln, scheitern aber an den Kino-Verbänden, die ein Exklusivrecht von 90 Tagen vor der Zweitverwertung besitzen. Zu sehr nervt die Studiobetreiber, dass ihre Filme bei illegalen Anbietern parallel zur Kino-Ausstrahlung im Internet kursieren. Sean Parker verspricht nun eine Anti-Raubkopie-Technologie im Receiver, die es unmöglich machen soll, Filme zu kopieren.

Hollywoods Regie-Elite ist sich uneins. Steven Spielberg, Martin Scorsese, Ron Howard, J.J. Abrams und Peter Jackson unterstützen die Technologie nicht nur, sondern treten sogar als Teilhaber oder Investor in Erscheinung. Sie gehen davon aus, dass „The Screening Room“ besonders die Menschen anspricht, die keine Zeit oder keine Möglichkeit mehr haben, ins Kino zu gehen. James Cameron, dessen Dauer-Produzent Jon Landau sowie Christopher Nolan stellen sich gegen die Pläne. Von einem kreativen und finanziellen Standpunkt aus sei es essenziell, dass Filme zunächst exklusiv im Kino aufgeführt werden, sagt Landau, denn das sei die beste Möglichkeit, die Kunstform Film zu betrachten.

Kinobetreiber protestieren

Die Kinobetreiber sehen das aus existenziellen Gründen – mit Ausnahme der US-AMC, die „The Screening Room“ unterstützt – natürlich genauso. Die Exklusivität im Kino mache Filme zu Events, meint die National Association of Theatre Owners, der US-Kinobetreiberverband. Die britische U.K. Cinema Association befürchtet, dass das Gegenteil von Parkers Versprechen eintreten werde und sich Raubkopien wie ein Buschfeuer verbreiten. Der deutsche Kino-Interessenverband HDF übt auch Kritik: „Kinos dürften aufgrund der zu erwartenden Umsatzeinbußen kaum länger in der Lage sein, die Filmmieten an die Verleiher in bisheriger Höhe aufzubringen.“

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