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Wladimir Medinski, Russlands Kulturminister.

Russland

„Bittet uns nicht um das Unmögliche!“

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Russland führt eine Debatte darüber, dass es auf keinen Fall deutsche „Beutekunst“ zurückgeben will. Ohne wirklichen Anlass, dafür mit Breitseiten nicht nur gegen Berlin.

Russlands Kulturminister ist empört: Ende Dezember habe die deutsche Botschaft mitgeteilt, dass sie anstrebe, die Rückkehr der Kulturgüter zu erreichen, die im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs in die UdSSR gelangt seien. „Dann verbesserten sich die Diplomaten hastig: Na ja, wir streben keine entschiedene Rückgabe an, aber wir möchten die Verhandlungen zu diesem Thema aktivieren“, schreibt Wladimir Medinski. Aber auch diese „windschnittige“ Formulierung bedürfe einer Erklärung: Es werde weder Rückgaben noch Verhandlungen darüber geben. Nicht nur Minister Medinski schlägt Alarm. Russland, genauer Russlands kremlnahe Öffentlichkeit, führt eine neue „Beutekunst“-Debatte. Wobei man die deutschen Forderungen durchaus verschieden charakterisiert. Aber in einem Punkt herrscht Einigkeit: Wir geben nichts zurück!

Zuerst wurde die halbstaatliche Zeitung „Iswestija“ laut. „Die BRD redet wieder über die Restitution sowjetischer Beutestücke“, titelte sie vor Weihnachten. In der deutschen Botschaft habe man der Zeitung mit Verweis auf das Büro der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) erklärt: „Die deutsche Bundesregierung setzt ihre Bemühungen fort, eine friedliche Lösung der Frage über die Repatriierung kulturellen Erbes zu erreichen, und wird darauf bestehen, dass Verhandlungen mit den Vertretern der russischen Regierung geführt werden.“ Eine arg angespitzte Übersetzung der BKM-Erklärung. Statt von der böse Alternativen andeutenden „friedlichen Lösung“ ist dort von einer „einvernehmlichen Lösung“ die Rede. Und statt auf „Verhandlungen zu bestehen“, verlautbart das BKM nur, die deutsche Seite werde „das Thema auch in Zukunft in die gemeinsamen Gespräche einbringen“.

Die „Iswestija“ zitierte auch Michail Schwidkoi, den Sonderbeauftragten des Kremls für internationale kulturelle Zusammenarbeit: Für Verhandlungen oder Rückgaben bedürfe „es einer Atmosphäre des Vertrauens, die es heute leider nicht gibt.“ Im Klartext: Solange die westlichen Sanktionen gegen Russland gelten, passiert gar nichts. Auch in deutschen diplomatischen Kreisen heißt es, zurzeit seien Rückgabe-Verhandlungen eher zwecklos. Die Alarmmeldung der „Iswestija“ wurde von der Staatsagentur RIA Nowosti aufgenommen. So viel Lärm war in Moskau nicht jedem recht. Denn eigentlich gelten die Kulturbeziehungen zu Deutschland als Reservat guter Zusammenarbeit.

Rechtspositionen und Moral

„Die Medien erwecken den Eindruck“, schrieb das Massenblatt „Komsomolskaja Prawda“ kurz nach der „Iswestija“, „als wollten die Nachkommen der Teutonen fast schon die Weltkriegsergebnisse infrage stellen.“ Minister Medinski polemisierte in der Regierungszeitung „Rossijskaja Gazeta“ gegen „neue Versuche, die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs mithilfe der Restitution in Frage zu stellen“. Er schrieb über Rechtspositionen, aber vor allem über Moral. „Verehrte deutsche Partner, gebt ihr uns vielleicht 27 Millionen Menschenleben zurück? Also bittet uns auch nicht um das Unmögliche.“

Man kann die Russen verstehen, wenn sie Schliemanns „Schatz des Priamos“ oder andere Kunstwerke gegen die massenhaft von den Nazitruppen zerstörten oder geraubten russischen Kulturgüter aufrechnen. Medinski aber verwahrt sich gegen jede Form von Restitution, auch an die Ukraine oder an die Niederlande. Und er beklagt die Rückgabe von Millionen deutscher Kunstgegenstände an die DDR 1955 als „falsch verstandene Klassensolidarität“.

Die deutsche Seite vertritt die Ansicht, dass für die nationale Identität wichtige Kulturgüter in ihre Heimatländer zurückgegeben werden sollten. Und diese Idee kommt international zusehends in Mode. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat schon angekündigt, afrikanischen Exkolonien ihre Kunstwerke zurückzugeben. Deutschland hätte mit seinen Restitutionsansprüchen die Büchse der Pandora geöffnet, beschwert sich Michail Piotrowki, Direktor der Petersburger Eremitage, beim „Le Journal des Arts“. Jetzt drohe eine endlose Reihe von Rückgabeforderungen, die am Ende die Museen als Institution vernichten werde. Auch Medinski wirft anderen Nationen allerlei Frevel vor, vor allem Frankreich. Der Louvre sei voll Beutekunst, was allein Napoleon aus Italien, Spanien oder Ägypten weggeschleppt habe… „Nur die Sphinx musste er aus technischen Gründen da lassen. Aus Ärger hat er ihr die Nase weggeschossen“, so der russische Minister. „Aus einer Kanone“.

Es herrschen schlechte Zeiten für leise, nachdenkliche Töne. Auf jeden Fall unter Russlands Staatspatrioten. Auf die Frage der „Komsomolskaja Prawda“ nach einer möglichen Rückgabe deutscher Kulturgüter, antwortete der Autor Sachar Prilepin: „Die sollen uns zuerst die DDR, die Ukraine und das Baltikum zurückgeben, dann werden wir mal sehen.“

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