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Schniefnase in Schieflage.
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Schniefnase in Schieflage.

Anne Vogd

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  • VonAnne Vogd
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Schniefnase in Schieflage: Der Januar ist echt der Verlierer unter den Monaten. Comedienne Anne Vogd lässt ihren schlechten Vorsätzen freien Lauf.

Draußen null Grad, drinnen null Bock. Extrem viel null Bock. Seit Tagen hänge ich durch – und zwar so arg, dass ich sogar das Schaukeln vergesse. Der Januar ist und bleibt der Underdog unter den Monaten. Gut, er hat’s auch wirklich nicht leicht. Im Dezember ist mein Garten lichtertechnisch so aufgebrezelt, dass man ab 17 Uhr mit einem Landeversuch eines Passagierflugzeugs rechnen muss. Und jetzt? Graue Suppe, Dauerregen. Ein Monat, in dem ich zu 90 Prozent aus Schal bestehe. Der Januar ist deprimierend und schniefnasefördernd.

Ich hätte mir zu Weihnachten mal besser einen Wecker schenken lassen, der nach drei Mal Schlummertaste-Drücken automatisch eine Krankmeldung an die Personalabteilung schickt. Aber nein: Die Pflicht ruft. Ich denke noch: „Sag ihr, ich ruf‘ zurück.“ Dann raffe ich mich doch auf. Die Straßen sind voll. Weihnachtsferien überall vorbei. Fährst du rechtzeitig los, bist du viel zu früh da. Fährst du pünktlich los … Vollsperrung wegen entflohenem Schneefloh auf der A5. Immer!

Dann im Büro: Ich vermisse meine Motivation. Ich hoffe, es geht ihr gut – da, wo sie jetzt ist. Mit Konzentration geht mein Gehirn so sparsam um, als wäre sie illegal. Kennen Sie das? Meine Arbeit leidet darunter. Ich habe jetzt meinen Schreibtisch ans Fenster gerückt, wegen des Tageslichts. Vitamin D und so. Bessere Konzentration.

Die Realität sieht dann so aus: „Oh eine Taube … Haben Tauben eigentlich Ohren? Und da, weiter oben, ein Flugzeug … Haben Flugzeuge eigentlich Hupen? Wer hat denn da seine Mülltonne noch nicht wieder reingeholt? Und wieso hat DHL eigentlich so große Autos, so viel Platz nimmt so ein kleiner Benachrichtigungszettel doch gar nicht ein … Oh, noch eine Taube, die gerade auf alles scheißt … Ach, guck an, bei Amazon gibt’s jetzt Heißluftfritteusen, die man an eine Powerbank anschließen kann … Wo ist denn diese Taube jetzt hin? Haben die bei Amazon eigentlich eine Kundentoilette? Und hoppla, mein 130. Geburtstag fällt auf einen Sonntag … Da könnte man doch reinfeiern …

Anne Vogd.

Ich murkse drei Stunden vor mich hin, bis mein Computer, die alte Kiste, mal wieder abstürzt und ich beide Sätze nochmal schreiben muss. Verdammt, hoffentlich ist bald Feierabend. Da kann ich endlich all das machen, was ich jetzt auch mache, nur ohne schlechtes Gewissen. So kann es nicht weitergehen. Was würden Sie eigentlich machen, wenn Sie die Wahl hätten zwischen Präsentation vorbereiten, Protokoll schreiben oder Reisekosten abrechnen? Auf welche Plattform würden Sie gehen? Zalando oder Ebay?

Ich werde jetzt erstmal in klassischer Erbauungsliteratur wie Kalendersprüchen oder Glückskeksen nachlesen, wie man einen solch veritablen Durchhänger meistert. In diesen Schriften kann man viel über sich und das Leben lernen. Huch, sag‘ ich’s doch. Hier steht: „Rom ist auch nicht an einem Tag untergegangen“ oder so ähnlich.

Der Januar ist ein Loser-Monat. An Silvester habe ich noch gedacht: Raus aus dem Trostpreiskörper! Ich werde, wie alle, jetzt Sport machen, mich gesünder ernähren und nach 20 Uhr gar nichts mehr essen … Eine ganze Woche lang dachte ich das immer noch. Aus „In zehn Tagen zur Bikinifigur“ wird allerdings gerade „In 10 Tagen zur Couchfigur“. Ich habe Küchenkräuter gekauft und überlegt, ob ich sie gleich wegwerfen soll oder erst, wie sonst üblich, in einer Woche. Und nach 20 Uhr nichts mehr essen, das hat auch nicht funktioniert. Ist ja auch völlig ignorant gegenüber meinem Körper. Der sagt: „Ich bin hungrig, und du gehst nicht drauf ein!“ Wenn ich spät abends aufs Klo muss, sage ich doch auch nicht: „Sorry, es ist nach acht. Das geht jetzt nicht mehr.“

Für nächstes Jahr werde ich mir nichts vornehmen – und damit auf jeden Fall Erfolg haben. Denn es ist viel schlimmer, Ziele nicht zu erreichen als gar keine zu haben. Wobei, ganz ehrlich: Wer immer versagt, ist doch auch zuverlässig, oder?

Anne Vogd, 1965 im Rheinland geboren, ist Kabarettistin, Karnevalistin und regelmäßige Autorin des FR-Wochenendmagazins FR7. Mit ihrer Serie „Volle Kanne Anne“ ist sie bei SWR3 zu hören. Ihr Buch „Ich hab‘ s auch nicht immer leicht mit mir“ ist bei Ullstein erschienen..

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