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Ein bisschen Nähe kann nicht schaden

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Von: Daniela Vates

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Oliver Samwer, Geschäftsführer der Startup-Schmiede Rocket Internet, und Angela Merkel diskutieren auf dem Netz-Kongress der CDU.
Oliver Samwer, Geschäftsführer der Startup-Schmiede Rocket Internet, und Angela Merkel diskutieren auf dem Netz-Kongress der CDU. © dpa

Die eine gilt als eine der mächtigsten Politikerinnen der Welt, der andere als einer der aggressivsten Internet-Unternehmer. Bei einem Netz-Kongress der CDU sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer nun aufeinandergetroffen.

Eins ist Angela Merkel nicht für Oliver Samwer und das steht schon sehr schnell fest: Die Kanzlerin ist keine gute Kundin. „Ich kaufe ganz wenig im Internet“, sagt sie und leider habe das auch eines zur Folge: Sie bekomme immer die selbe Werbung präsentiert im Netz. Wofür? Schuhe? Bücher? Sofaecke? Und auf welchem Portal gekauft? Verrät die Kanzlerin nicht. „Ich bin doch nicht blöd“, raunzt sie den Moderator an.

Zwar steht sie für ihre Partei auf der Bühne in der Berliner CDU-Zentrale. Die CDU hat zu einem Netzkongress geladen, und Partei-Generalsekretär Peter Tauber stellt zufrieden fest, dass die Partei wohl an Glaubwürdigkeit bei dem Thema gewonnen habe, weil mehrere Hundert Teilnehmer gekommen sind. Aber alles müssen diese  Teilnehmer eben nicht wissen, zum Beispiel das Einkaufsverhalten der Kanzlerin. Datenschutz am Mikrophon ist das.

Fragen voller leiser Kritik

Als Neuland hat Merkel das Internet vor einer Weile bezeichnet, sie ist dafür verspottet worden. An diesem Abend wiederholt sie das Wort, sie sagt, sie habe ihre Meinung nicht geändert. Neben ihr steht Oliver Samwer, erfolgreich, milliardenschwer, umstritten und der sagt, es sei nicht alles schlecht in Deutschland. Das Ökosystem zum Beispiel. Aber an den USA müsse man sich dennoch ein Beispiel nehmen.

Merkel gibt sich als Neugierige, als Lernende, als Fragende. In ihre Fragen mischt sich Schärfe, leise Kritik. „Warum löst man sich von tollen kleinen Unternehmen, die Zuwächse haben“, fragt sie Samwer, den Risiko-Kapitalgeber für Start-Ups. Und weil gerade auch noch ein Miele-Manager auf der Bühne steht, zieht sie den Vergleich: Ein Staubsaugerunternehmer, der zehn Prozent Gewinn nicht die Staubsaugerproduktion aufgeben, um künftig Kühlschränke zu produzieren.

Offenheit für Fremdsprachen

Samwers Hauptforderung nach mehr staatlicher Förderung von Risikokapital entgegnet Merkel: „Wenn ich einen Euro auftreibe, haben sie denn dann die vier oder fünf Euro?“ Samwers Wunsch, die Zuwanderung von Fachkräften zu erleichtern, damit etwa indische Programmierer leichter nach Deutschland kommen können, kontert Innenminister Thomas de Maizière später mit dem Hinweis, die Erleichterung gebe es schon. „Das ist ein Vorwurf von vor acht Jahren.“ Merkel weist auf etwas anderes hin: Die Sprachbarriere werde für Internet-Fachkräfte, die sich in einer englischsprachigen Arbeitswelt bewegten, in Deutschland immer bleiben.

Sie macht dann einen anderen Schlenker, der weniger interessant für die versammelte Internet-Community als für die CDU sein mag: Deutschland müsse offener werden für Fremdsprachen – und zwar „bis hin zum Theaterangebot“. Sie sagt, das sei so, auch wenn die CDU sich dafür einsetze, dass Deutsch als Landessprache Verfassungsrang bekomme.

Firmen-Chef Samwer sagt zum Abschluss, eine „Politik der kleinen Schritte“ sei etwas ganz sinnvolles in der Netzpolitik. Es ist Merkels Begriff. Ein bisschen Nähe kann nicht schaden.

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