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BLOGOSPHÄRE

"Bild" entlarven!

Seit einem Jahr schaut das BILDblog Deutschlands größter Boulevardzeitung auf die Finger. Vier Medienjournalisten berichten regelmäßig über "die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme". Für diesen Einsatz bekamen die Bildblogger nun den Grimme-Online-Award verliehen.

Von MARIO SIXTUS

Seit einem Jahr schaut das BILDblog Deutschlands größter Boulevardzeitung auf die Finger. Vier Medienjournalisten berichten regelmäßig über "die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme". Für diesen Einsatz bekamen die Bildblogger nun den Grimme-Online-Award verliehen, die Internet-Variante, des bekannten Fernsehpreises. Das Bildblog demonstriere, "wie das Internet für eine unabhängige, kontinuierliche und professionelle Medienkritik genutzt werden kann", heißt es in der Begründung. Und: "Hier sind nicht nörgelnde Besserwisser am Werk, sondern recherche- und pointensichere Journalisten, die ihre Behauptungen sorgfältig prüfen und unterhaltsam präsentieren." Die deutsche Blog-Welt applaudiert artig. "Ein Fünkchen Vernunft und ein Quäntchen Gerechtigkeit - ein klitzekleines - ist doch noch in der Welt", hofft beispielsweise Le Teil. Nur Marc Wickel nörgelt über die fehlende Kommentarfunktion des BILDblogs: "Leser können Hinweise schicken, aber das kann man schon seitdem es Websites mit E-Mail-Kontaktadressen gibt. Ich stelle mir 'Partizipation' irgendwie anders vor wenn 'Blog' draufsteht." Davon ungerührt berichtet Bildblogger Stefan Niggemeier im Magazin Onlinejournalismus.de "vom Glück, BILDblog zu machen": "Nach einem Jahr BILDblog fühle ich mich gegenüber der größten und einflussreichsten deutschen Zeitung weniger ohnmächtig denn je."

Eines der am häufigsten strapazierten Worte im langsam anrollenden Wahlkampf lautet "Innovation". In der vergangenen Woche hatte Verteidigungsminister Struck einen besonders innovativen Einfall, wie man wohl all die Arbeitslosen beschäftigen könne. Beim Besuch der 14. Panzerdivision im vorpommerschen Torgelow, dachte er laut darüber nach, Erwerbslose doch einfach als Übungspartner in Truppenmanövern einzusetzen. Majestic denkt noch einen Schritt weiter und spekuliert ironisch über eine militärische Lösung des Arbeitsmarktproblems: "Vielleicht wird es ja im Umgang mit Soldaten aufgerieben und vernichtet, das Heer der Langzeitarbeitslosen." Tony vermutet, der Verteidigungsminister wolle lediglich die Truppe psychologisch aufbauen: "Weil die Arbeitslosen vom Krieg nichts verstehen, wäre unserem Heer das Erfolgserlebnis so gut wie sicher." Derweil fragt sich Jörg Kantel, "welches Kraut unsere Politiker eigentlich rauchen, denn soviel Alkohol kann man gar nicht trinken, um auf so blöde Ideen zu kommen."

Endlich hat auch die Wissenschaft die Blogosphäre entdeckt. Der Soziologe Dr. Jan-Hinrik Schmidt beglückt in seinem Aufsatz "Praktiken des Bloggens" die Welt mit Erkenntnissen wie dieser: "Technische Merkmale, die mehr oder weniger viele Optionen eröffnen, geteilte Vorstellungen und Regeln zum adäquaten Gebrauch von Weblogs, die sich in Form von Adäquanz- und prozeduralen Regeln innerhalb von Verwendungsgemeinschaften äußern, und die hypertextuellen und sozialen Netzwerke, die im Gebrauch entstehen, geben der individuellen Nutzungsepisode einen Rahmen vor, der durch die kommunikativen Handlungen selber wieder bestärkt oder verändert wird." Ah, ja. Vielen Dank, Herr Doktor.

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