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Eine Reportage über das zunehmend brisante Thema des "Gesundheitsdarwinismus". Maischbergers und Steins "Kasse gegen Privat" ist geschickt konzipiert. Von René Martens

Von René Martens

Das Gremium, das gewissermaßen als Gesetzgeber im hiesigen Gesundheitswesen fungiert, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt, obwohl die Beschlüsse, die dieser sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss fasst, über Leben und Tod entscheiden können:

Welche Untersuchungen und Therapien dürfen Ärzte durchführen, wenn ein Patient nur gesetzlich versichert ist? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das seit 2004 existierende Gremium, dem Ärztefunktionäre sowie Vertreter des Spitzenverbands der Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft angehören.

Sandra Maischberger und Ulrich Stein haben für ihre Reportage "Kasse gegen Privat" den öffentlichen Sitzungen des Ausschusses beigewohnt und Mitglieder befragt.

Einigen Funktionären war offensichtlich nicht wohl dabei. Schon vor der Ausstrahlung des Films am heutigen Montag bekamen die Macher Briefe, deren Freundlichkeit sich in Grenzen hielt.

Leben wie im Hotel

Das Thema der Reportage ist nicht neu: die Zwei-Klassen-Medizin. Maischberger und Stein gelingt es aber, neue Facetten in die Debatte einzubringen, indem sie etwa die Aufmerksamkeit auf den Gemeinsamen Ausschuss lenken. Außerdem reden hier viele Ärzte erstaunlich offen über die Schwierigkeiten, die der "Gesundheitsdarwinismus" (eine Formulierung der Kölner Buchautorin Sibylle Herbert, die Maischberger interviewt hat) mit sich bringt.

So erfährt der Zuschauer etwas über die Regressforderungen, die einem Mediziner drohen, wenn er einem Patienten ein benötigtes Medikament verschreibt, das die Kasse nicht bezahlen will. Als Kontrast zu den Problemen für Kassenpatienten liefern Maischberger/Stein einen Einblick in ein Privatversicherten-Paradies: In der Berliner Meoclinic lebt es sich wie im Hotel, Flachbildfernseher im Krankenzimmer fördern die Genesung.

"Kasse gegen Privat" ist geschickt konzipiert: Regisseur Stein lockert die enorme Faktenfülle durch Splitscreen-Einstellungen auf, zeigt beispielsweise auf der einen Bildschirmhälfte Gesprächssituationen und auf der anderen eher atmosphärische Bilder (Kamerafahrten über Krankenhausflure). Dabei wirkt die Reportage stets ausgeruht.

Auf die Frage, warum die Zwei-Klassen-Medizin Bestand hat, obwohl das Problem doch jedermann bekannt sein müsste, sagt der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, die "Meinungsmacher" hierzulande seien halt privat versichert, ebenso Professoren und Gutachter. Auf die Meinungsmacherin Maischberger trifft das ebenfalls zu. Allerdings sagt sie auch: "Mir ist es peinlich, dass ich besser behandelt werde."

"Kasse gegen Privat", ARD, 21 Uhr

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