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"Haus und Kind" mit Stefan Kurt

Das Besondere im Alltäglichen

Wolfgang Kohlhaase hat eine stille Ballade von dem betrogenen Bigamisten geschaffen. Von Tilmann P. Gangloff

Von Tilmann P. Gangloff

Am Anfang dieses Drehbuchs stand womöglich der Schluss: eine grimmige Pointe, die einem Mann im wahren Leben jeden Boden unter den Füßen wegreißen würde. Aber Wolfgang Kohlhaases etwas unscheinbarer Held (Stefan Kurt) hat sich bei allem Intellekt eine fast kindliche Naivität bewahrt.

Deshalb ist und bleibt er auch, wie so viele Hauptfiguren von Geschichten über Bigamisten, ein Sympathieträger. Das macht den vom vierfachen Grimme-Preisträger Andreas Kleinert ("Mein Vater") sachlich und gelassen inszenierten Film trotzdem noch nicht zur "sarkastischen Sommerkomödie", wie Arte wirbt; die Handlung ist ohnehin eher tragisch, wenn man mal den Standpunkt wechselt.

Aus Sicht des Mannes

Aber das galt für "Sommer vorm Balkon", die letzte Arbeit des großen früheren Defa-Autors ("Solo Sunny"), ja ebenfalls. Die beiden Filme erzählen zwar grundverschiedene Geschichten, doch es gibt auch offenkundige Parallelen, und das nicht nur, weil es hier wie da um einen Mann und zwei Frauen geht. Die Handlungsperspektive im neuen Film ist allerdings die Sichtweise des Mannes. Der hat sich sein Leben wunderbar eingerichtet: Als Professor Neubauer vor Jahren der Ruf nach Berlin ereilte, ist seine Frau Lena (Marie Bäumer) daheim in der Provinz geblieben.

Dass er sie nach wie vor aufrichtig liebt, hindert ihn nicht daran, die einsamen Nächte mit der jungen Kellnerin Melanie (Stephanie Schönfeld) zu teilen. Aber seit auch Lena nach Berlin gezogen ist, wird das Dasein für den braven Historiker zunehmend anstrengender.

Immerhin gelingt es Neubauer, sein Zeit-Management zu koordinieren: Da Lena ein Morgenmuffel ist, schaut er morgens zu Sex und anschließendem Frühstück bei Melanie vorbei. Allerdings wirkt sich die Doppelbelastung fast zwangsläufig nachteilig auf die Verrichtung seiner ehelichen Pflichten aus. Dafür findet er mit Lena vor den Toren der Stadt ein Traumhaus, etwas heruntergekommen zwar, aber idyllisch gelegen.

Die nicht minder verwahrloste Bewohnerin, von Gudrun Ritter in einer großartigen Mischung aus Beschränktheit und Bauernschläue verkörpert, ist man auch bald los: Ein offen gelassenes Dachfenster führt in Kombination mit einem Unwetter dazu, dass die alte Frau nach dem Einsturz der maroden Decke ins Krankenhaus muss. Nun fehlt Neubauer zum vollkommenen Glück bloß noch Nachwuchs, am besten von beiden Frauen. Just jetzt aber entpuppt sich sein Kartenhaus als höchst einsturzgefährdet ...

Kohlhaase, aktuell mit "Whisky mit Wodka" im Kino, erweist sich mit dieser eher stillen Komödie erneut als wunderbarer Beobachter des Besonderen im Alltäglichen.

"Haus und Kind", Arte, 21 Uhr.

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