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Beichte

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Von: Sylvia Staude

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Beichtstühle in Kirchen werden heutzutage immer seltener genutzt.
Beichtstühle in Kirchen werden heutzutage immer seltener genutzt. © Fredrik Von Erichsen/dpa

Früher durfte nur einer zuhören, jetzt gibt es die „Fuck-up Nights“ für diejenigen, die es im Großen versemmelt haben.

Zehn Veranstaltungen, 41 „Speaker“, 1000 Liter Bier, verteilt auf immerhin 1250 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Veranstaltung: Das ist laut Homepage die bisherige Bilanz der sogenannten „Fuck-up Nights“ in Frankfurt (anderswo gibt es die auch, das Format expandiert). Die einen stellen sich dabei auf eine Bühne und erzählen, was sie besonders tief in den Sand gesetzt, so richtig schön vermasselt haben. Die anderen (1250!?) trinken anscheinend Bier und hören zu. Na ja. Da war ja einst die Beichte weniger schrecklich, besonders wenn man als Kind eigentlich gar nichts zu beichten hatte und darum Kleinigkeiten erfand: die Mutter angelogen, dass man die Hausaufgaben schon gemacht hätte, dem Dackel Bier in den Napf getan, woraufhin er torkelte, so Sachen halt. Man saß also im Kabäuschen, im Dämmerlicht und fragte sich höchstens, ob der Pfarrer einen womöglich an der Stimme erkennen könnte.

Die Versemmel-Nächte sind für solche Kleinigkeiten auch gar nicht gedacht, es geht um wirtschaftliche Misserfolge, um Menschen vor allem, die eine Firma gründeten und damit pleite gegangen sind. Aber warum sich zum Beispiel jemand, der als „Autor, Schauspieler, Türsteher, Legende“ zur Fuck-up Night angekündigt wird, das antun sollte? Weil, schreibt der Veranstalter, „Deutschland eine andere Fehlerkultur braucht“.

Da hat sich das Times mager überlegt, dass es doch auch mal beichten könnte. Sozusagen als Texte-Gründer, von denen am Ende der ein oder andere im übertragenen Sinn durchaus eine Pleite sein kann, auch wenn er hilft, die Zeitung zu füllen. Und was die Fehlerkultur betrifft: Wir fördern an dieser Stelle jede Art von Kultur, wir können gar nicht anders.

Aber nun die versprochene TM-Beichte.

Wir haben im ablaufenden Jahr kräftiger spationiert, als die Layout-Polizei erlaubt: mal die Schriftweite verkleinert, mal vergrößert, statt, wie es sich für eine gewissenhafte Redakteurin gehört, Wörter hinzuzufügen oder wegzukürzen. Wir taten dann immer so, als geschehe dies nur aus Respekt vor dem Text. Wir haben ein, zwei, höchstens drei Bilder im Internet geklaut (wir sagen aber nicht welche, wir sind ja nicht blöd, zum Schluss liest uns noch ein Copyright-Anwalt). Wir haben Namen falsch geschrieben und Jahreszahlen verdreht. Oder von anderen falsch geschriebene Namen und Jahreszahlenverdreher nicht berichtigt. Wir haben Ihnen Aufführungen empfohlen, die bereits komplett ausverkauft waren (handelt es sich hier um Sadismus?). Und TV-Krimis madig gemacht, die Sie vielleicht großartig gefunden hätten. Andererseits: Da weiß man eben nicht, wie es ausgegangen wäre.

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