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"Die Bedrohungslage hat sich deutlich verschärft"

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Von: Jörg Hunke

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Lässig surfen: Nutzer gehen mit ihren Daten zu leichtfertig um.
Lässig surfen: Nutzer gehen mit ihren Daten zu leichtfertig um. © RTR

Eine Studie zeigt: Die Deutschen machen sich wenig Gedanken um die Sicherheit im Netz. Insbesondere junge Menschen und Senioren haben ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein. Dabei nimmt die IT-Kriminalität in Deutschland stetig zu.

Wird schon gutgehen – das denken noch immer die meisten Menschen in Deutschland, wenn es um die Sicherheit ihrer Daten geht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Eine weitere Erkenntnis: Über die Gefahren im Netz wissen die Nutzer zwar immer mehr, allerdings sinkt ihre Bereitschaft, sich durch Updates oder sichere Passwörter zu schützen. Die Kluft zwischen Wissen und Handeln verschärft sich also.  

Mehr als 2000 Menschen hatte der Verein „Deutschland sicher im Netz“, der auch vom Innenministerium unterstützt wird, zu ihrem Verhalten im Netz befragen lassen. Laut Studie haben 60 Prozent der Bundesbürger einen erhöhten Aufklärungsbedarf. Insbesondere die Gruppe der sogenannten Fatalisten, zu denen viele junge Menschen gehören, offenbarte bei der Befragung ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein. Auch Senioren, die sich noch nicht so routiniert im Netz bewegen, haben Schwierigkeiten, wenn es um sichere Passwörter oder Updates geht. „Der Index zeigt, dass wir in Deutschland noch ein sehr unterschiedlich ausgeprägtes Wissen über IT-Sicherheit haben“, erklärte Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Kinder und Jugendliche sollen schon in Kürze über das Bedrohungspotenzial im Schul-Unterricht besser informiert werden. Von professioneller Aufklärungsarbeit sprach Thomas Kremer, der Vorstandsvorsitzender des Vereins, er forderte dafür allerdings finanzielle Unterstützung für die Zukunft. Das Bundeskriminalamt belegt jedes Jahr mit neuen Zahlen, dass die Computerkriminalität in Deutschland zunimmt. Vor drei Jahren wurden fast 46 000 Fälle bekannt, ein Jahr später waren es fast 50 000, die Zahl wird in Zukunft steigen, davon gehen die Experten aus. Beim Bundeskriminalamt erwarten die Beamten eine höheren Organisationsgrad und besseren Technik der Angreifer. „Die Bedrohungslage hat sich deutlich verschärft“, sagte auch Kremer. Die Zahlen der Studie belegen, dass die Bürger das Gefühl haben, deutlich häufiger von Sicherheitsvorfällen betroffen zu sein.  

Das persönliche Gefährdungsgefühl hat trotzdem leicht abgenommen und liegt bei 27,1 Punkten. Dies hänge damit zusammen, dass es doch nicht zu einem „signifikanten Problem“ etwa mit dem Online-Banking gekommen sei, glaubt Hartmut Scheffler, Geschäftsführer des Unternehmens Kantar-TNS, das die Studie durchgeführt hatte. Auf der anderen Seite sei das Sicherheitswissen leicht auf 86,4 Punkte um knapp zwei Zähler nach oben geklettert, das tatsächliche Sicherheitsverhalten leicht gesunken auf 51,4. Aber lassen sich die Bürger wirklich motivieren zu bewusstem Verhalten, schließlich bleiben Updates nicht immer ohne Komplikationen? Wie also die Bürger anspornen? Auf die Frage, ob vielleicht Vorbilder fehlten, gab es nachdenkliche Gesichter bei der Pressekonferenz. Youtube-Stars, die sich in ihren Videos für Datensicherheit einsetzen, sind eher die Ausnahme. Influencer posten Fotos mit ihren Lieblingsprodukten bei Instagram, geben aber keine Hinweise zu notwendigen Updates. Und Popstars oder Fußballprofis tun alles dafür, um mehr Follower zu bekommen. Sie wollen gemeinsam Spaß haben, Ratschläge machen sich da nicht sonderlich gut. Auch Behörden, Unternehmen und Software-Produzenten wurde zuletzt mangelhaftes Sicherheitsbewusstsein vorgeworfen, als über die Wanna-Cry-Attacke berichtet wurde. „Die Verbraucher sind nicht alleine verantwortlich“, so Kremer, der auch im Vorstand der Telekom tätig ist. Er forderte eine nationale Anstrengung: „Digitale Kompetenz ist die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert.“

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