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Barbara Schöneberger in der Alten Oper.

Barbara Schöneberger

Barbara Schöneberger in Frankfurt: Und was ist nun Libido?

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Barbara Schöneberger gibt in der Alten Oper Frankfurt Auskunft.

Eine Frau gibt Auskunft? Nichts wie hin. Natürlich ist Barbara Schönebergers Auftritt in der Alten Oper Frankfurt dann ein Balanceakt, erstens weil sie logischerweise nichts zu sagen bereit ist, was man nicht schon wüsste, zweitens weil sie sich fast alle halbe Stunde umzieht und anschließend noch unbequemere Sachen anhat. Die fünf Kostüme sind weitgehend unmöglich, aber glamourös. Sie handeln davon, wie man in bestimmten Situationen (einem Auftritt im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt z. B.) gerne einmal aussehen möchte, aber dann sieht man halt nicht so aus, hat sich jedoch bereits hineingearbeitet in das Teil, und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Barbara Schöneberger sieht außerdem fast so aus, wie man damit aussehen sollte, das ist Teil des Balanceaktes. Es ist bewundernswürdig, dabei zuzusehen, wie sie sich haarscharf nicht lächerlich macht, aber es ist auch das, was riskanter klingt, als es ist.

Die März-Tour „Eine Frau gibt Auskunft“ – nach dem 2018 herausgekommenen Album – ist sicher ein unheimlich gut vorbereitetes Programm, zu dem dazugehört, dass vieles wirkt, wie vorhin erst ausgedacht. Barbara Schöneberger hat eine imposante Art, den weiten Raum zu einem Räumchen zu machen, in dem sie plaudert, plappert und singt und mit dem Publikum redet. Einzelne sind tadellos bereit, Liedzeilen zu Ende zu singen, wenn sie ihnen dafür das Mikrofon vor die Nase hält. Die Schlagertextfestigkeit und Geistesgegenwart vieler – aber nicht aller! – ist enorm.

Barbara Schöneberger erweckt den Eindruck, die Flucht nach vorne anzutreten, redet rigoros nur über sich, über ihr Aussehen, ihre Wahnsinnslocken (Extensions, Frauen lieben in diesen Fragen ein offenes Wort, Männer spielten den Abend über eher so eine Apropos-Rolle) und ihre zahlreichen Aktivitäten. Diese scheinen ihr einerseits zu missraten, andererseits läuft es offenbar doch ganz okay. „Jetzt singt sie auch noch“, spricht sie dann bekanntlich mit Volkes Stimme, aber die Leute haben wirklich nichts dagegen, weder gegen ihre eigenen Lieder, Schlager mit teils pfiffigen, für einige Männer vielleicht ärgerlichen Texten und mit netten Arrangements, noch gegen die Coverlieder.

Gegen die sogar erst recht nichts, was etwas erstaunt. Jedenfalls tut Barbara Schöneberger in keiner Hinsicht so, als könnte sie etwas besser, als sie es kann. Allerdings ist sie in diesem Rahmen permanent zugange. Die Selbstironie und die Ironie umgeben sie als schirmendes Schild, aber auch mit jenem faden Beigeschmack, den übermäßiger Gebrauch stets mit sich bringt. Man macht es so mittel und erklärt es zur Ironie. Dadurch ist alles gut auszuhalten, auch der Bildungsproblematikwitz („Während Sie googlen, was Libido ist, fange ich schon mal an zu singen“) oder der Doppelnamenwitz („Will jemand auf die Bühne kommen?“). Interessanterweise wurde nicht immer über alles gelacht, was verschiedene Gründe haben könnte.

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