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Bande

Angoulême, in der Mitte zwischen Bordeaux und Poitiers gelegen, ist die Hauptstadt des Départements Charente und der Region Poitou-Charentes in Westfrankreich. Dort, zwischen Käsebergen und Weinseen, geht das Festival international de la bande dessinée zu Ende.

Von Hans-Jürgen Linke

Während nach Tunesien auch das alte Ägypten im Chaos versinkt, Züge zusammenrasen, Lebensmittel vergiftet werden, und das ist jetzt nur eine kurze, willkürliche und vergleichsweise leidenschaftslose Auswahl aus all den Dingen, die Journalisten zurzeit beschäftigen, während also all dies und noch viel mehr geschieht, haben sie in Angoulême nichts Wichtigeres zu tun, als – Moment, weiß da jemand nicht, was und wo Angoulême ist?

Angoulême, ziemlich genau in der Mitte zwischen Bordeaux und Poitiers gelegen, ist die Hauptstadt des Départements Charente und der Region Poitou-Charentes in Westfrankreich. Dort, zwischen Käsebergen und Weinseen, geht heute das Festival international de la bande dessinée zu Ende. Bande dessinée, gezeichneter Streifen, ist etwas, wofür es kein gebräuchliches deutsches Wort gibt, weshalb wir dafür das abgekürzte Lehnwort „Comic“ verwenden.

Das internationale Comic-Festival also ist eine der großen, regelmäßigen Attraktionen der Stadt Angoulême, und die Kollegen aus den französischen Kultur-Rekationen lassen keinen Zweifel an der Wichtigkeit dieses Festivals. Zumal dort etwas geschieht, was häufig auf der Welt geschieht, auf untgerschiedlichsten Gebieten und mit den verschiedensten Vorzeichen: Die Amerikaner kommen. Und zwar massiv. Unter den insgesamt 58 Alben, die die offizielle Auswahl für den großen Preis des Festivals bilden, stammen zehn aus den USA. Eine erdrückende Übermacht. Ob sich die durchaus aussichtsreichen Kandidaten aus Frankreich („Quai d’Orsay“ von Christophe Blain und Abel Lanzac oder „Château de sable“ von Frédérik Peeters und Pierre-Oscar Lévy), vielleicht gar Künstler aus Italien, Belgien oder Japan dagegen werden durchsetzen können?

Wohl kaum. Den ersten wichtigen Schritt in Richtung auf eine Festigung ihrer Comic-Weltherrschaft haben die Amerikaner gestern schon geschafft. Art Spiegelman, Autor des düsteren Cartoon-Romans „Maus“, dessen Thema der Holocaust ist und der als einziger Comic überhaupt einen Pulitzer-Preis bekam, erhielt den großen Preis des Festivals. Ein großer Schritt für die Völkerverständigung?

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