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Cindy Shermans „Untitled #69“ aus der Reihe „Rear Screen Projections“, 1981.

Ausstellung

So viel Ping-Pong im Kopf

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Komplex, aber reizvoll: „Moving/Image“ der DZ Bank Kunstsammlung in Frankfurt über Bewegtbild und Fotografie.

Wo kommt das Licht her? Was erhellt die gespenstisch-neblige Szenerie: die Lichtung im Wald, die umgestürzten Bäume und die Wölfe, die hinter dem Holzzaun stehen und starren? Es könnte der Mond sein; sicher ist das nicht, denn er ist nicht zu sehen. Auch bei dem Werk neben „Production Photograph“ von Julian Rosefeldt stellt sich die Frage nach der Quelle des ominösen Lichtkegels, der die beschauliche Nacht in einem, so scheint es, amerikanischen Vorort jäh zerstört. Eigentlich möchte man das gar nicht so genau wissen, wirkt alles in „Untitled“ von Gregory Crewdson doch so, als lande gleich eine Gruppe Außerirdischer in der Gegend.

Die beiden Fotografien erinnern an Science-Fiction-Filme – deswegen hängen sie derzeit im Art Foyer der DZ Bank Kunstsammlung in Frankfurt. Die Ausstellung „Moving/Image. An Exploration of Film and Photography“ widmet sich mit knapp 180 Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler der gemeinsamen ästhetischen und erzählerischen Erscheinungsformen von Film und Fotografie und fragt nach dem Verhältnis der beiden Disziplinen.

Obwohl sich beide in vielen Dingen ähnelten, unterscheide sie doch etwas, sagt Ellen Harrington, die das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt leitet und Gastkuratorin der Schau ist. Die eine stehe, die andere bewege sich. Trotzdem – oder gerade deswegen, denn es geht ja auch um das gegenseitige Beeinflussen – strahlen viele der Fotos eine unglaubliche Dynamik aus.

Die Reihe „Entering the Landscape“ von Angela Grauerholz etwa zeigt in acht schwarz-weißen Bildern Menschen, die den Betrachtenden den Rücken zuwenden, während sie in verschiedenen Landschaften unterwegs sind. Es scheint ganz so, als wollten sie, dass man ihnen folgt. Aber wohin geht es dann? Manche dürften sich an Einstellungen in Filmen erinnert fühlen, in denen die Kamera der Hauptperson folgt; anderen wird es vorkommen wie eine spezielle Darstellung der aus der Malerei bekannten Rückenfigur.

Die Werke bieten die unterschiedlichsten Anknüpfungspunkte, abhängig von der eigenen Verfassung und dem persönlichen Hintergrund. Das wechselseitige Verhältnis von Film und Fotografie lässt sich, wie ein Ping-Pong-Spiel, immer wieder neu entdecken – das macht die Ausstellung gleichermaßen reizvoll wie komplex. Auf die Sektion „Dialog“ folgt „Montage“. Erstere zeigt vor allem Einzelbilder, die für sich stehen; sie verweisen auf Film-Genres, wie Gregory Crewdsons Lichtkegel-Werk, oder erinnern an Frauenfiguren aus Fernsehen und Kino, wie in Cindy Shermans Serie „Rear Screen Projections“.

Die zweite Sektion bezieht sich auf mehrteilige Werke, deren Elemente zwar für sich sprechen, aber als Gesamtkomposition zusammenhängen – so wie Grauerholzers „Entering the Landscape“ oder „Three Frame Studies“ von Vito Acconci: Die Collage zeigt die Prävisualisierungen, also Entwürfe, dreier Super-8-Kurzfilme. Sechs Einzelbilder bilden jeweils sechs Einstellungen ab: Ein Mann läuft im Kreis um die Kamera herum, zwei Männer kämpfen, ein Mann springt aus dem Stand – filmische Storyboards, die die Köpfe der Betrachtenden automatisch zu Kameras machen.

Piotr Uklanski zeigt bei „The Nazis“ 40 Porträts von Schauspielern in Wehrmachts- und SS-Uniformen aus internationalen Spielfilmen. Sie bilden ein riesiges Mosaik, in dem jedes einzelne Element seine eigene Geschichte erzählt – und mit denen Uklanski spielt. Obwohl etwa Ronald Reagan, hier in „Desperate Journey“ von 1942, als Nazi dargestellt ist, denkt man unweigerlich an seine Amtszeit als US-Präsident. Roger Moore, zu sehen in „Escape to Athena“ von 1979, erinnert sofort an James Bond.

Und weil „Moving/Image“ Fotografien ebenso thematisiert wie bewegte Bilder, werden diese ebenfalls gezeigt: In einem kleinen Kinosaal sind zwei Kurzfilme sowie Ausschnitte aus einem Spielfilm zu sehen, die das Handwerkszeug, die spezifische Beschaffenheit und Wirkung der Fotografie aufgreifen und auf experimentelle Art verwenden. Zusätzlich greift das Filmmuseum seinerseits die Ausstellung mit einer Filmreihe im Juli auf.

Die Ausstellung

DZ Bank Kunstsammlung: bis 12. Oktober, im Art Foyer
www.dzbank-kunstsammlung.de

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