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Helmut Lölhöffel ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

Nachruf auf Helmut Lölhöffel

Ein Aufrechter

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Der frühere FR-Korrespondent Helmut Lölhöffel ist gestorben. Er engagierte sich gegen Rechtsextremismus und für den Parlamentarismus.

Es gibt nicht viele Journalisten, die die Bonner und die Berliner Republik so gut gekannt und so gut verstanden haben wie Helmut Lölhöffel. Er wusste, was in den Parteien gedacht wurde, insbesondere in der Sozialdemokratie, die der Korrespondent mit Sympathie begleitete, aber auch mit häufiger Enttäuschung.

Entsprechend gut informiert waren die Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau in den 16 Jahren von 1984 bis 2000, in denen Lölhöffel für die Zeitung schrieb. Am Sonntag ist Helmut Lölhöffel im Alter von 74 Jahren in seiner Berliner Wohnung eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht. Er hatte jahrelang an einer unheilbaren Nervenkrankheit gelitten, die den Körper immer mehr schwächte, während sein Geist hellwach blieb.

Helmut Lölhöffel war ein Politikjournalist alter Schule, weshalb ihm der Medienauftrieb nach dem Regierungs- und Redaktionsumzug nach Berlin zunehmend suspekt war. In seinen Artikeln stand kein Schnörkel zu viel. Geradlinig und präzise ließ er die Leserinnen und Leser wissen, wenn in der Republik Freiheiten eingeschränkt wurden, wenn alte Nazis Urstände feierten oder wenn Parteien gegen Regeln verstießen, die sich die Politik selbst gesetzt hatte.

Lölhöffel wurde noch im vorletzten Kriegsjahr in Königsberg geboren. Den adligen Teil seines ursprünglich längeren Namens warf er ab, als demokratisches Signal. Sein größtes Interesse als Journalist galt dem Parlament, jener Institution, die wie keine andere für die Demokratie steht. Er erklärte in seinen Artikeln, wie der Bundestag und seine Organe funktionieren, wer dort welche Rädchen dreht, damit Politik gemacht werden kann.

Für seine kenntnisreiche und unabhängige Berichterstattung über den Plutonium-Untersuchungsausschuss des Bundestages wurde er 1999 mit dem Medienpreis des Parlaments ausgezeichnet. Es hat ihn befremdet, wenn Kollegen die Bedeutung des Parlaments, dieses Kernstücks der Demokratie, vernachlässigten.

Allüren waren Helmut Lölhöffel vollkommen fremd. Er nahm die Volontäre schon zu Bonner Zeiten an die Hand und zeigte ihnen die Wege durchs Regierungsviertel – um nebenbei Abgeordnete zu begrüßen und Neuigkeiten zu erfahren. Alles Kumpelhafte ging dem hageren, asketisch wirkenden Mann ab – und das, obwohl er genau die Dinge mit Freude tat, die auch Kumpeltypen mögen: Er spielte mit Begeisterung bis in seine letzten Tage Skat, er verfolgte die Fußball-Bundesliga und insbesondere das Schicksal seines schwarz-gelben Lieblingsvereins aus Dortmund, er hielt die Bundesliga-Tipprunde von Berliner und ehemals Berliner Journalisten zusammen und organisierte lange deren Jahreshauptversammlungen.

Übrigens trug Lölhöffel entscheidend dazu bei, dass mit dem Bundestag auch der Karneval in Berlin gebührend Einzug hielt. Man konnte ihn dann unter den Blicken staunender Berliner auf der abgesperrten Prachtstraße Unter den Linden vergnügt in der Polonaise erblicken. Da war er mal nicht so nüchtern wie in seinen politischen Anaylsen.

Helmut Lölhöffel schrieb zehn Jahre lang als Korrespondent für die „Süddeutsche Zeitung“ aus Bonn und Ostberlin, ehe er zur FR wechselte. Nach seiner Journalistenzeit ging er als stellvertretender Pressesprecher in den Berliner Senat, wurde aber weder dort noch bei späteren Sprechertätigkeiten besonders glücklich.

Das politische Engagement ruhte jedoch nie. So agierte Lölhöffel jahrelang als Herausgeber des Informationsdienstes „Blick nach rechts“ – zu Zeiten, als viele blind waren für die Aktivitäten von Rechtsextremisten und deren enge Vernetzung mit reaktionären Kräfte im bürgerlichen Milieu.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand weitete der Journalist seine Aktivitäten eher aus. Für den mittlerweile verstorbenen SPD-Energiepolitiker Hermann Scheer und dessen Organisation Eurosolar betrieb Lölhöffel Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie für den Deutschen Behindertensportverband, dessen Präsident Friedhelm Julius Beucher ebenfalls ein früherer SPD-Bundestagsabgeordneter ist. Außerdem rezensierte er politische und historische Bücher.

Viel Zeit und Energie widmete Lölhöffel der Stolperstein-Initiative zum Gedenken an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und ermordet wurden. Stolz vermeldete er, dass allein im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, in dem er lebte, bereits 3000 Stolpersteine verlegt worden sind.

Kollegen, die am Montag von seinem Tod erfuhren, priesen Lölhöffels stabiles Rückgrat, seine Haltung, seinen klaren Standpunkt. Er hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Kinder.

Helmut Lölhöffel war ein neugieriger und kommunikativer Mensch. Gerne suchte er, wenn auch von Begleitern gestützt und zuletzt im Rollstuhl sitzend, die türkische Eckkneipe in seinem Viertel auf. Dort kannten ihn alle, und er kannte sie und ihre Lebensgeschichten. Bei schönem Wetter konnte er draußen sitzen, um über das Leben, die Politik und den Fußball zu philosophieren. Helmut Lölhöffel hat sich auf den Sommer gefreut, den er nun nicht mehr erleben kann.

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