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Junge Menschen habe sich auf und unter den Bäumen niedergelassen haben, um den Dannenröder Forst zu retten.

Times mager

Auf Bäumen

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Die Grünen in der Landesregierung und der Dannenröder Wald.

Die Rückfahrt vom See führt durch den herbstlichen Regen. Der letzte Blick auf das Wasser zeigt eine grau-grüne, wellige Fläche, auf der ein milchiger Nebel sich niedergelassen hat. Erst kurz vor Hessen sind oben wieder blaue Streifen zu sehen.

Im Radio verschafft sich die reale Welt bei den noch entwöhnten Urlaubsrückkehrern Gehör. Junge Menschen erzählen von „Dany“, den sie retten möchten. Meinen sie Dany, die Industrie-Milchspeise (der Markenname darf hier Erwähnung finden, weil es keinerlei Grund gibt, für dieses Produkt Werbung zu machen)? Eher nicht, denn häufig fallen Wörter wie „grün“ und „Klima“. Geht es also um Daniel Cohn-Bendit, den „roten Dany“, der jetzt schon lange ein Grüner ist?

Nein, nicht direkt. Während der Urlaubszeit hat sich der „Danni“ mediale Aufmerksamkeit verschafft. Das ist der Dannenröder Wald, an dessen Stelle die (erd-)erwärmende Weisheit des fossilen Zeitalters ein Stück Autobahn setzen will, weswegen sich junge Menschen auf und unter den Bäumen niedergelassen haben, um den Bau zu verhindern.

Nun entwickelt sich aus diesem Konflikt ein weiterer, weiter reichender. In der Landesregierung, die für die Durchsetzung des im Bund beschlossenen Bauwerks sorgen soll, sitzen neben der CDU die Grünen. Sie mögen die Autobahn auch nicht, aber sie meinen, dass sie nichts machen können, denn das Ganze ist ja rechtssicher abgesegnet. So gehe es eben denen, die als Regierungspartei „in Verantwortung“ stehen.

Die jungen Menschen auf und unter den Bäumen meinen, „Verantwortung“ könne auch etwas anderes bedeuten. Eine von ihnen hat es in dieser Zeitung so formuliert: „Sie können sagen: Nicht mit uns, wir als Grüne können das nicht verantworten. Sie haben die Möglichkeit, (…) aus dieser Regierung auszutreten.“

Wer auf die Grundmelodie des vorherrschenden Diskurses eingestimmt ist, wird das ungeheuerlich finden. Eine Regierung verlassen? Aus Verantwortung für eigene Überzeugungen? Dem steht seit Max Weber der Vorwurf der „Gesinnungsethik“ im Weg, der die „Verantwortungsethik“ vorzuziehen sei, anders gesagt: ein Verhalten, das auch die praktischen Folgen des Überzeugungshandelns ausreichend berücksichtige.

Sehr schön und richtig. Aber ob die Folgen beim Ausstieg aus einer Regierung automatisch schwerwiegender sind als beim Verbleib, das sollte mal besprochen werden. Bis dahin werden sie oben bleiben auf den Bäumen im „Danni“. „Sich fallen lassen und den Moment genießen“ (Dany-Sahnepudding) ist keine Alternative.

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