Asterix-Zeichner Didier Conrad (links) und Texter Jean-Yves Ferri mit dem neuen Band.
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Asterix-Zeichner Didier Conrad (links) und Texter Jean-Yves Ferri mit dem neuen Band.

Asterix-Zeichner

Asterix hat seinen eigenen Stil

Erstmals erscheint ein Asterix-Band, der nicht von Albert Uderzo gezeichnet wurde: Der neue Zeichner, Didier Conrad, spricht im Interview über große Fußstapfen, kleine Schritte und sehr harte Arbeit.

Monsieur Conrad, wie fühlt es sich an, in die Fußstapfen einer lebenden Legende wie Albert Uderzo zu treten?
Ich war schon überrascht, dass ich überhaupt kontaktiert wurde. Auch wenn ich seit kleinauf in der Comic-Welt lebe, war Asterix nicht unbedingt mein Universum. Es ist aber auch beeindruckend: Uderzo ist ein Comic-Gigant, ja ein Pionier: Mit Asterix lancierten er und René Goscinny die ganze Branche; sie öffneten die gesamte Comic-Welt einem breiten Publikum.

Ist es nicht erdrückend, so großen Namen zu folgen?
Ich habe es überlebt. Zugegeben, am Anfang war es mir, als würde eine Tonne Wasser auf mich einstürzen. Da kam allzu vieles zusammen – die Aussicht, für die bekannteste Comic-Serie der Welt zu arbeiten, dazu der Zeitdruck, die inhaltlichen Vorgaben und der notwendige Respekt für den Asterix-Geist. Ehrlich gesagt, realisiere ich erst langsam, was da drinsteckte, um es jetzt nach und nach zu verarbeiten.

Langsam schlafen Sie auch wieder gut?
Komischerweise habe ich während der Arbeit immer gut geschlafen – bloß sehr wenig.


Hand aufs Herz: Ist Asterix überhaupt ohne Goscinny und Uderzo denkbar?
Denkbar ist alles. Aber der Erfolg eines solches Unterfangens ist nie garantiert. Jedes neue Album muss sich neu rechtfertigen.

Puristen werden von Verrat sprechen.
Ach, das tun sie, seitdem Goscinny gestorben ist. Ich glaube, wir – der Texter Jean-Yves Ferri und ich – respektierten die Kontinuität, indem wir machten, was uns selber berührte, beeindruckte und anregte. So hatten wir nie den Eindruck, bloß ein Produkt zu fabrizieren. Uderzo ließ uns zudem die Freiheit, vorzugehen, wie wir wollten. Er hat einen sicheren Instinkt, auch wenn er die Ausarbeitung dann genau mitverfolgte.

Wie genau?
Ganz einfach, ich zeigte ihm die Bleistiftzeichnungen Seite für Seite, und er korrigierte einiges. Das war mir recht, denn Uderzo spürte dank seiner Erfahrung mit „Asterix“ viel schneller als ich, wo es ein Problem gab. Er geleitete mich durch das Abenteuer und er half mir öfters. Mit der Zeit intervenierte er immer seltener.

Waren Sie nicht froh, in Los Angeles zu sein, weit entfernt von Übervater Uderzo?
Gewiss, das machte vieles entspannter. Wegen der neunstündigen Zeitverschiebung rief mich Uderzo, wenn überhaupt, nur um Mitternacht an. So bekam ich nie zu hören: „Was haben Sie mir da zugeschickt!? Sie haben das letzte Mal für mich gearbeitet!“ Die Regel waren höfliche Mails der Art: „Dank für Ihre Anregung, ich werde sie gerne berücksichtigen.“

Klingt folgsam! Früher zeichneten Sie mit „Les Innommables“ gerne provokative Comics – wenn dem Verleger eine Zeichnung zu gewagt war, stoppten Sie das ganze Projekt.
Da war ich jung!

Man kann auch mit 50 noch etwas riskieren. Auch bei Asterix?
O la la – Vorsicht! Versuchen Sie nicht, sich mit Uderzo anzulegen! Er ist der Patron, und er nennt Jean-Yves und mich, die wir doch auch keine Schulbuben mehr sind, „les garçons“.

Haben Sie als Comic-Routinier bei dieser neuen Arbeit etwas gelernt?
Oh ja. Zum Beispiel, dass ich viel weniger gut zeichne, als ich meinte (lacht). Die Asterix-Serie hat ihren eigenen Stil, den muss man sich zuerst aneignen. Ich bin noch jetzt nicht sicher, ob ich ihn meistere.

Worin besteht er denn?
Unter anderem im Kontrast zwischen Goscinnys subtilem Texthumor und Uderzos expressiver Bildsprache. Sie ist sehr lebendig, animiert, während die französisch-belgische Comic-Schule, die mir geläufig ist, relativ kodifiziert und wenig wechselhaft ist. Nehmen Sie die Schlümpfe – da ähneln sich die Gesichter meist. Uderzo zeichnete die Personen, Posen und Haltungen hingegen ungeheuer lebensecht, mit reichhaltigen Emotionen, ständig wechselndem Gesichtsausdruck.

Bringt man die Leute damit zum Lachen?
Unter anderem. Eine Person kann sehr gut gezeichnet sein, aber ohne zum Schmunzeln zu bringen. Am Schwierigsten ist es zu spüren, wie weit man den Gesichtsausdruck „treiben“ muss, damit er lustig wirkt. Diese Dosierung ist das Charakteristische einer Serie. Nehmen Sie „Asterix als Legionär“ aus dem Jahr 1967; da geraten römische Soldaten zehn- oder fünfzehn Mal in Rage, aber zehn- bis fünfzehn Mal auf eine verschiedene Art, mit einem verschiedenen Ausdruck. Das ist Uderzos Kunst.

Von Ihnen war also alles andere als Schablonenarbeit gefragt.
Ja, und das musste ich zuerst lernen, obwohl ich in meinem Beruf ein Veteran bin. Das war viel Arbeit, harte Arbeit. Uderzo hatte es drauf, er konnte fünf Seiten in einer Woche zeichnen. Andere brauchen für einen Comic-Band normalerweise neun Monate. Ich hatte weniger Zeit und beherrschte nicht einmal den Stil. Dabei zählt jedes Detail, in jeder Zeichnung, auf allen Seiten. Das geht ganz schön an die Nieren.


Können Sie uns sagen, worum es in dem neuen Album geht?
Um die Pikten. Über dieses keltische Volk aus Schottland weiß man wenig. Das hat auch eine gute Seite – so bleibt einiger Raum für die Phantasie. Das Album ist eine gute Gelegenheit, die Ursprünge der Schotten kennenzulernen.

Allzu ausgabefreudig dürften sie in dem Album nicht dargestellt werden...
Goscinny stellte die Gallier, aber auch alle anderen Völker immer sehr wohlwollend dar. Der Humor zielte nicht auf die negativen Seiten und war nie abschätzig, sondern freundschaftlich gemeint, auf der Idee einer gemeinsamen Humanität beruhend.

Rührt diese Gemeinsamkeit auch daher, dass die Macher von überall stammten – Goscinnys Eltern aus Polen, die Uderzos aus Italien – und Sie aus der Schweiz?
Vielleicht ist Asterix deshalb sehr französisch und zugleich sehr universell, wenn er gegen die Übermacht der Römer Widerstand leistet. Goscinny wuchs zudem in Argentinien auf; der heutige Autor Jean-Yves Ferri hat auch spanische Vorfahren.

Sollte Asterix auch mit der Zeit gehen und sich globalisieren?
Nein, das wäre gar nicht möglich. Vergessen Sie die Bedingungen jener Epoche nicht: Zu Fuß oder auf dem Ochsenwagen kam man damals nicht weit.

Also wird es nie ein „Asterix bei den Chinesen“ geben?
Einmal kam Asterix immerhin nach Indien. Aber China scheint mir zu weit weg. Vielleicht könnte man einen Chinesen in den hintersten Winkel der Bretagne kommen lassen.

Gut, bleiben wir in Europa. Warum wird die EU nie verballhornt – als würdige Nachfolgerin des römischen Reiches?
Da sollte man vorsichtig bleiben.

Zu politisch für Asterix?
Zu schwierig, um auf jene Zeit übertragen zu werden. Goscinny liebte Anspielungen auf die Aktualität, aber immer im historischen Kontext. Das ist der Rahmen, und den können Sie auch mit dem besten Humor nicht sprengen.

Nicht einmal mit Depardieu in einem imaginären „Obelix in Russland“?
Das wäre zu punktuell. In fünf Jahren wissen die Leute vielleicht nicht mehr, welche Bewandtnis es mit Gérard Depardieu und Russland hatte.

Tritt wenigstens Sean Connery bei den Pikten auf?
Nein, denn er war bei Asterix schon 1981 in „Die Odyssee“, in Aktion, damals als James Bond. Aber keine Angst, im neuen Album werden ein paar prominente Figuren aus der Gegenwart vorkommen.

Gibt es schon Pläne für ein weiteres Album?
Ja, aber die stecken erst im Anfangsstadium. Sicher ist nur, dass sich die Geschichte im Dorf abwickeln wird, gemäß der ehernen Regel, dass auf einen Band mit einer Reise ein Band mit einer Dorfgeschichte folgt.

Werden Sie dieses Album zeichnen?
Diese Entscheidung hängt nicht von mir ab.

Interview: Stefan Brändle

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