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Geht im Handumdrehen: Bezahlen per Smartphone.

Apple Pay

Apple startet Bezahldienst

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Wie das neue Angebot funktioniert, was Apple davon hat und welche Alternativen es gibt.

Es ist knapp geworden. Doch Apple-Chef Tim Cook hat seine Ankündigung wahr gemacht: Das Unternehmen startet noch in diesem Jahr seinen Bezahldienst Apple Pay, und zwar von sofort an. Wir erläutern, was die digitale Geldbörse für Nutzer bedeutet.

Was genau ist Apple Pay?
Es handelt sich um einen Bezahldienst, der mit iPhones, Tablets, Laptops und Desktop-PCs sowie der Computeruhr von Apple genutzt werden kann. Es handelt sich im Prinzip um eine digitale Kredit- beziehungsweise Girokarte (EC-Karte). Sie soll den Online-Einkauf vereinfachen und auch das Bezahlen im Laden ermöglichen. Dort läuft der Bezahlvorgang im Prinzip wie beim Plastikgeld ab. Allerdings muss sich der Nutzer zunächst per Pin, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung authentifizieren. Dann hält er oder sie das Handy oder die Apple Watch an ein Bezahlterminal. Das Lesegerät muss für die sogenannte Near Field Communication (NFC) ausgestattet sein, um die Rechnung kontaktlos begleichen zu können. Nach erfolgreicher Transaktion erscheint ein grüner Haken auf dem Bildschirm.

Wo kann man damit bezahlen?
Technisch ist dies derzeit bei mehr als jedem zweiten der bundesweit rund 800 000 Terminals möglich. Apple startet aber mit einer recht überschaubaren Zahl von Unternehmen. Dazu zählen viele Online-Händler, die Supermarktketten Aldi, Netto und Real, die Aral- und Shell-Tankstellen, Tchibo und Starbucks, Burger King und McDonald’s sowie der Raststättenbetreiber Tank&Rast nebst des Toilettenbezahlsystems Sanifair.

Welche Voraussetzungen gelten für den Nutzer?
Der Dienst funktioniert derzeit mit 15 Geldinstituten, bei denen der Nutzer Konto und Karte haben muss. Dazu gehören die Deutsche Bank, Comdirect, die Hypovereinsbank, aber auch Online-Direktbanken wie N26.

Warum kommt der Dienst erst jetzt?
Richtig ist, dass Deutschland spät dran ist. In den USA startete Apple Pay schon vor vier Jahren. Längst sind auch viele europäische Staaten dabei. Bei den Deutschen ist das anonyme Bargeld noch immer sehr beliebt. Nach wie vor werden laut Bundesbank im Einzelhandel knapp 50 Prozent aller Einkäufe mit Scheinen und Münzen bezahlt. In Schweden etwa gilt das nur noch für 20 Prozent. Schon seit gut einem Jahrzehnt wird hierzulande erfolglos versucht, das Smartphone als Portemonnaie-Ersatz durchzusetzen.

Gibt es andere alternative Angebote?
Schon im Juni stellte Google den hiesigen Nutzern seine App zur Verfügung. Ende Juli zogen die Sparkassen und im August die Volks- und Raiffeisenbanken mit eigenen Anwenderprogrammen zum Bezahlen per Smartphone nach. Deren Apps arbeiten ausschließlich mit dem Android-Betriebssystem von Google. Der Elektronikhändler Saturn ist vor einigen Tagen ebenfalls ins Bezahlen per Handy eingestiegen.

Welche Vorteile bringt das Handy als Portemonnaie dem Nutzer?
Mit dem Smartphone eine Rechnung zu begleichen, soll sicherer sein als mit der physischen Karte. Denn bei der Übertragung der Daten vom Handy werden weder die Kartennummer, noch der Name des Nutzers oder ein Ablaufdatum einer Karte übermittelt. Stattdessen wird ein verschlüsselter Code gesendet, der erst im Geldinstitut oder bei einem Abrechnungsdienstleister entschlüsselt wird. Aber natürlich ist auch das Bezahlen per Smartphone nicht absolut sicher.

Nehmen die Menschen hierzulande das Angebot an?
Marktforscher erwarten zwei Millionen Nutzer zum Jahresende. Das ist immer noch wenig im Vergleich zu Großbritannien, wo sechsmal so viele digitale Geldbörsen im Einsatz sind, in Frankreich sind es mehr als 5,5 Millionen. Absoluter Spitzenreiter ist China mit etwa 350 Millionen.

Was hat Apple von dem Bezahldienst?
Internet-Giganten wie Google oder Apple wissen viel über unseren Alltag. Wo Verbraucher wann wie viel Geld ausgeben, ist ihnen aber bislang weitgehend verborgen geblieben – just wegen der Barzahlung. Mit dem Einsatz des Smartphones werden neue Datenströme generiert. So dürften es die Unternehmen auf Zahlungsbelege abgesehen haben, die den Zeitpunkt, den Ort und die Summe der Transaktion preisgeben. Obwohl die Daten anonym sind, lassen sich daraus Rückschlüsse auf das Einkaufsverhalten von Kunden ziehen. Branchenkenner vermuten, dass Google seinen Bezahldienst auch eingerichtet hat, um Nutzer stärker an andere Anwendungen des Konzerns zu binden. Das dürfte auch für Apple mit seinen zahlreichen Dienstleistungen gelten. Das extrem erfolgreiche Vorbild ist Wechat, die chinesische Variante von Whatsapp, die schon seit mehreren Jahren eine Bezahlfunktion enthält.

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