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Antonio Lizana: Von geschmeidiger Geläufigkeit

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Von: Stefan Michalzik

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Antonio Lizana, Sänger und Saxofonist, beendet die Reihe Jazz im Palmengarten

Vergleichbar mit dem Tango Nuevo wurde im Nuevo Flamenco von den achtziger Jahren an das Genre erneuert mittels Fusion mit Jazz, Bossa Nova und Salsa, Blues und Rock. Ein Bastard ist der Flamenco von jeher gewesen, entstanden Ende des 18. Jahrhunderts – der Name ist etwas später aufgekommen – in der Folge von globalen Wanderungsbewegungen. Maurische und jüdisch-sephardische Einflüsse mischen sich mit traditionell spanischen, die Spuren der Gitanos führen nach Indien.

Eklektizistische Musik

An den Quawwali-Gesang eines Nusrat Fateh Ali Khan konnte man sich erinnert fühlen angesichts des Sologesangs a cappella, mit dem das von der Frankfurter Jazzinitiative aus Anlass des diesjährigen Buchmessenschwerpunkts gemeinsam mit dem Instituto Cervantes ausgerichtete Konzert zum Abschluss der Saison von Jazz im Palmengarten mit dem andalusischen Saxofonisten und Sänger Antonio Lizana und seiner Band Oriente begann. Die Musik, großteils Nummern aus dem jüngsten Album „Una realidad diferente“, ist eine eklektizistische.

Beinahe schon suitenhaft sind viele seiner Stücke strukturiert. Da reiht sich, durchweg mit einem iberischen Touch, zum Beispiel an ein spätromantisch geprägtes Solospiel des Pianisten Daniel Garcia eine softe Soulpopballade. Die wiederum wird abgelöst von einer instrumentalen Szene im Fusionjazzstil. Die Band ist des weiteren besetzt mit Jesús Caparrós am elektrischen Bass und dem iranisch-österreichischen Schlagzeuger Shayan Fathi.

Da ist einesteils der Ausschlag in Richtung der Tradition, samt palmas, dem charakteristischen Klatschen der Hände und Einlagen des sich bedauerlicherweise in ein paar stereotypen Figuren erschöpfenden Tänzers Jose Maria Castano, der als fester Teil des Quintetts definiert wird. Auf der anderen Seite präsentiert sich Antonio Lizana als ein hochkarätiger Jazzsolist; sein Spiel, an diesem Abend ausschließlich auf dem Altsaxofon, ist orientiert an den großen Jazzmodernisten vom Schlage Charlie Parker und John Coltrane. Es ist in einer schattierungsreichen Weise lyrisch und in den zupackenderen Momenten vor allem im zweiten Teil von einer geschmeidigen Geläufigkeit.

Im Ganzen „funktioniert“ das so perfekt wie eine Show der Entertainmentbranche. Das Publikum ist hingerissen, in seiner Art ist das ja alles erlesen. Aber auch arg gefällig. Musikalisch sind prägende Protagonisten des Nuevo Flamenco wie Paco de Lucia und Gerardo Núñez wie auch Lizanas erklärter Heroe Jorge Pardo, zuvor Teil von de Lucias Sextett und der erste bedeutende Saxofonist in der Geschichte des Genres, erheblich weiter gegangen.

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