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Reinigung eines Mosaikes, das Apollo und die Musen zeigen soll.

Domus Aurea in Rom

Antike Nahrung für die Pinien

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Die Rettung des unterirdischen Goldenen Hauses in Rom wird fortgesetzt, es soll auch bald nicht mehr so unzugänglich sein.

Was unter ihren Füßen liegt, wissen nur wenige Touristen, die im Park auf dem römischen Oppio-Hügel flanieren. Dabei stehen sie beim Blick auf das Kolosseum direkt auf einem anderen sensationellen Bau der Antike. Unterirdische Säle und bis zu zwölf Meter hohe Korridore sind unter einer dünnen Erdschicht versteckt, ebenso der erste antike Kuppelbau mit achteckigem Grundriss, an den einst mit Marmor und Blattgold verkleidete Fest- und Speisesäle grenzten.

Es sind Überreste der Domus Aurea, des „Goldenen Hauses“, wie der Luxuspalast von Kaiser Nero genannt wurde. Nur wenige Jahre waren sie ab 1999 für Besucher zugänglich, lange schon sind sie aus Sicherheitsgründen gesperrt. Nachdem eine Wand eingestürzt war, bleibt das versteckt im Park liegende Zugangstor zur Domus Aurea bis auf seltene Gelegenheiten verschlossen.

Nun besteht Hoffnung, dass eine der spannendsten archäologischen Stätten bald wieder öffentlich wird. Anfang der Woche hat Italiens Regierung beschlossen, weitere 13 Millionen Euro für die Sicherung und Restaurierung auszugeben. Sie gehören zu einem 300 Millionen Euro schweren Paket, mit dem nach Jahren der Kürzungen und Einsparungen wieder in bedrohte Kulturgüter investiert wird. Die Arbeiten an der Domus Aurea erhalten einen Schub. Roms Superintendent für die archäologischen Stätten, Francesco Prosperetti, verspricht, dass nun schon vor der geplanten Wiedereröffnung 2018 häufigere Besichtigungen möglich werden.

Nero hatte die Palastanlage nach dem Brand Roms in den Jahren 64 bis 68 nach Christus bauen lassen, mehr als 100 Hektar mit Gärten, einem künstlichen See, Weinbergen, Terrassen. 300 sonnendurchflutete Palasträume waren mit Decken- und Wandfresken bemalt. Mosaike, zuvor nur für Fußböden genutzt, schmückten die Wände. Teile des Palastes seien vollständig vergoldet, schrieb Sueton, ein Zeitgenosse. Die Speisesäle hätten bewegliche Decken aus Elfenbein, durch die bei den prunkvollen Festen Blumen herabgeworfen und Parfüm versprengt werde. Am Eingang stehe eine kolossale Statue Neros.

Nach dessen Tod gaben seine Nachfolger das Riesengelände mitten in der Stadt rasch ans römische Volk zurück, zwecks Sympathiewerbung. Dort, wo der See gewesen war, entstand das Kolosseum. Ein Brand zerstörte große Teile der Domus Aurea, Kaiser Trajan ließ Gold und Marmor aus den Resten entfernen und sie als Fundament für die nach ihm benannten Thermen nutzen. Das architektonische Zeugnis von Neros Größenwahn war nach nur 40 Jahren unter neuen Bauten verschwunden.

Zufällig wiederentdeckt wurde es im 14. Jahrhundert, als ein junger Mann in eine Erdspalte fiel und sich in einer merkwürdigen bemalten Höhle wiederfand. Der Oppio-Hügel entwickelte sich zum Pilgerort für Renaissance-Künstler. Auch Michelangelo und Raffael stiegen hinab, um die antiken Fresken zu studieren. Die Stanzen des Raffael im Vatikan sind ein Ergebnis dieser Inspiration.

Die fensterlosen und ihrer Dekorationen beraubten Säle der Domus Aurea geben heute einen völlig anderen Eindruck als zu Neros Zeiten. Viele der Fresken mit ihren mythischen Szenen und Stilleben sind verblasst. Denn jahrhundertelang sind Feuchtigkeit und Regen in das antike Gemäuer gesickert, die Restauratoren kämpfen gegen den Zerfall. Sie befestigen die Wände, nehmen den feuchten Putz mit den Fresken zum Trocknen ab.

Der größte Schaden sei entstanden, nachdem 1935 unter Mussolini auf dem Oppio-Hügel der Park angelegt wurde, erklärt Gabriella Strano vom Archäologen-Team. Baumwurzeln drangen in die Tiefe und sprengten die Mauern der Domus Aurea. Lorbeerbäume und Pinien ernährten sich vom antiken Zement aus Kalk und Vulkangestein. Pro Quadratmeter lasten seither bis zu 3000 Kilogramm auf dem Monument.

Deshalb ist eine Radikalmaßnahme geplant: Die Bäume sollen gefällt, das Erdreich des 16 000 Hektar großen Parks abgetragen werden. Eine Isolationsschicht mit Drainagesystem wird künftig Sickerwasser abhalten. Sie wird sehr viel leichter sein als der jetzige Boden. Der neue Park soll zudem die darunterliegenden archäologischen Strukturen abbilden.

Die Mammutaufgabe hat schon mehr als 20 Millionen Euro verschlungen. Dass jetzt eine weitere Tranche der Finanzierung gesichert ist, lässt die Verantwortlichen aufatmen. Doch noch immer fehlen 18 Millionen Euro. Kulturminister Dario Franceschini hofft auf private Sponsoren, so wie schon bei der Restaurierung des Kolosseums und des Trevi-Brunnens, für die Tod’s und Fendi zahlten. 2014 appellierte er an Sponsoren, den Steuervorteil für Spenden im Kulturbereich zu nutzen. „Ich erwarte einen Ansturm von Unternehmen, die sich an der Rettung der Domus Aurea beteiligen wollen“, sagte Franceschini. Der Ansturm ist bisher ausgeblieben.

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