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Roberto Saviano bedankt sich für den Preis für die beste internationale Literaturverfilmung.

Hessischer Film- und Kinopreis

Anti-Mafia-Autor erhält 10.000 Euro

Auf einer Gala sind in der Alten Oper Preise im Wert von 185.000 Euro an Film- und Fernsehschaffende verliehen worden.

Frankfurt/Main. Ihre Freude war sichtlich groß, doch allzulange wollte sie sich nicht feiern lassen. "Ich finde es schwierig", räumte Monica Bleibtreu ein, als sie auf der Bühne der Frankfurter Alten Oper beim Hessischen Film- und Kinopreis den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten entgegennahm.

Sie habe zwar immer eine gute Schauspielerin werden wollen, aber nie berühmt. Die undotierte Ehrung für die 64-Jährige war der Höhepunkt der Gala, auf der mit viel Schauspieler-Prominenz Preise in Höhe von insgesamt 185 000 Euro verliehen wurden. Und die gebürtige Wienerin gab sich, wie man sie kennt: authentisch und auch gegenüber sich selbst schonungslos direkt. "Ich galt als junges Mädchen als extrem hässlich", sagte die Tochter eines Theaterdirektors, die dann auf der Bühne mit umso größerer Schauspiel-Kunst ihre angeblichen körperlichen Defizite ausgleichen wollte.

Im Fernsehen und Film kam sie erst in den letzten Jahren zu Ruhm. In Heinrich Breloers TV-Dreiteiler über die Familie von Thomas Mann spielte sie dessen Frau Katia. Für die Rolle der unerbittlich-strengen Klavierlehrerin in dem Film "Vier Minuten" heimste sie 2006 alle wichtigen deutschen Preise ein. "Ein Charakterkopf von außen und von innen" nannte sie ihr Laudator, der Schauspieler Matthias Brandt. Und auch der Umgang mit dem öffentlichen Rampenlicht gelingt ihr inzwischen besser. "Moritz hat es mir ein bisschen vorgemacht", sagte sie. Ihr Sohn Moritz Bleibtreu gehört zu den bekanntesten jüngeren deutschen Schauspielern.

Ein weiterer Höhepunkt der von Dieter Moor ("ttt") schlagfertig moderierten Gala war der Auftritt des italienischen Anti-Mafia-Kämpfers Roberto Saviano, der begleitet von seinen Leibwächtern für "Gomorrha" den Preis für die beste internationale Literaturverfilmung (10 000 Euro) entgegennahm. Tausende Menschen in Italien wollten die Situation jetzt verändern, sagte er in Frankfurt.

Der 29-jährige Saviano, der sich den Preis mit Filmregisseur Matteo Garrone teilt, hat mit seinem internationalen Bestseller über die Camorra in Neapel die Vorlage für den Film geschrieben. Erst diese Woche hatte er angekündigt, nach erneuten Morddrohungen Italien verlassen zu wollen. Umso unverständlicher, dass man ihn in der Alten Oper nicht danach befragte. Die Laudatio auf den Film hatte Regisseur Volker Schlöndorff gehalten, der "Gomorrha", den allein in Italien über eine Million Menschen gesehen habe, zu den besten italienischen Filmen überhaupt erklärte.

Zum Sieger des Hessischen Filmpreises (40 000 Euro) wurde ein Dokumentarfilm von Simone Jung über die Karlsruher Boxerin Regina Halmich erklärt. Das Porträt "Königin im Ring" zeichne mitreißend und eindrucksvoll ein Stück deutscher Sozial-, Kultur- und Mediengeschichte nach, begründete die Jury ihr Urteil. Das Besondere und Sympathische am Hessischen Filmpreis ist, dass hier auch die "stillen Helden" ausgezeichnet werden. 95 000 Euro gingen an Kinos im Bundesland, die sich mit ihrem Programm um die Filmkunst bemühen.

Auch Paulo Coelho ging nicht leer aus. Der brasilianische Bestseller-Autor, der sich in den vergangenen Tagen auf der Buchmesse feiern ließ, erhielt den "Cinema for Peace Special Award". Die undotierte Sonderauszeichnung würdigt das Engagement des Schriftstellers für das multimediale Projekt "The Experimental Witch". Coelho hat seine Leser weltweit dazu aufgefordert, mit Hilfe des Internets sein Buch "Die Hexe von Portobello" zu verfilmen. 6000 Kurzfilme gingen ein. "Ich widme diesen Preis meinen Lesern", sagte Coelho. (dpa)

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