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Ein Amerikaner im Vatikan

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Von: Regina Kerner

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Papst Franziskus und sein neuer Pressesprecher Greg Burke.
Papst Franziskus und sein neuer Pressesprecher Greg Burke. © REUTERS

Der ehemalige Fox-News-Korrespondent Greg Burke spricht künftig für den Papst. Eigentlich wollte das fußballbegeisterte Opus-Dei-Mitglied beim AS Rom anheuern. Seine Vize ist die erste Frau auf diesem Posten.

Stil und Tonfall von Pressekonferenzen und Mitteilungen des Vatikans könnten künftig deutlich pointierter werden. Denn der Mann, den Papst Franziskus zu seinem neuen Sprecher ernannt hat, ist US-Amerikaner, Fernsehprofi und bekannt für seine Schlagfertigkeit. Der 56 Jahre alte Greg Burke, früher Korrespondent des konservativen US-Senders Fox News, kennt den Vatikan gut, er war bisher der Medienberater des Kirchenstaats und der stellvertretende Leiter des Presseamtes. Allerdings trat er kaum in Erscheinung, war hinter den Kulissen zu Gange.

Das wird sich ändern, wenn Burke am 1. August die zuweilen heikle Aufgabe übernimmt, der Weltöffentlichkeit die Entscheidungen und oft sehr spontanen Äußerungen des argentinischen Papstes zu erläutern.

Sein Vorgänger, der Italiener Federico Lombardi, geht auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Immerhin ist der sanfte Jesuitenpater bereits 73 Jahre alt und hat zehn Jahre lang zunächst Benedikt XVI. und dann Franziskus in oftmals schwierigen Zeiten als Sprecher gedient. Greg Burke ist nach all den Italienern und Spaniern der erste Vertreter des angelsächsischen Raums auf diesem Posten.

Ob damit auch eine stärker faktenbezogene und offenere Kommunikationsstrategie Einzug hält, muss sich zeigen. Bisher gibt der Vatikan eher spärlich und gemächlich Informationen an Journalisten heraus. Das Presseamt ist nach 15 Uhr grundsätzlich nicht mehr erreichbar. Schon Burkes überraschende Einsetzung als Medienberater war 2012 als Signal für eine Öffnung gewertet worden. Die mitten im so genannten Vatileaks-Skandal geschaffene Funktion war ganz neu und sollte wohl helfen, das Image der Kirche aufzubessern, nachdem Geheimunterlagen an die Öffentlichkeit gelangt waren, die Korruption, Günstlingswirtschaft und dunkle Finanzgeschäfte im Kirchenstaat offenlegten.

Doch an der vatikanischen Kommunikationsstrategie hat sich seither nicht viel geändert und Burkes Rolle blieb bisher eher im Dunkeln. Immerhin schrieben es manche Beobachter dem Einfluss des Medienberaters zu, dass schon zu Benedikts Zeiten ein päpstlicher Twitter-Account eröffnet wurde und das Oberhaupt der Katholiken nun Kurzbotschaften sendet.

Freiwillig im Zölibat

Burke, aus St. Louis in den US-Südstaaten stammend, ein ehemaliger Jesuitenschüler und Absolvent der renommierten Columbia-Universität, ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Priester. Zölibatär lebt er trotzdem. Als Mitglied der umstrittenen und Kritikern als sektiererisch geltenden katholischen Laienorganisation Opus Dei hat er eine freiwillige Verpflichtung dazu abgelegt. Leidenschaften pflegt er aber nach eigenem Bekunden für Golf, Joggen und Fußball.

Nach der Zeit bei Fox News habe er eigentlich Pressesprecher des Fußballklubs AS Rom werden wollen, erzählte Burke in Interviews. Dann sei er im Vatikan gelandet. „Jetzt habe ich zwar keine Freikarten für Fußballspiele zu vergeben, aber tolle Sitzplätze zu Weihnachten und Ostern“ – bei Papstmessen im Petersdom.

Burkes Vize wird auf Wunsch von Franziskus die 41 Jahre alte Spanierin Paloma Garcia Ovejero, bislang Vatikan-Korrespondentin des katholischen Senders Radio Cope. Und das ist die eigentliche Sensation: Sie ist die erste Frau überhaupt, die als „Stimme des Papstes“ dient, wenn auch nur als stellvertretende.

Greg Burke hat sie außerdem eines voraus: Sie spricht Chinesisch.

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