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Wie die Öffentlich-Rechtlichen in ihren Digitalangeboten junge Zuschauer erreichen wollen. Und wie das die Privatsender ärgert. Von Daniel Bouhs

Von Daniel Bouhs

Die Verantwortlichen der Privatsender reagieren reichlich ungehalten, wenn man sie auf den neuen Digitalkanal ZDFneo anspricht. Von einem "Vox light" reden sie und meinen den vor kurzem gestarteten Familienkanal des Zweiten. Und dieser Vergleich trifft es ganz gut.

Vox ist unter den Privatsendern nämlich der Durchstarter dieses Jahrzehnts. Während die Quoten von Sat.1 zu immer neuen Tiefstwerten ansetzen, hat sich Vox zu einer ernsthaften Konkurrenz für RTL, Sat.1 und ProSieben entwickelt. Zuletzt fuhr er mehr Quote ein als die Großen - zumindest punktuell mit mancher Serie.

Massive Angriffe der Privaten

So einen Höhenflug hätte das ZDF auch gerne. Schon in den Neunzigern träumte Ex-Intendant Dieter Stolte von einem "ZDF 2", das jüngere Gebührenzahler erreichen sollte. Stoltes Nachfolger Markus Schächter versucht es nun: Seit November sendet ZDFneo mit US-Serien und eigenen Produktionen für Zuschauer unterhalb des ZDF-Altersdurchschnitts.

Wenn die Privatsender gegen ARD und ZDF schießen, tun sie das über ihren Verband, den VPRT. Der dort für das Fernsehen zuständige Tobias Schmid, sonst Chef-Lobbyist von RTL, sagt: "Wenn die Politik ZDFneo so durchgehen lässt, wie es ist, hängt sich als nächstes die ARD dran und kommt mit einem ähnlichen Sender daher."

Schmid und sein Präsident Jürgen Doetz fordern zwar ausdrücklich keinen Stopp von ZDFneo, wohl aber deutliche Korrekturen. Weil der Sender aus dem einstigen ZDF-Dokukanal hervorging, solle er auch künftig vor allem Dokumentationen und Reportagen zeigen.

ZDF-Chef Schächter fühlt sich ob der massiven Angriffe hingegen bestärkt: "Das zeigt doch nur, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Die Kritik der Privaten ist leicht zu durchschauen. Sie wollen, dass das ZDF nicht Serien wie "30 Rocks" bringt oder Dokusoaps, in denen das Zweite derzeit etwa singende Hartz-IV-Empfänger begleitet. Die Öffentlich-Rechtlichen sollen die Finger von Sendungen lassen, die Zuschauer bei den Privaten vermuten - und die Quote versprechen.

Dabei ist ZDFneo gar nicht die einzige Gefahr für die werbefinanzierten Sender. ARD und ZDF sind nämlich schon seit fast zwölf Jahren mit je drei Digitalkanälen unterwegs. Die hat bisher bloß kaum einer gesehen. Das allerdings ändert sich jetzt, mit der Digitalisierung von Kabel und Satellit, vor allem aber mit dem digitalen Antennenfernsehen.

Das Pendant zu ZDFneo heißt in der ARD Eins Festival. Der ARD-Digitalsender widmet die Abende einzelnen Genres. Donnerstags ist Comedy-Tag. Wem "Nightwash", "Harald Schmidt" und "Dittsche" zusagen, der kann alle drei Sendungen hintereinander wegsehen. Sonntags sieht das ähnlich mit Krimis aus, freitags mit jungem Kino und dienstags mit Dokumentationen.

Dass der VPRT hier so ruhig bleibt, ist vor allem interessant, da RTL und ProSiebenSat.1 mit den gleichen Schwerpunkten auf den Digitalkanälen Sat.1 Comedy und RTL Crime verdienen wollen. Zuschauer müssen sie abonnieren.

Ungefährlicher dürfte für die Privaten nicht nur der ARD-Servicekanal EinsPlus sein, sondern auch, woran das ZDF in seinen beiden anderen Kanälen arbeitet. Peter Wagner, der ZDFinfo steuert, will dort ein Thema des Tages zeigen, möglicherweise direkt nach den "heute"-Hauptnachrichten um 19 Uhr. Wagner hält diese Idee "für sehr verfolgenswert", weil das ZDF damit "täglich geballt Hintergründe" bieten könne. Er denkt an ein moderiertes Best-of aus "heute", anderen ZDF-Magazinen, aber auch aus den täglichen 3-Sat-Sendungen "Nano" und der "Kulturzeit".

ZDF-Intendant Markus Schächter hat inzwischen ganz offiziell die Idee aufgegeben, mit seinem Hauptprogramm alle Zielgruppen erreichen zu wollen. Er setzt auf die digitalen Spartensender, mit denen er die Jüngeren erreichen will, die das, was er im Zweiten macht, schon lange nicht mehr sehen.

ZDFinfo probiert das, indem es Studenten auf der Plattform StudiVZ Fragen stellen lässt, mit denen in Sendungen Politiker konfrontiert werden.

Aus Theater wird Kultur

Wagners Kollege Daniel Fiedler, der bisher nur für 3 Sat zuständig war, wird künftig zusätzlich den ZDF-Theaterkanal leiten, der Ende nächsten Jahres zu ZDFkultur werden soll. 3 Sat als ohnehin kulturlastiger Kanal soll dann auch den Kulturkanal produzieren, der bisher das ZDF-Archiv versendete. ZDFkultur soll wie alle Digitalkanäle des Zweiten vor allem junges Publikum ansprechen, auch mit Eigenproduktionen.

Vor allem "im Bereich der Popkultur" werde es eigene Sendungen geben. Doch das Geld ist auch hier knapp. Fiedler sagt deshalb: "Tägliche Magazine wie eine junge ‚Kulturzeit‘ werden wir nicht stemmen können."

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