ARD und ZDF

Alle wollen Jugend

Hoffen und Bangen im Digitalzeitalter: Gespräche über die komplizierte neue Medienwelt.

Von REINHARD LÜKE

Eigentlich muss man die ARD-Chefs in diesen Tagen bedauern. Wo immer sie auftreten, bekommen sie hämische Kommentare über ihren Quotenflop "Bruce" zu hören. Am Freitag traf es den ARD-Vorsitzenden Fritz Raff in Düsseldorf, der von Tobias Schmid, bei RTL für Medienpolitik zuständig und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien VPRT, mit dem Hinweis auf "Bruce" den Rat entgegennehmen durfte, die ARD solle bei ihren Schwierigkeiten mit einem attraktiven Werberahmen-Programm doch einfach auf die Werbung verzichten.

Aber eigentlich ging es bei den zweiten Villa-Horion-Gesprächen, zu denen die SPD-Fraktion im Nordrhein-Westfälischen Landtag geladen hatte, kaum um Quoten und Programme. Und auch die einst tiefen Gräben zwischen kommerziellen und öffentlich-rechtlichen TV-Sendern spielten nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen stand einmal mehr die veritable (Verbal-)Schlacht zwischen ARD und ZDF auf der einen und den Verlagshäusern auf der anderen Seite im Focus des Interesses. Nachdem der ZDF-Intendant unlängst die Reizwörter "Zensur" und "Morgenthau-Plan" geäußert hatte, wollte sich ARD-Kollege Raff nicht lumpen lassen und sprach am Freitag von "Alarmstufe 1" für seinen Senderverbund. Hintergrund der hitzigen Debatte ist der Referentenentwurf zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der den Gebühren finanzierten Anstalten hinsichtlich ihrer Online-Aktivitäten relativ enge Grenzen setzt. Viel zu enge, wie ARD und ZDF meinen.

Dagegen sind die Zeitungsverleger entschieden für diese Beschneidung, da auch sie ihr Heil im Internet suchen, weil ihren Print-Ausgaben die Nachwuchs-Leser davonlaufen wie den Öffentlich-Rechtlichen die jungen Zuschauer. Vehemenz kam auf der Düsseldorfer Tagung dennoch nicht auf. Was damit zu tun haben könnte, dass man mit NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers ausgerechnet einen Vertreter der WAZ-Mediengruppe geladen hatte, die inzwischen einen Kooperationsvertrag mit dem WDR geschlossen hat, der sie berechtigt, ausgewählte Filmbeiträge des Senders auf ihrer Homepage zu verbreiten. Ein zukunftsweisendes Modell, wie selbst der stellvertretende ver.di-Chef Frank Werneke einräumte, da zumindest kleinere Blätter kaum die Mittel hätten, im Netz mit selbst produzierten Bewegtbildern präsent zu sein. Gleichwohl bezweifelte er, dass es ein besonders glückliches Signal sei, wenn als erster ausgerechnet der größte Zeitungskonzern des Landes mit dem WDR gemeinsame Sache mache.

Nett umgehen mit dem Partner

Medienforscher Horst Röper ging noch einen Schritt weiter und prognostizierte, dass diese Zusammenarbeit kaum ohne Einfluss auf die journalistische Unabhängigkeit der beiden Häuser bleiben werde. Es sei nur eine logische Konsequenz, wenn WAZ und WDR in ihren jeweiligen Berichterstattungen über den Partner künftig pfleglicher miteinander umgingen. Konsens herrschte auf den Podien indes, dass die Medienordnung vor gänzlich neuen Herausforderungen steht. So erklärte Marc Jan Eumann, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: "Die digitale Welt ist nicht die analoge Welt mit anderen Mitteln. Es ist eine andere, eine neue Welt. Die Fixierung unseres Medienkonzentrationsrechts auf das Fernsehen wird in Zeiten von Cross-Media nicht hinreichen."

Wer auch immer künftig welche Aktivitäten im Internet entfalten darf, so viel ist klar: Aus Verlagshäusern werden Medienhäuser werden; auf der anderen Seite wollen sich die TV-Sender bei dieser neuen Konvergenz beizeiten eigene Spielräume sichern. Schon um der begehrten Jugend willen, wie die ARD-Intendanten jüngst erklärten. Demgegenüber warnte Norbert Schneider diesbezüglich vor allzu kühnen Erwartungen. "Mir scheint es illusorisch", so der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, wenn die Öffentlich-Rechtlichen glauben, im Internet Schlachten gewinnen zu können, die sie im Fernsehen noch nie gewonnen haben." Womit man dann irgendwie doch wieder bei "Bruce" war.

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