Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Suchmaschinenbetreiber wird momentan von allen Seiten attackiert.
+
Der Suchmaschinenbetreiber wird momentan von allen Seiten attackiert.

Google

Alle gegen Google

  • Jonas Rest
    VonJonas Rest
    schließen

Google wird von allen Seiten kritisiert. Nach der Medien- und Kommunikationsbranche ist jetzt die Poltik an der Reihe. Gleich drei Bundesminister attackieren den Suchmaschinenbetreiber. Alle haben ihre eigenen Interessen.

Die Bundesregierung nimmt den US-Technologiekonzern Google ins Kreuzfeuer. Gleich drei Bundesminister kritisierten am Freitag die marktbeherrschende Stellung des Suchmaschinenbetreibers. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) warnt vor „totalitären Tendenzen“ und fordert eine „Entflechtung, wie sie bei Strom- und Gasnetzen durchgesetzt wurde“ zu erwägen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bekundet seine Sorge um die Marktmacht Googles und fordert die EU auf, europäisches Recht gegen Google „hart zu verteidigen.“ Und Alexander Dobrindt (CSU) bemühte sogar den Begriff des „digitalen Maoismus“. Er kritisiert: „Der Weltdatenmarkt ist gar kein Markt, es ist ein Monopol und heißt Google.“

Die Äußerungen der Bundesminister sind der vorläufige Höhepunkt einer seit Wochen anhaltenden Kritik deutsche Top-Manager an Google. Den Anfang machte Springer-Chef Mathias Döpfner: Er warnte Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung. „Wir haben Angst vor Google.“ Der Telekom-Chef Tim Höttges fordert die Politik zum Handeln auf und Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte gar, einen „digitalen Krieg“ gegen den US-Konzern führen zu wollen.

Auslöser der Aufregung: Der Kompromissvorschlag von EU-Kommissar Joaquín Almunia in der Wettbewerbsklage gegen Google, die die Kommission knapp vier Jahre beschäftigt hatte. In den nächsten Monaten soll das Verfahren abgeschlossen werden. Die EU-Kommission hatten den Vorwurf untersucht, dass Google die Suchergebnisse zugunsten der eigenen Dienste wie Google Maps manipuliere. Nachdem von der EU-Kommission ausgehandelten Kompromiss muss Google nun Konkurrenzdienste in vergleichbaren visuellen Format darstellen. Um ausgewählt zu werden, müssen die Konkurrenzdienste gegeneinander um einen Anzeigenplatz bieten.

Springer-Chef Döpfner hatte diesen Kompromiss kritisiert. Die EU-Kommission gestatte Google damit, ein „Schutzgeld“ von seinen Konkurrenten einzutreiben. Als Reaktion auf den Kompromiss trafen sich am Donnerstag 400 Manager von Verlagen und Internetfirmen in Paris, um eine neue Wettbewerbsbeschwerde gegen Google vorzubereiten. So soll der bislang ausgehandelte Vergleich der EU-Kommission noch einmal vor der entscheidenden Abstimmung verschärft werden.

Erboste Telekom

Der Springer-Konzern und andere Medienhäuser missbilligen, dass Google etwa bei der Suche nach einem Kinofilm nicht eine Rezension oder das lokale Kinoprogramm auf der Website als oberstes Suchergebnis einblendet, sondern bereits in der Suche Kinos anzeigt, in denen der Film läuft und dabei auf Googles eigenen Kinodienst verlinkt. Zudem konkurrieren Springer-Dienste wie das Shopping-Portal Ladenzeile mit Google Shopping. Springers Strategie dürfte daher darauf zielen, die EU-Kommission dazu zu bringen, die Verhandlungsergebnisse mit Google noch einmal zu verändern.

Auch die Deutsche Telekom und Siemens haben ihre eigenen Interessen. Die Telekom ist erbost, dass sie mit dem Bereitstellen der Netzinfrastruktur, über die Google seine Dienste anbietet, weit weniger verdient als Google. Telekom-Chef Tim Höttges beklagte kürzlich, die Telekom solle die Netze bauen, „mit deren Hilfe die Wertschöpfung von Google noch weiter befeuert wird“. Er forderte daher, dass die Telekom die Möglichkeit erhalten muss, für die Übertragung der Google-Daten von der Firma eine Maut zu kassieren – ähnlich wie es derzeit die US-Telekom-Konzerne durchzusetzen versuchen.

Siemens sieht Google dagegen als Konkurrent für das Geschäft mit der Analyse großer Datenmengen. Ein Feld, das Siemens zu einem bedeutenden Geschäftszweig ausbauen will. Dabei geht es etwa um die Auswertung von Wetterdaten und Bestandsdaten von Windparks, wann wie viel Strom erzeugt wird. Was alle Konzerne gemeinsam haben: Die ganze Wirtschaft wird von der Digitalisierung erfasst – und die bisherigen Wirtschaftsgiganten fürchten um ihr Geschäft. Deshalb soll die Politik helfen.

Google gibt sich gelassen

Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie und bis 2012 Vorsitzender der Monopolkommission, bezweifelt allerdings, dass dies passieren wird. „In der Wettbewerbspolitik geht es nicht primär darum, Unternehmen zu helfen, sondern den Verbrauchern,“ sagt er der FR. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für die Verbraucher ein Vorteil ist, wenn sie beim Googlen nach dem Wetter nicht mehr eine Wettervorhersage angezeigt bekommen, sondern erst auf den Link zu einem Konkurrenzdienst klicken müssen.“ Die Forderung nach einer Entflechtung hält er für impraktikabel. „Es würde bedeuten, Google zu verbieten, Youtube oder Google Maps in Deutschland anzubieten – und ich kann mir schwer vorstellen, dass das im Interesse der Verbraucher ist.“

Der Konzern selbst gibt sich gelassen: „Google war bereits Gegenstand umfassender Wettbewerbsverfahren in den USA und Europa“, sagte Google-Sprecher Ralf Bremer. „Das eine wurde abgeschlossen, das andere steht davor.“ Man habe eng mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und zahlreiche Zugeständnisse gemacht, um die vorgetragenen Bedenken zu lösen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare