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Horst Stern im Studio. Foto: Hugo Jehle / SWR

Nachruf

Der Aktivist

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Zum Tod des Tier- und Umweltschützers und Journalisten Horst Stern.

Ich habe nur über Dinge gesprochen, die ich selber recherchiert hatte, über die ich mir in mühevoller Arbeit eine Meinung gebildet hatte. Die Leute verwechselten meine Meinung mit meinem Beruf.“ Das sagte Horst Stern, wenn man ihn Tierschützer nannte. Er wollte als Journalist gesehen werden. Als solcher gehörte er zu den prägenden Figuren der Bundesrepublik – via Fernsehen mit Ausstrahlung in den Osten. Horst Stern hat mit seinen Reportagen für Zeitschriften und Rundfunk und den Büchern über Tiere und Natur viele Menschen schockiert, weil er Bilder zeigte und Informationen weitergab, die weder niedlich noch gemütlich waren. Wie jetzt bekannt wurde, ist Horst Stern am 17. Januar im Alter von 96 Jahren in Passau gestorben.

Es ist seltsam, heute über Stern zu schreiben, weil sein Name weitgehend vergessen ist. Als ich ihn 1993 zu einem Interview traf, war er einerseits eine Legende – für die, die „Sterns Stunde“ zur besten Sendezeit in der ARD verfolgt hatten und seine Bücher wie „Bemerkungen über Hunde“ hatten lesen können –, andererseits versuchte er sich gerade in einem neuen Beruf zu etablieren.

Sein Roman „Mann aus Apulien“ hatte viel Lob erfahren, sein neues Buch „Klimt“ folgte im Tschernobyl-Jahr dem Scheitern eines Reporters. Bewirken, sagte er, wollte er mit den Romanen nichts. Er könne nur nicht leben, ohne zu schreiben.

Die Frage der Wirkung knüpfte sich immer an das Schaffen Sterns. Mit seinen 26 Filmen habe er kaum politisch Einfluss nehmen können, schätzte er. Doch hat er Mediengeschichte geschrieben, indem er Zirkushaltung beobachtete, den Ekel vor Spinnen nahm, die Überzüchtung von Hunden aufdeckte, die Überpopulation von Hirschen als waldschädlich geißelte. „Sicherlich habe ich als erster darauf hingewiesen, dass die Tiere, von denen wir leben, unter unmenschlichen Bedingungen existieren“, sagte er in dem Gespräch. „Ich war der erste, der mit der Kamera in diese Massentierhaltung reingegangen ist. Bis dahin wusste die deutsche Bevölkerung noch nicht, wo ihr Frühstücksei herkommt. Aber im Endeffekt hat das auch nichts bewirkt. Ich habe kein einziges Huhn aus dem Käfig gebracht.“ Er verließ den Beobachterposten, als er 1975 zu den Begründern des BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland gehörte und die Deutschen Umweltstiftung 1982 mit ins Leben rief.

Als er 1998 in einem Zeitzeugeninterview im Fernsehen zu seinem Lebenswerk befragt wurde, sagte Horst Stern: „Ich habe eigentlich immer nur in den Köpfen und Herzen der Ohnmächtigen etwas bewirkt, in den Köpfen der Mächtigen so gut wie gar nichts.“ Aber vielleicht ist diesen Ohnmächtigen nur der Name nicht hängengeblieben. Es gibt noch immer Massentierhaltung, aber doch – wie sich gerade am Wochenende in Berlin zeigte – eine kritische Bewegung dagegen. Es gibt noch Zirkus mit Tieren, doch der moderne Circus verzichtet auf Dressuren. Und der Wald, für den er sich einsetzte, ist heute geradezu in Mode. Als Horst Stern in den 70ern zusammen mit Konrad Lorenz einen Naturschutzpreis bekam, sagte er in seiner Rede: „Es wird der Tag kommen, wo nicht Schwarz oder Rot die Politik bestimmt, sondern Grün.“ Menschen ändern sich langsam.

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