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Von wegen gratis

Abzocke im Internet nimmt zu

Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Anbietern im Web.

Von BEN REICHARDT

Mal eben gratis eine SMS verschicken, die günstigste Strecke für die Fahrt zur Oma rausgesucht - das Internet bietet vielerlei Annehmlichkeiten. Allerdings haben immer mehr Nutzer Ärger mit vermeintlich kostenlosen Angeboten im Netz. Allein 62 000 Menschen wandten sich zwischen Januar und September dieses Jahres an die Verbraucherzentralen, weil sie sich von Internetanbietern abgezockt fühlten.

War das Thema noch 2005 unbekannt, seien die Anfragen von verunsicherten Verbrauchern in diesem und im vorigen Jahr "rasant gestiegen", sagt Ute Klaus von der Verbraucherzentrale Hessen.

Ein Grund für die Verbraucherschützer, eine Umfrage unter mehr als 6650 Betroffenen zu starten. Die Forderungen, mit denen diese sich konfrontiert sahen, beliefen sich dabei durchschnittlich auf 120 Euro. Vertraglich hatten sich die Befragten mit der Eingabe der persönlichen Daten zu einer einmaligen Gebühr oder einem Abonnement verpflichtet. "Die Hälfte wusste gar nicht, dass es ein Abo ist", meint Verbraucherschützerin Gabriele Beckers. Der Grund: Meist gibt es keine offensichtlichen oder nur versteckte Hinweise, dass die entsprechende Dienstleistung etwas kostet.

Die Mehrheit der Betroffenen hatte die anschließende Aufforderung zu zahlen missachtet. Nicht wenige hatten Widerspruch eingelegt. "Besonders ärgerlich ist, dass sich viele Verbraucher einschüchtern lassen", hat der Rechtsanwalt Peter Lassek festgestellt. Die "immense Drohkulisse", bestehend aus Mahnungen, dem Einschalten eines Inkassobüros und der Drohung Strafanzeige zu erstatten, entmutige viele. Sein Rat sei deshalb: Forderungen zurückweisen, den Vertragsabschluss bestreiten "und sich so verhalten, als wären sie nie auf der Seite gewesen. Denn beweispflichtig ist der Anbieter". Konsumentenschützerin Beckers weist darauf hin, auf jeden Fall zu reagieren, so bald ein Schreiben vom Gericht komme.

Die Verbraucherschützer fordern unter anderem eine Kennzeichnungspflicht, ähnlich wie bei Servicenummern. Denn die verursachten Schäden bewegten sich "vermutlich in mehrstelliger Millionenhöhe".

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