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Gegen Klischees in medialen Darstellungen: Carol Campbell.
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Gegen Klischees in medialen Darstellungen: Carol Campbell.

Migration im Film

Abschied vom Symbolträger

Carol Campbell spricht im FR-Interview über Macht und Verantwortung der medialen Bilder. Der Blickwinkel auf die Zuwanderungsgesellschaft habe sich seit den 70er Jahren nicht geändert.

Sie treten dafür ein, Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien als selbstverständlichen Teil eines Programms für alle zu zeigen. Trauen Sie Film und Fernsehen etwas zu, was die Politik womöglich versäumt?

Ich glaube an die Macht von Bildern. In der riesigen Bilderflut, die uns erreicht, liegt eine große Chance für Veränderung und zugleich eine enorme Verantwortung der Medienmacher, der Programmverantwortlichen. Diese wird aber nicht ausreichend wahrgenommen Wir brauchen neue Bilder, nicht unbedingt neue TV-Formate. Die Realität hat doch das mediale Abbild der Gesellschaft längst überholt. Programmchefs müssen Redaktionen in die Lage versetzen und motivieren, interkulturelle Kompetenz aufzubauen. Das geschieht aber kaum.

Tun wir Deutschen uns schwerer als andere Nationen, uns ein realistisches Bild von uns selbst in der Zuwanderungsgesellschaft zu machen?

Schwer zu sagen. In der Thematik fällt aber immer derselbe Blickwinkel auf. Und an diesem Blickwinkel hat sich seit den 70er Jahren nicht viel verändert. Das Selbstbild der Deutschen muss sich ändern. Die Deutschen haben von sich das Bild einer monoethnischen deutschen Masse. Dabei ist Vielfalt schon längst Realität. Die Medien greifen diesen Blickwinkel auf, anstatt ihn über Bord zu werfen und neue Bilder zu präsentieren.

Nun hat sich in den letzten Jahren einiges getan, um vom Stereotyp des türkischen Gemüsehändlers als Prototyp für die Gruppe des türkischen Migranten wegzukommen. Beim WDR zum Beispiel existiert ein ausgereiftes Konzept, "Diversity" als Ressource zu verstehen und Vielfalt zur Richtschnur von Programmentscheidungen durchzusetzen.

Es geht darum, Vielfalt als Normalität zu zeigen. Natürlich gibt es türkischen Gemüsehändler und den schwarzen Asylbewerber in diesem Land. Aber wir sehen viel zuviel davon. Der Blick ist einseitig. Ich sehe - wenn ich polemisch zuspitze - eigentlich nur das. Ich sehe beispielsweise kaum Menschen der schwarzen Community dargestellt als im Alltag angekommene. Ich wünsche mir Charaktere in Film und Fernsehen, deren Konflikte aus zwischenmenschlichen Beziehungen resultieren, nicht aber aus ihrer Herkunft.

Vielfalt als Normalität - mehr als ein Schlagwort?

Man sollte darauf verzichten, Menschen mit Migrationshintergrund ständig als Repräsentanten der Anderen und des Fremden zu benutzen, als Symbolträger einer anderen Kultur einzusetzen. Das wäre der erste notwendige Schritt hin zur Differenzierung.

Sie fordern Diversity Training, Kurse in interkultureller Kompetenz. Glauben Sie, dass etwa Pro7Sat1 in seiner derzeitigen wirtschaftlichen Situation diese Fortbildung finanziert?

Die finanzieren noch ganz andere Sachen. Interkulturelle Kompetenz nimmt zukünftig kein Medium aus. Und Programme wie Pro7 oder auch RTL 2, die gerade junge Leute erreichen, erst recht nicht.

Welche Zielsetzung verfolgt der Verein SFD?

Eine doppelte. Einmal wollen wir schwarzen Filmschaffenden bei der Darstellung schwarzer Menschen in den Bilderwelten selbst unsere Agenda in die Hand nehmen. Zum anderen stehen wir für Empowerment - ein Konzept der Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Wir werden marginalisiert. Als Gruppe aber sind wir stärker und sichtbarer als der einzelne und eher in der Lage, etwas an den Klischees unserer medialen Darstellung zu ändern.

(Interview: Ralf Siepmann)

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