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Abschied vom Alten

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Zielführend: Karola Wille beweist Richtungskompetenz.
Zielführend: Karola Wille beweist Richtungskompetenz. © dapd/Jens-Ulrich Koch

Die neue MDR-Intendantin Karola Wille will nötige Reformen einleiten und den Führungsstil ändern.

Unsicher im Umgang mit der Öffentlichkeit und mädchenhaft wirkt Karola Wille. Seit Dienstag ist die 52-Jährige Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Das Haus, das Udo Reiter ihr hinterlässt, ist alles andere als besenrein. Es gilt, Skandale aufzuklären. Wenn es ums Programm geht, hält sich Wille bedeckt. Jenseits der Ankündigung, Regionalem mehr Sendeplatz und jüngeren Zielgruppen mehr Angebote zu verschaffen, bleibt sie vage. Was sie ändern will, ist der Führungsstil. Und dann erzählt sie von einem Buch, das sie zur Vorbereitung auf ihre neue Position beeindruckend fand: „Die Zeit der Helden ist vorbei“ lautet der Titel. Es versteht sich als „Anleitung für ein postheroisches Management“.

Frau Wille, in Ihrer Bewerbung um den Intendantenposten haben Sie sich sehr distanziert über den MDR geäußert. Gleichzeitig haben Sie ihn als Ihre „Heimat“, Ihren „Lebensinhalt“ bezeichnet. Wie passt das zusammen?

Eine sehr kritische Distanz? Diese Wahrnehmung teile ich nicht. Am Dienstag war nicht nur mein erster Tag als Intendantin, sondern mein 20-jähriges Dienstjubiläum beim MDR. Ich habe diesen Sender mit aufgebaut. Er ist für mich auch ein Stück berufliche Heimat. Gleichzeitig ist es richtig, dass es Dinge gibt, die es zu verändern gilt.

Immer neue Skandale treten beim MDR zutage. Ihr Vorgänger Udo Reiter hat nun gesagt, Sie hätten in der Vergangenheit warnend Ihre Stimme erhoben. Wann etwa?

Als juristische Direktorin hatte ich gegenüber Herrn Reiter eine beratende Aufgabe in rechtlichen Fragen, keine kontrollierende Funktion. Es gab unterschiedliche Auffassungen, etwa bei der Frage des Personalmanagements oder einer Beschaffungsordnung für das Programm. Dass Herr Reiter dann bewusst gegen meine Empfehlungen gehandelt oder gegen Regelungen verstoßen hätte, ist mir nicht bekannt.

Sie konnten sich nicht durchsetzen, sagte Reiter. Jetzt trauen Sie sich das zu?

Es gilt das Intendantenprinzip.

Es heißt, der Tag, an dem es zwischen Ihnen und Udo Reiter zum Bruch kam, war der 10. Juni. Es fand in Reiters Büro ein Gespräch statt, in dem es um eine Klage gegen den inzwischen suspendierten Udo Foht ging. Auch der jetzt in den Ruhestand entschwundene Wolfgang Vietze hat daran teilgenommen.

Zu Vorgängen und Abläufen im Fall Foht nehme ich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft grundsätzlich keine Stellung!

Ende Mai hat Reiter seinen Rücktritt angekündigt. Seitdem schienen Sie sich zur Kritik beflügelt: Weil Sie wussten, Sie können seine Nachfolgerin werden?

Das wusste ich bis zum Schluss nicht. Fakt ist: Die juristische Direktion konnte nur Vorgänge aufklären, die sie auf den Tisch bekommen hat.

Sie wollen von vielem nichts gewusst haben, weil Sie zwar Reiters Stellvertreterin waren, aber nur in seiner Abwesenheit. Haben Sie denn die Post nicht durchgesehen?

Unsere Satzung sieht vor, dass der Intendant im Fall seiner Verhinderung einen Vertreter bestimmen kann. Insofern handelt es sich um eine Abwesenheitsvertretung, nicht um ein generelles Vier-Augen-Prinzip. Über die Postverteilung entscheidet der Intendant.

Als Intendantin treten Sie jetzt mit einer neuen Führungsriege an. Auch im direkten Umfeld der Intendanz verabschieden Sie sich von einigen, die im alten System verstrickt sind. Die Trennung von Unternehmenssprecher Dirk Thärichen war Ihre erste Amtshandlung. Ebenso gibt Reinhard Krug die Leitung der Intendanz ab.

Herr Thärichen und der MDR haben sich einvernehmlich geeinigt.

Wie es dann so heißt … Wer wird Ihr Stellvertreter: Hörfunkchef Johann Michael Möller?

Die Neubesetzung der genannten Posten erfolgt nach und nach. Im Übrigen informiere ich darüber zunächst die Gremien.

Teamarbeit und Transparenz in der Kommunikation geben Sie als Ziel aus. Am Wochenende mussten die Mitarbeiter der Hauptabteilung Neue Medien allerdings ein unter flurfunk-dresden.de erschienenes Interview lesen mit dem neuen Chef des sächsischen Landesfunkhauses, Sandro Viroli, um zu erfahren, dass sie in die Obhut des Fernsehchefs kommen. Ist das die neue Art der Mitarbeiterinformation?

Das war vor meinem Antritt. Ich habe mit dem Kollegen gesprochen, dass wir Kommunikation künftig gemeinsam abgestimmt vornehmen.

Gehen Sie auch davon aus, dass die zuletzt bekannt gewordenen Skandale um den Kika, das Fernsehballett und Udo Foht nicht die letzten sind?

Ich bin optimistisch, dass es beim Bekannten bleibt und wir die Fälle in Ruhe aufarbeiten können. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werden noch lange andauern.

Ihnen wurde im Vorfeld Ihre DDR-Vergangenheit vorgehalten. Den Gremien sagten Sie, es habe ein Schlüsselerlebnis gegeben, das Ihren Glauben an den SED-Staat erschüttert habe. Welches?

Während eines Praktikums erfuhr ich von einem Staatsanwalt, der sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hatte. Das wurde allerdings nicht weiter verfolgt. Das entsprach nicht meiner Vorstellung von Gerechtigkeit. Deshalb habe ich mich später gegen die Justiz und für den Gang in die Wissenschaft entschieden.

Das Interview führte Ulrike Simon.

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