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Michael Köhlmeier las dem Bachmannpreis zur Eröffnung die Leviten.
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Michael Köhlmeier las dem Bachmannpreis zur Eröffnung die Leviten.

Klagenfurt Bachmannpreis

Abmurksung in Klagenfurt

Eröffnung der 37. Literaturtage: Zur Zukunft des Bachmannpreises gibt es zwar wenig Neues. Aber Michael Köhlmeier hält die Klagenfurter Rede zur Eröffnung und liefert ein Meisterstück ab.

Faktisch gab es am Mittwochabend bei der Eröffnung der 37. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wenig Neues, was die Zukunft des Bachmann-Literaturwettbewerbs betraf. Karin Bernhard, ORF-Landesdirektorin für Kärnten, gab die offizielle Linie vor: mit der Formulierung, die Last (von 350.000 Euro, die der ORF derzeit für die Live-Übertragung ausgibt) müsse künftig womöglich auf mehrere Schultern verteilt werden. Darum ringen und rangeln in diesen Tagen die Verantwortlichen in Gesprächen vor Ort und äußerten sich vielleicht auch deshalb dermaßen schwiemelig. „Leben ist Veränderung“, so Hubert Nowak, Leiter der ORF/3sat-Redaktion und: „Wir müssen den Bachmannpreis mit den Augen des 21. Jahrhunderts sehen.“ Vielleicht sei das eine Zeitenwende. Vielleicht sei das auch nur eine kleine Zeitenwende. 3sat wolle jedenfalls Medienpartner bleiben.

Gemeinderat für Bachmannpreis

Im Übrigen, sagte Nowak und an dieser Stelle doch leicht gereizt, liege die Entscheidung über die Zukunft der Veranstaltung ganz allein bei den Veranstaltern, eine Ansicht, die freilich nicht alle Wähler und Gebührenzahler teilen werden. Wobei sich die Wähler keine Sorge machen müssen: Die Stadtregierung und auch die Kärntner Landesregierung – nach der Abwahl der „Freiheitlichen“ wieder beim Bachmannpreis engagiert – stehen wie eine Eins hinter den Literaturtagen. Gerade eben habe der Gemeinderat in einer Resolution einstimmig für den Erhalt des Bachmannwettbewerbs gestimmt, sagte der Klagenfurter Kulturreferent Albert Gunzer. Auch eine Standortdiskussion könne es auf keinen Fall geben. Ingeborg Bachmann sei in Klagenfurt geboren worden, und schließlich sei sie auch hier begraben. So viel dazu. Es wurde zunächst also praktisch nichts gesagt, aber irgendwie die vage Aussicht auf die „hoffentlich beste Lösung“ (Bernhard) geweckt. Der Jury-Vorsitzende Burkhard Spinnen fand es „schön, dass wir noch da sind und wenn wir nächstes Jahr noch da sein werden“, und nannte noch zwei Argumente, die er noch nicht ganz so oft gebracht habe: Erstens, dass er noch nie einen Lehrer / eine Lehrerin getroffen habe, der / die den Bachmannpreis nicht kannte, tausende und abertausende von Bachmannpreis-interessierten Multiplikatoren also. Zweitens, dass ein Lektor ihm erklärt habe: Er reise deshalb so gerne nach Klagenfurt, weil er dort eine Woche lang über Literatur reden und nachdenken könne, ohne immer auch gleich über Ökonomisches reden und nachdenken zu müssen. Das sind beides gute Argumente. Aber der ORF will halt lieber, dass jemand anderes die 350.000 Euro bezahlt.

Affäre Fauser

Es war zur Eröffnung dennoch wie immer, nur verhaltener. Bis es dann ungemütlich wurde, richtig ungemütlich. Der Schriftsteller Michael Köhlmeier hielt die Klagenfurter Rede und lieferte ein Meisterstück ab. Zuerst sprach er im Konjunktiv: Das, was er hätte sagen wollen, wenn nicht etwas dazwischengekommen wäre. Er warb darum (er hätte darum geworben, sagte er), sofort endlich oder endlich wieder die Bücher seines Kollegen und Freundes Jörg Fauser (1947-1987) zu lesen, zum Beispiel „Rohstoff“. Er machte auf die guten Fauser-Editionen aufmerksam, etwa bei Diogenes, und kein Bachmannpreisträger wollte ihm einfallen, dem die Ehre solcher Ausgaben zuteil geworden wäre. Jörg Fauser gewann den Bachmannpreis jedoch nicht, eher im Gegenteil. Denn nun erinnerte Köhlmeier an Fausers Auftritt als Wettbewerbsteilnehmer in Klagenfurt 1984 – auch er, Köhlmeier, war damals dabei, auch er gewann nicht. Er beschrieb das als Auftritt vor dem „Klagenfurter Literaturgerichtshof“. Nicht gegen Fausers Text, sondern gegen seine Person habe sich der Verriss der Jury gerichtet. Das Publikum habe gewiehert, in der Jury sei Marcel Reich-Ranicki („Dieser Autor hat hier nichts verloren“) auf keinerlei Gegenwehr etwa durch Peter Härtling, Gertrud Fussenegger und, so Köhlmeier, „den ehrenwerten“ Walter Jens gestoßen. „Dem Pöbel saßen die Pöbelartigen vor“, sagte Köhlmeier, und: „Die Autorenkollegen wollten mit dem da nicht gesehen werden.“ Dies sei einem Schriftsteller geschehen, dem sämtliche anwesende Personen übereinandergestellt noch nicht ans Kinn gereicht hätten.

Während Köhlmeier seinen komplett in geschliffene Sprache übergegangenen Zorn wohl platzierte, fiel ihm ein, dass er allerdings Gefahr laufe, „das zynische Grinsen neuer Richter herauszufordern“. Überhaupt stellte er die Affäre Fauser nicht als misslichen und einzeln dastehenden Klagenfurter Tiefpunkt dar. Das zu sagen, sagte Köhlmeier nun, habe er vorgehabt. Dann aber sei ihm, nach der ORF-Ankündigung, die rote Fahne in die Hand gedrückt worden. Ohne Unterlass habe man ihn gefragt, was er denn beim Eröffnungsabend nun sagen und tun wolle. Schließlich habe er sich zum Schulterschluss durchgerungen. Nun protestiere er so heftig er könne (sagte er herrlich schlapp, aber er sagte es) gegen die „Abmurksung“ des Bachmannpreises. Und gab dem Protest das Wort, das ein Protest braucht: Abmurksung, murmelte es zufrieden im Publikum.

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