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In Andreas Gurskys Cocoon-Welt.

Aber warum liegen dort diese Klötzchen?

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Natürlich nicht einfach ein Ort: Andreas Gursky hat für das MMK den Frankfurter Cocoon Club fotografiert.

Allein die Einladungskarte: bretthart, ein kompliziertes Gebilde aus fünf Schichten löchriger Pappe, darin eine halbtransparente CD mit Sphärenmusik. "Andreas Gursky Cocoon/Frankfurt…" ist allerdings nicht der Titel des erst wabernden, dann wild wummernden Tracks, sondern der einer Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Ein Event der Superlative stand zu erwarten, schließlich gilt Gursky als Megastar unter den Fotokünstlern und der Cocoon Club als Inbegriff des durchgestylten Discotempels für die Techno-Generation. Keine Frage, dass auch Rave-Guru Sven Väth höchstpersönlich zur Ausstellungseröffnung erschien, seine silbernen Discoschuhe funkelten im Blitzlichtgewitter.

Andreas Gursky hat also den Cocoon Club fotografiert. Das amorph-technoide Design der Einladungskarte entspricht dem einer Wand, die im Club als Membran zwischen Tanzbereich und Chill-Out-Zone dient. Jene Wand ist es auch, die sich als Konstante durch die vier Aufnahmen des Fotokünstlers zieht, die eigens für das MMK konzipiert wurden. Wie üblich haben sie mit der Realität nicht viel gemeinsam; denn wie immer hat Gursky nicht einfach einen Club fotografiert. So wenig wie er jemals einfach einen Fluss, eine Börse oder einen Supermarkt fotografiert hat, sondern immer den Inbegriff eines Flusses, einer Börse, eines Supermarktes, leicht wiedererkennbar, hyperreal.

Gursky macht kein Geheimnis daraus, dass er seine Vorlagen am Computer bearbeitet. Ein Typ mit pink beschriftetem T-Shirt taucht mehrmals unter den Techno-Jüngern auf, Architekturteile passen nicht immer genau aufeinander. Zwei Bilder zeigen die Masse der Amüsierwütigen, doch alles wirkt wie festgefroren, Bewegungsunschärfen gibt es nicht. "Gurskys Bilder referieren auf die graphischen Vorlagen und bilden somit eine idealtypische Annäherung an den originalen Cocoon Club", heißt es in der Ankündigung. Keiner hat behauptet, der Künstler habe vor Ort fotografiert. Zwei weitere Aufnahmen zeigen die Wand ohne Tänzer, einmal liegen Plastikbecher auf dem Boden, einmal hockt der Künstler selbst in einer Ecke und betrachtet einen Probedruck, während auf dem Boden einige Bücher und zwei Klötzchen mit der Aufschrift MOMA liegen. Hätte da nicht MMK drauf stehen sollen?

Museum für Moderne Kunst Frankfurt: bis 17. August.

www.mmk-frankfurt.de

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