Demonstration in Köln
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 Ein Mann trägt ende Mai bei einer Demonstration in gegen die Corona Maßnahmen in Köln eine Gasmaske und hält ein Schild auf dem steht „"Coronalüge wach auf. Gemeinsam in Freiheit Wahrheit und Liebe, statt alleine in Lüge, Zwang und Angst. Angst essen Seele auf“.

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Ja, aber ...

Mit einem „Und“ anstelle des „Aber“ ließe sich aus einer Gegenüberstellung zweier Probleme ein wenig die Diskurs-Hochspannung herausnehmen, jedoch eine doppelte Herausforderung beibehalten.

Genau, eine komische Überschrift. Zudem eine merkwürdige Formulierung, obendrein eine Floskel. Wenn nicht mehr. Und wenn sie das ist, mehr, dann ist sie alles andere als eine harmlose Formulierung. Eine, bei der gerade noch Zeit zum Luftholen bleibt, um umgehend umso weiter auszuholen. Denn „ja, aber“, kaum ausgesprochen, ist auch Ausdruck einer geschickten Gesprächsstrategie. Das „Ja“ kündigt in Verbindung mit dem „Aber“ eine Gegenrede an. 

Ich sag mal: Ein Nein wäre auch angebracht gewesen, der Satz: Nein, denn – und dann folgt die Begründung. Es so zu sagen, wäre nicht ganz falsch, aber ja! Selbst wenn es mit dem „Ja, aber“ höflich gemeint sein sollte – wer a), ja, sagt, meint es mit dem b), aber, sehr viel ernster. Mit dem „Aber“ verschafft sich nicht unbedingt das bessere Argument Gehör, doch gerne ein Besserwisserton, oft gestisch beglaubigt, genau! Und damit bewegen wir uns unmittelbar auf ein juristisches Problem zu, das darin besteht, dass der Bürger in der Corona-Krise nicht mit einem einzigen Problem konfrontiert wird, sondern mit mindestens zwei, sobald er sich mit den Grundrechten beschäftigt. 

Denn es sind nun einmal zwei Grundrechtsfunktionen, nämlich einerseits die grundrechtliche Schutzpflicht für das Leben sowie die grundrechtliche Abwehr staatlicher Eingriffe in Freiheitsrechte, die in der Coronakrise außergewöhnlich auffällig geworden sind, auffällig deshalb, weil sie aufeinanderstoßen. Zwei Grundrechte, noch dazu gegenläufig. Daraus hat sich in den letzten Wochen ein Konflikt entwickelt, ein gesellschaftlicher Konflikt. Kein Diskurs, der ein harmlos Ding wäre, herrschaftsfrei. Und dann werden die Floskeln nur so durchgepeitscht und die Argumente abgebaut und die Fakten gebeugt und der Gesprächspartner stumm gemacht und das „Aber“ zum Dogma erhoben. 

Doch wo bleibt nur das zivile „Und“? Ein Beispiel: Die Pandemie ist der Ausnahmezustand grundrechtlicher Freiheiten, ja, aber auch der Ernstfall des grundrechtlichen Schutzes. Mit einem „Und“ anstelle des „Aber“ ließe sich aus einer Gegenüberstellung ein wenig die Diskurs-Hochspannung herausnehmen, jedoch eine doppelte Herausforderung beibehalten – also so jetzt: Ja, die Pandemie ist der Ausnahmezustand grundrechtlicher Freiheiten und der Ernstfall des grundrechtlichen Schutzes. So liest sich das Problem bereits anders, nicht weniger komplex, dabei nicht ganz so konfliktträchtig. Wo das „Aber“ rhetorisch regiert (herrscht), wird Widerstand zur Pflicht!

Von Christian Thomas

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