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Haltestelle im Nirgendwo.

Times mager

52

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Augen auf im Öffentlichen Personen-Nasführverkehr (ÖPNV)! Und glauben Sie nichts, weder aus der Zukunft, noch aus der Vergangenheit.

Heute: Augen auf im Öffentlichen Personen-Nasführverkehr (ÖPNV). Und glauben Sie nichts, weder aus der Zukunft, noch aus der Vergangenheit.

Aus der Zukunft verkündigt eine Erleuchtschrift die Ankunft einer Stadtschnellbahn der Linie 3. Das ginge in Ordnung. Die Stadtschnellbahn 3 bringt uns Menschen zum Hauptbahnhof, um dahinter im eleganten Bogen die Station G. zu erreichen, täglich’ Ziel eines wackeren Häufleins schreibender Bevölkerung.

Erst einmal in die Stadtschnellbahn 3 gestiegen, spricht nichts dagegen, seine Aufmerksamkeit einem Buch zu schenken, beziehungsweise einem Mobiltelefonspiel, denn was soll schon passieren? Die 3 wird Mensch, Buch und Mobiltelefon elegant um die Ecke bringen, um die Kurve, zur Station G., es sei denn, es handelte sich in Wahrheit um eine Stadtschnellbahn der Linie 1. Die würde unelegant geradeaus weiterfahren Richtung W., was sie hiermit auch tut.

Zu den Sauereien unserer Zeit zählt es, gewisse Stadtschnellbahnen an erster Stelle der Nächste-Züge-Liste anzukündigen, und dann erscheint eine ganz andere, während wir Fahrgäste, arglos wie Koalas, unsere Nasen in Bücher oder unsere Daumen auf Mobiltelefone stecken. Unnötig zu erwähnen, dass einem immer erst auffällt, worin man ist, wenn sich gerade die Türen zum letzten Ausweg geschlossen haben, piepend vor Häme.

Auf der Weiterfahrt in die falsche Richtung, die sich hinzieht wie die Nachspielzeit eines Fußballspiels, in dem du gegen den haushohen Favoriten knapp in Führung liegst, lässt sich die Buslinie 52 als beste Variante ermitteln, um doch noch halbwegs zeitnah zur Station G. zu gelangen. An der Bushaltestelle im Nirgendwo befinden sich jedoch lediglich Hinweise auf die Linien 55 und 59 sowie eine Frau, die ganz offensichtlich seit mindestens dreihundert Jahren dort steht, eins mit sich und der Umgebung.

Ob hier nicht auch die Buslinie 52 verkehre? Nein, sagt die Frau, und sie habe auch noch nie von einer angeblichen Buslinie 52 gehört. Dazu eine Miene, als sei der Name von Du-weißt-schon-wem genannt worden.

Die waghalsige Idee, kurz diese Seite der Bahngleise zu verlassen und auf der anderen Seite nachzusehen, führt direkt zur Linie 52, außerdem zu der Erkenntnis, dass die alte Dame ihr Leben offenbar auf dieser Seite verbracht hat, und nur auf dieser Seite. Jetzt umkehren, zurückgehen, ihr sagen: Frau, schau, drüben, auf jener Seite, da fährt ein Bus aus Nirgendwo dorthin, wo das Leben der anderen … – oh, mein 52er kommt.

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