36 ist die „wahrscheinlichste“ Trefferzahl, wenn wir in unserer Galaxie nach intelligentem Leben suchen.
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36 ist die „wahrscheinlichste“ Trefferzahl, wenn wir in unserer Galaxie nach intelligentem Leben suchen.

Times Mager

36 - Die Feuilleton-Kolumne

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Nur 36 unter 250 Milliarden? Von der Wahrscheinlichkeit, Aliens zu treffen.

Die Antwort, das weiß jede Leserin, jeder Leser von Douglas Adams, lautet: 42.

Jetzt ist eine 36 zwar ziemlich nah dran – aber wenn die Antwort eine 36 ist, die auf einer Vielzahl von nicht beweisbaren Annahmen beruht (was auch diejenigen zugeben, die die 36 in die, äh, Weite des Weltraums gestellt haben), dann kann man eigentlich auch gleich bei 42 bleiben. Adams wird seine Gründe gehabt haben, widerlegt wurde er bisher nicht, und beide Zahlen sind durch 2 und 3 und 6 teilbar. Was auch immer das bedeutet.

Der Astrophysiker Christopher Conselice von der University of Nottingham und sein Team haben errechnet, dass 36 die „wahrscheinlichste“ Trefferzahl ist, wenn wir in unserer Galaxie nach intelligentem Leben suchen. Etwa so: Gesamtzahl der Milchstraßensterne (250 Milliarden plus/minus 150 Milliarden – da fängt’s schon an mit dem Ungefähren!) minus die Sterne, auf denen schon mal gar kein Schleimchen wachsen kann, geteilt durch die Brocken, auf denen das Schleimchen garantiert nie zu einem gestandenen Alien wird.

Also nur 36 Alien-Populationen an 36 Orten (und nein, das Weiße Haus zählt nicht dazu)? 36 Fremdlingsarten, die wir uns vorstellen in Lindgrün, Salbeigrün, Endiviensalatgrün, Petrol, Fichte, Kotzgrün, Schimmelgrün usw. usf. 36 Alien-Völker, die uns vielleicht fliegende Taxis und selbstreinigende Badewannen voraushaben. Oder die eine künstliche Intelligenz entwickelt haben, die Zeitungsglossen schreiben kann und außerdem den Unterschied erklären zwischen 36, 42 und der Wahrscheinlichkeit, dass Homo sapiens noch lange genug durchhält, um sich mit auch nur den Bewohnern eines einzigen anderen Planeten zu verschwistern.

Diese Wahrscheinlichkeit geht unserer Meinung nach gegen null. Das Team Conselice hat nämlich nicht nur 36 bewohnte Sterne errechnet, es geht auch davon aus, dass wir noch mindestens 6120 Jahre brauchen, bis uns eine erste akustische Kontaktaufnahme mit einem Rockstar auf Beta Springsteinii oder einer Singer-Songwriterin auf Patti Gamma Smithi gelingt. (Angesichts der Langsamkeit des Mobilfunkausbaus halten wir, dies nur nebenbei, die Schätzung 6120 für sehr optimistisch. Und wer sagt denn, dass es, lindgrün hin, salbeifarben her, eine friedliche Kontaktaufnahme wird? Womöglich beschallt uns so eine Supernova mit musikalischen Superrammsteinen.)

Conselice lässt sich zwar zitieren: „Wir wären nicht sehr schockiert von ihrem Aussehen (dem der Aliens, d. Red.), wenn wir ihnen begegnen würden.“ Aber genau das könnte das Problem sein. Was, wenn sie sind wie wir, ihren Planeten zugrunde gerichtet haben und nun hoffen, bei uns Aufnahme zu finden? Wie wir uns kennen, werden wir die Grenzen schneller dicht machen als die Aliens zum Zeichen ihrer guten Absichten „Happy Birthday“ singen und sich den Sternenstaub von den Händen waschen können.

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