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Zwischen Freude und Ärger

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Von: Susanne Ebner

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Die Queen am Dienstag im Kreise ihrer Familie. afp
Die Queen am Dienstag im Kreise ihrer Familie. afp © AFP

Königin Elisabeth II. kann an der Gedenkfeier für Prinz Philip teilnehmen – zur Freude der Menschen in Großbritannien. Doch jenseits der Insel steckt die britische Monarchie in der Krise

Wird sie teilnehmen oder nicht? Lange Zeit war nicht klar, ob Königin Elisabeth II. angesichts ihres Alters und Gesundheitszustandes bei der Gedenkfeier für ihren im April vergangenen Jahres verstorbenen Mann Prinz Philip dabei sein kann. Umso größer war die Erleichterung bei vielen Britinnen und Briten, als sie gestern am Vormittag tatsächlich in der Kathedrale Westminster Abbey erschien. Einem Ort, der symbolischer kaum sein könnte. Schließlich haben die Queen und Prinz Philip dort einst geheiratet. Dort finden königliche Taufen statt, Krönungen und Beerdigungen. Westminster Abbey ist die wichtigste Bühne der Royals, „ihr Theater“, wie eine Kommentatorin es gestern beschrieb.

Unter den rund 1800 Gästen, darunter Mitglieder von rund 30 Königshäusern, erschienen auch Darsteller, die man nicht erwartet hatte, allen voran Prinz Andrew. Er war es, der die Queen gestern zu ihrem Platz führte. Sein Auftritt überraschte. Schließlich gilt der 62-Jährige als Persona non Grata grata wegen seiner Bekanntschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. In diesem Zusammenhang warf ihm die US-Amerikanerin Virginia Guiffre vor, sie als Minderjährige misshandelt zu haben und verklagte ihn. Kürzlich einigten sich die beiden auf einen Vergleich. Als rehabilitiert gilt der Prinz damit jedoch nicht. Doch es scheint als habe die Queen angesichts des Todestages von Prinz Philip eine Ausnahme für ihren angeblichen Lieblingssohn gemacht, mal wieder. Eine Entscheidung, die in den kommenden Tagen für weiteren Gesprächsstoff sorgen wird.

Während in Großbritannien die Unterstützung für die Monarchie, vor allem für die Queen, weiter hoch ist, befindet sich das Commonwealth jenseits der Insel in einer Krise. Der Grund: William und Kates achttägige Karibik-Reise. Besonders umstritten waren die Bilder, die auf dieser Reise entstanden sind. Da war die Szene, in der begeisterte schwarze Kinder dem weißen Paar ihre Hände entgegenstrecken – durch einen Zaun. Und die Fotos von Prinz William in einer strahlend weißen Uniform bei einer Militärparade, stehend in einem Land Rover. Diese Bilder sind deshalb so unpassend, betonen Fachleute, weil sie an die Ikonografie der Kolonialzeit erinnern.

Eine Zeit, mit der sich viele Länder in dieser Region zunehmend kritisch auseinandersetzen. Das Urteil in den britischen Medien war dementsprechend vernichtend. „Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen“, schreibt Jan Moir, eine Kolumnistin der britischen Tageszeitung „Daily Mail“, „William und Kates Karibik-Reise war ein Desaster“. Doch wie konnte es so weit kommen?

Beobachterinnen und Beobachter des Königshauses betonen, dass das Paar eigentlich nichts anders gemacht habe als frühere Royals. Doch genau darin bestehe das Problem, sagen sie. Denn seit die Queen und Prinz Philip 1953 die gleiche Reise unternommen haben – und sogar seit ihrem letzten Besuch 2002 – habe sich alles geändert. „Die Welt ist ein anderer Ort“, betonte Moir.

In vielen Teilen der Welt, die einst von britischer Herrschaft geprägt waren, reagiere man deutlich sensibler auf die Geschichte der Sklaverei, fordere Reparationszahlungen durch den britischen Staat. Zusätzliches Salz in die Wunden vieler Menschen in der Karibik habe der Windrush-Skandal 2018 gestreut. Damals wurden britische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die in den 70-Jahren aus der Karibik in das Vereinigte Königreich kamen, illegal ausgewiesen. All diese Themen hätten der Herzog und die Herzogin von Cambridge mit mehr Sorgfalt behandeln sollen, sind sich britische Medien einig.

Was also tun? Der 39-jährige Prinz William, der seinem Vater Charles auf den Thron folgen wird, hat im Anschluss an seine Reise verlauten lassen, dass ein schlichtes „Weiter so“ für die Monarchie nicht die Lösung sein kann. Er stellte in Frage, ob er und seine Frau zukünftig König und Königin des Commonwealth sein werden. „Ich weiß, dass diese Tournee die Fragen nach der Vergangenheit und der Zukunft noch schärfer in den Mittelpunkt gerückt hat. In Belize, Jamaika und auf den Bahamas ist es die Aufgabe der Menschen, über diese Zukunft zu entscheiden“, lauteten seine Worte in einer öffentlichen Kundgebung, wie sie in dieser Form nicht üblich ist. Denn eigentlich gilt das Motto, das Königin Elisabeth perfektioniert hat: „never complain, never explain“, was bedeutet, dass „man sich niemals beschweren und niemals rechtfertigen“ soll.

Ob die Reise tatsächlich den Anfang vom Ende des Commonwealth markiert, muss sich noch zeigen. Doch die Zeit, in der die königliche Familie in ferne Länder reist, um sich dort bejubeln zu lassen, scheint definitiv vorbei zu sein. Darüber hinaus gab die Reise laut Beobachter:innen einen weiteren Vorgeschmack auf die Zeit nach der Queen. Und diese, so sind sie sich sicher, „sieht nicht rosig aus“.

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