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Zoff um das Billigticket

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Von: Jan Sternberg, Alisha Mendgen

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Ankunft in Frankfurt: Reisende verlassen einen Regionalzug. imago
Ankunft in Frankfurt: Reisende verlassen einen Regionalzug. imago © imago/Ralph Peters

Ob und wann das Neun-Euro-Ticket oder gar der Nulltarif für Bus und Bahn kommen, ist völlig unklar. Bund und Länder verhandeln weiter. Unter anderem Bayern fordert langfristige Hilfen statt einer begrenzten Rabattaktion.

Bund, Länder und Verkehrsverbünde streiten weiter darüber, wie Kundinnen und Kunden von Bus und Bahn am besten von den versprochenen Entlastungen profitieren können.

Die reguläre Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum öffentlichen Personennahverkehr soll am Mittwoch wieder tagen. Das bestätigte die Pressestelle der Verkehrsministerkonferenz (VMK) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Thema wird auch die Umsetzung des vom Koalitionsausschuss beschlossenen Neun-Euro-Tickets sein. Auch über den Gegenvorschlag der Länder, einen landesweit gültigen Nulltarif für diesen Zeitraum einzuführen, wird beraten. Vertreter des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen sind eingeladen.

Unstrittig ist bislang nur eines: Die Vergünstigung soll auch für Zeitkartenabonnenten gelten. Diese sollen entweder eine Rückerstattung erhalten oder ihr Ticket soll drei Monate länger Gültigkeit behalten. Die Verkehrsverbünde bitten ihre Stammkunden seit Bekanntwerden der Rabattpläne wiederholt darum, auf keinen Fall ihre Abos zu kündigen.

Zurzeit ermitteln Länder und Verkehrsverbünde die Kosten für die Ticketvarianten. Die Länder bevorzugen auch deshalb den Nulltarif, weil der Verwaltungsaufwand geringer ist als bei der Einführung eines neuen Tarifs für drei Monate. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) schlägt vor, dass das Neun-Euro-Ticket nur online verkauft werde, damit nicht jeder Kartenautomat umprogrammiert werden müsse.

Unklar ist auch noch, in welchen Bereichen ein Sonderticket gelten soll. In Deutschland gibt es einen Flickenteppich von Verkehrsverbünden. Teils, wie im Norden oder in Berlin-Brandenburg, umfassen sie mehrere Bundesländer und Dutzende Verkehrsunternehmen. Teils ist nur der Nahverkehr einer Stadt oder eines Landkreises einbezogen. „Hier fehlt zunächst eine klare Definition“, kritisiert Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, gegenüber dem (RND). Das habe auch einen entscheidenden Einfluss auf den Kostenrahmen. Der müsse vorab geklärt werden. „Es wird also dauern“, erklärt er.

Doch die Verhandler stehen unter Zeitdruck: Die Entlastung soll möglichst schnell und nicht erst über die Sommermonate kommen, wenn während der Schulferien ohnehin viel weniger Pendlerinnen und Pendler unterwegs sind. Dass das Neun-Euro-Ticket bei allen Verkehrsbetrieben zur gleichen Zeit verfügbar sein wird, hält Naumann für unrealistisch. „Wenn ein einzelnes Verkehrsunternehmen entscheiden muss, geht das sicher schneller, als wenn ein Verbund entscheiden muss“, erklärt er.

Plädoyer für Mobilitätsgeld

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) fordert Zusagen für langfristige Hilfen aus Regionalisierungsmitteln für die Nahverkehrsbetriebe. Der Schwerpunkt der Debatte sei falsch gesetzt. „Mit einer dreimonatigen Rabattaktion ist es nicht getan“, sagte er dem RND. „Viele Verkehrsunternehmen stehen angesichts der hohen Sprit- und Energiepreise vor dem Ruin.“ Für sie müsse der Bund dauerhafte Entlastungen auf den Weg bringen. „Es geht um die Existenz der Unternehmen und damit auch um die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs generell“, so Bernreiter.

Auch Pro-Bahn-Vertreter Naumann plädiert eher für langfristige Lösungen als für eine begrenzte Vergünstigung. „Drei Monate den Preis zu subventionieren, verbessert den ÖPNV nicht“, erklärt er. „Es entzieht möglicherweise dem System Geld.“ Wichtiger seien Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge. In der Vergangenheit habe das auch zu mehr Fahrgästen geführt. „Wir tendieren zu einem Mobilitätsgeld, um die bestehenden Ungerechtigkeiten auszugleichen“, sagte er.

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