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Auch auf den Philippinen gab es am Freitag Klimademos.

Fridays for Future

„Wir sind so was von da“

Weltweit folgen Menschen an 3000 Orten dem Aufruf von Fridays for Future zum Klimastreik.

Eine Mischung aus Verzweiflung und Kampfgeist geht von Luisa Neubauer aus, als sie beim Klimastreik vor dem Brandenburger Tor vor Tausenden Menschen ihre Rede hält. „Menschen wollen unsere Resignation – doch das kriegen sie nicht!“, ruft sie ins Mikrofon.

Verzweiflung, weil die umweltpolitischen Maßnahmen wie zum Beispiel der Kohleausstieg bis 2038, den die Bundesregierung beschlossen hat, den Aktivisten von Fridays For Future längst nicht weit genug gehen.

Kampfgeist, weil die Jugendbewegung es geschafft hat, dass Klimaschutz ein Jahr nach dem ersten globalen Klimastreik auch inmitten einer weltweiten Pandemie auf der politischen Agenda wieder ein Stückchen weiter nach oben rückt. „Wir sind so was von da“, ruft Luisa Neubauer den Demonstrierenden zu, die bis zur Siegessäule stehen. Zur Bestätigung antwortet ihr die Menge mit lautem Jubel.

Fridays For Future hatte am Freitag zu einem globalen Klimastreik aufgerufen. Weltweit wurden laut der Umweltbewegung an mindestens 3000 Orten Streiks angekündigt - in Ländern wie Australien, Japan oder Kenia. In Deutschland waren über 400 Demonstrationen unter dem Motto „Kein Grad weiter“ angemeldet – erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie. In Baden-Württemberg wurden mehrere Tausend Teilnehmer bei den über 50 Aktionen und Protestzügen erwartet. Das seien zwar deutlich weniger als im vergangenen Jahr, allerdings räumte eine Stuttgarter Aktivistin auch ein: „Das war im vergangenen Jahr einfach eine andere Situation.“

Auch in Nordrhein-Westfalen gingen die Klimaaktivisten zahlreich auf die Straße: In Köln schätzten die Organisatoren kurz nach dem Start zur Mittagszeit die Teilnehmerzahl bereits auf rund 7000. In Bonn berichteten die Veranstalter von 3000 Teilnehmenden, die Polizei von rund 2000. Die Demonstration verlaufe ohne Störungen, sagte ein Polizei-Sprecher. Am Nachmittag sollte es auch eine Kundgebung am Landtag in Düsseldorf geben.

Die Demonstration in Hamburg war in der Form erst kurz zuvor durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg möglich geworden. Die Versammlungsbehörde wollte ursprünglich nur zwei Demonstrationszüge mit maximal 1000 Demonstrierenden zulassen. Nun waren pro Zug, wie ursprünglich von Fridays For Future geplant, 3500 Menschen erlaubt. In Bremen wurden gegen Mittag etwa 2000 Teilnehmende gezählt. Greta Thunberg demonstrierte unterdessen wieder vor dem schwedischen Parlament in Stockholm – wie ganz zu Beginn der Bewegung, die sie genau dort allein und mit einem Pappschild in der Hand gestartet hatte.

In Berlin kamen mehrere Tausend Menschen zur zentralen Kundgebung am Brandenburger Tor. Die angemeldeten 10 000 Teilnehmer wurden laut einer Sprecherin der Polizei aber zunächst nicht erreicht. Der Streiktag wurde hier mit einer Sitzblockade eröffnet. Der Regen hielt die Aktivisten davon nicht ab – wie Sarah, 22, auf deren Schild zur Sitzblockade stand: „Heute wieder Klima retten. Gar kein Bock.“ Der Protest wurde zugleich in die sozialen Netzwerke getragen: Jana, 29, und Caro, 30, drehten zum Beispiel für ihre Instagram-Story Videos, um ihre Follower am Klimastreik teilhaben zu lassen.

Luisa Neubauer nutzte als Hauptorganisatorin der Bewegung in Deutschland die große Bühne vor dem Bundestag – auch mit Blick auf kommende Wahlen: „Wir werden im nächsten Jahr alles, was in unserer Macht steht, dafür tun, dass diese Bundestagswahl die erste ist, in der jede demokratische Partei einen 1,5-Grad-Plan hat“, versprach Neubauer.

Es war der erste bundesweite Klimastreik-Tag seit Ausbruch des Coronavirus – das Comeback gilt aus Veranstaltersicht als geglückt. Auch dank entsprechender Schutzmaßnahmen: Die überwältigende Mehrheit der Klimaaktivisten trug die Maske vorschriftsgemäß über Mund und Nase. Die Abstände waren mit weißen Punkten aus Mehl auf dem Boden markiert. Schrumpften die Lücken zwischen den Teilnehmenden gelegentlich, erinnerten die Organisatoren sie an die Regeln.

Grünen-Chef Robert Habeck begrüßte das Engagement der Aktivisten. Es sei „super“, dass Fridays for Future mobilisiere. „Der Tag heute ist nochmal ein Signal dass die tiefe Erkenntnis in der Gesellschaft da ist, dass sich Politik ändern muss“, sagte er vor Journalisten in Berlin. Er nannte das Wort Klimaschutz für den Aktivismus „fast ein bisschen verniedlichend“. „Wir reden hier von Menschheitsschutz und uns läuft die Zeit davon.“

Auch die Linken im Bundestag begrüßten die Demos. „Die Welt brennt, die Groko pennt“, erklärte der Bundestagsabgeordnete und Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin. Wer eine Zukunft mit Klimagerechtigkeit wolle, könne sich „ganz offensichtlich nicht auf die Regierung in Berlin verlassen“. (mit dpa/afp)

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