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Wenn die Post fehlt

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Von: Johanna Apel

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Viele Briefträgerinnen und Briefträger liegen infiziert im Bett.
Viele Briefträgerinnen und Briefträger liegen infiziert im Bett. © dpa

Viele Corona-Krankheitsfälle legen den Bonner Konzern lahm.

Kurz vor dem anstehenden Weihnachtsgeschäft sieht sich die Deutsche Post mit einer Beschwerdewelle konfrontiert. Weil Briefe verspätet zugestellt werden, räumte das Unternehmen jetzt auch offiziell ein, dass es an einigen Standorten Probleme gibt.

„Jeder Brief, der nicht zugestellt wird, ist einer zu viel“, sagte Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner am Mittwoch in Bonn. An einigen Standorten fehlten bis zu 30 Prozent des Personals. Zwar seien das insgesamt nur zwei Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post. „Aber die lokalen Probleme möchte ich nicht beschönigen“, so Hagleitner. Als einen Grund gibt der Konzern den hohen Krankenstand durch die Corona-Pandemie an. Gerade im Sommer, als es bei der Zustellung der Briefe bereits ruckelte, seien die Ausfälle unerwartet hoch gewesen, sagte Hagleitner. Hinzu kamen die Sommerferien, in denen viele Postzusteller in den Urlaub gingen.

Die Bundesnetzagentur hatte zuletzt von einem „erheblichen Anstieg der Beschwerden“ im Postbereich berichtet. Alleine im dritten Quartal – von Juli bis September gingen demnach knapp 11 500 Beschwerden ein. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 waren es 15 118.

Man hätte früher ein Notfallkonzept aktivieren müssen, räumte Thomas Schneider ein, der bei dem Bonner Konzern „Produktionschef Post & Paket Deutschland“ ist. „Das müssen wir ganz selbstkritisch so sagen.“ Die mittlerweile gezogenen Notfallkonzepte sehen vor, dass in den besonders betroffenen Gebieten Briefe teilweise nur noch jeden zweiten Tag zugestellt werden.

Als Beispiele für besondere „Hotspots“ nannte das Management den Raum Berlin sowie Regionen im Süden Deutschland. Allerdings bessere sich die Situation derzeit wieder. Laut Post gibt es aber auch noch andere Gründe, warum es derzeit ruckelt. Mitunter sei schwer zu prognostizieren, welche Mengen die Kunden und Wettbewerber, die das Post-Netz mitnutzen, einliefern. Dadurch steige die Netzbelastung, sagte Hagleitner.

Den Personalmangel will die Post durch eine Rekrutierungs-Offensive bekämpfen, auch wenn sie weiß, dass das nicht einfach wird. Es sei eine „insgesamt herausfordernde Arbeitsmarktlage“, sagte Hagleitner. Deshalb setze man nun darauf, frühzeitig neues Personal zu gewinnen.

Bei der Gewerkschaft Verdi hält man die personellen Engpässe zum Teil für hausgemacht. Die Personalausfälle hätten durch Corona ohne Zweifel zugenommen, sagte ein Sprecher. „Allerdings besteht eine weitere Ursache für die aktuellen Probleme darin, dass von den Ende vergangenen Jahres 24 000 befristet Beschäftigten rund 6000 nicht weiter beschäftigt worden sind, weil das Unternehmen eine andere – niedrigere – Auslastung prognostiziert hatte.“

Diese Befristungen kritisiere Verdi schon lange, weil sie für die Betroffenen eine hohe Belastung seien. Gleichzeitig habe sich der sogenannte Sendungsmix verändert: Bei zurückgehenden Briefsendungen würden die Paket- und Expressendungen zunehmen. Daran müsse sich die Deutsche Post anpassen, forderte der Verdi-Sprecher. Es sei ihre Aufgabe, genügend Menschen einzustellen, um diese „gewaltigen Sendungsmengen“ zu bearbeiten und zuzustellen. „Und im Übrigen darf es auch nicht sein, dass eine für die Wirtschaft und die privaten Haushalte so wichtige Dienstleistung unter zunehmend krank machender Dauer-Überlastung der Beschäftigten in der Branche erbracht werden muss.“

Derweil müssen sich die Post und ihre Paket-Tochter DHL auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft vorbereiten. An Spitzentagen erwartet der Konzern bis zu elf Millionen Sendungen. Die Paketmengen, so die Prognose, steigen im November und Dezember um 70 Prozent. Um sich dafür zu wappnen, sollen Saisonkräfte und bis zu 10 000 Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung auch in der Fläche eingesetzt werden. mit dpa

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