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Von zuhause arbeiten während der Pandemie viele Deutsche.
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Arbeit von zu Hause wäre wichtig, um die Pandemie einzudämmen. Viele Unternehmen zögern allerdings.

Corona

Der Streit ums Homeoffice

  • Steven Geyer
    vonSteven Geyer
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  • Frank-Thomas Wenzel
    Frank-Thomas Wenzel
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Die Politik fleht, Firmen sollten möglichst viele Leute zu Hause arbeiten lassen. Doch Betriebe scheuen die Kosten für die angemessene Ausstattung. Was konsequentes Homeoffice für Unternehmen und Beschäftigte bedeuten würde.

Heimarbeit ist angesagt, um die Pandemie einzudämmen. Zumindest aus Sicht von Politikerinnen und Wirtschaftsforschern. Doch viele Unternehmen zögern. Am Dienstag will Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) es noch mal im Guten versuchen und auf einem Homeoffice-Gipfel an Personalvorstände großer Firmen appellieren, mehr Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Doch auch härtere Auflagen wie ein Lockdown für Firmen sind bereits in der Diskussion.

„Wir müssen uns jetzt die Frage stellen, wo mit möglichst geringem wirtschaftlichem Schaden die Infektionszahlen noch reduziert werden können“, sagte Sebastian Dullien. Der Direktor des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK fügte hinzu: „Wir wissen, dass im April 27 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice gearbeitet haben.“ Im November seien es aber nur noch 14 Prozent gewesen – derzeit liege die Zahl womöglich wieder etwas höher. „Aber offensichtlich hat auch die hohe Homeoffice-Rate im April die Zahl der Neuinfektionen deutlich verringert, und die Unternehmen konnten zugleich mit relativ geringen Kosten weiterarbeiten. Diese Personen könnten also jetzt wieder im Homeoffice arbeiten“, so Dullien.

Doch viele Arbeitgeber wollen davon nur wenig wissen. Stattdessen werden Beschäftigte vielfach wieder in die Büros geholt. Häufig offenbar wegen Misstrauen in puncto Arbeitseinsatz. Es ist davon die Rede, dass Angestellte regelmäßige Videokonferenzen geschwänzt oder die Kamera bei solchen virtuellen Meetings ausgeschaltet haben sollen.

Maskenpflicht, Abstand, Videocall – reicht das? Ginge es nach der Politik, sollte niemand mehr in einem Büro sitzen.

Dullien jedenfalls bestätigt: „Tatsächlich gibt es Unternehmen, die zwischenzeitlich verstärkt auf Anwesenheit gepocht haben. Da ist die Frage, ob dies gerechtfertigt ist oder ob dies einem veralteten Managementdenken geschuldet ist.“ Hintergrund der Debatte: Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus steigt in manchen Regionen wieder deutlich und stagniert anderswo zumindest auf einem hohen Niveau. Als ein Faktor dafür werden auch Ansteckungen im beruflichen Umfeld vermutet. Unter anderem in Bussen und Bahnen auf dem Weg zur Arbeit und bei der Fahrt nach Hause, in der Zigaretten- oder während der Mittagspause.

Schon haben Politiker:innen angedeutet, dass die Zügel noch viel heftiger angezogen werden könnten, um Inzidenzwerte zu drücken. So forderte der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Sonntag im ZDF von den Unternehmen in seinem Bundesland, „möglichst alles zu unterlassen, was im Moment nicht notwendig ist – vielleicht ein paar Aufträge zu schieben“. Auch Heil betonte, dass es zwar wichtig sei, die Volkswirtschaft im Laufen zu halten. Er wollte aber nicht ausschließen, dass es „im produzierenden Gewerbe einen Lockdown geben könnte“.

Dullien lehnt dies indes ab: „Wir hätten es mit einem massiven wirtschaftlichen Schaden für Deutschland und für andere Länder zu tun, da die hiesigen Unternehmen in grenzüberschreitende Lieferketten eingebunden sind. Davor warne ich eindringlich.“ Die Industrie erbringt einen Großteil der Wertschöpfung hierzulande. Das gilt insbesondere für die Autokonzerne und die mir ihr verknüpften Branchen Chemie und Maschinenbau. Der IMK-Direktor bezweifelt zugleich den Nutzen einer zeitweisen Stilllegung der Fertigung. „Zumal in vielen Betrieben in der Produktion große Abstände zwischen den Beschäftigten bestehen und weil umfangreiche Hygienemaßnahmen umgesetzt wurden.“

Für mehr Heimarbeit hat sich derweil auch Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, ausgesprochen. Er fordert, dass dies auch in der öffentlichen Verwaltung umgesetzt wird. Und den Unternehmen stellt er die Frage, ob es wirklich angezeigt ist, Beschäftigte weiterhin in Großraumbüros arbeiten zu lassen. Dullien sieht nun Firmen-Eigner:innen in der Pflicht: „Ich würde mir wünschen, dass Arbeitgeber auf ihre Manager einen gewissen Druck ausüben, um mehr Homeoffice durchzusetzen.“ Falls dies nicht funktioniere, müsse es eine gesetzliche Regelung geben.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt plädiert ebenfalls für härtere Auflagen und zwar in Form einer Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen verpflichtet, Homeoffice überall da anzubieten, wo es machbar ist. Notfalls müssten auch Bußgelder verhängt werden. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, sieht das ähnlich: „Wir brauchen einen grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Homeoffice während des Lockdowns und eine Begründungspflicht des Arbeitgebers, wenn Homeoffice nicht möglich sein sollte.“

Die Linksfraktion unterstützt den Vorstoß von DGB-Chef Reiner Hoffmann, der sich am Montag im Deutschlandfunk erneut für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ausgesprochen hatte. Die Verbände der Unternehmen lehnen dies rundweg ab. So bezeichnete die Maschinenbau-Lobby VDMA die Bußgeld-Drohung als absurd. „Denn die Arbeitsorganisation jedes einzelnen Betriebs ist unterschiedlich und lässt sich nicht per Behördenverordnung regeln.“

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