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Wehrbeauftragte auf Erkundungstour bei der Truppe

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Von: Markus Decker

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Högl im Gespräch mit einem Offizier.
Högl im Gespräch mit einem Offizier. © dpa

Eva Högl besucht ein Objektschutzregiment – eines, das besser da steht als manche andere. Das vom Parlament beschlossene Sondervermögen kommt aber auch hier gut an.

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat ein Objektschutzregiment in Niedersachsen besucht. Dort wurde die Sozialdemokratin sehr freundlich empfangen. Nicht zuletzt das Sondervermögen für die Bundeswehr sorgt für eine verbesserte Motivation.

Als die Wehrbeauftragte des Bundestages am Ende die große Halle betritt, in der sie für das Mittagessen eine Feldküche eingerichtet haben, da gesellt sich zum Gulasch eine Torte. Sie ist mit den Emblemen von zwei Fußballvereinen geschmückt, die jüngst aufgestiegen sind und denen Eva Högl anhängt: SV Werder Bremen und VfB Oldenburg. Es handelt sich um eine süße Wertschätzung für die Frau aus Berlin, die im nahegelegenen niedersächsischen Bad Zwischenahn Abitur machte und die Gegend ihre Heimat nennt.

Der Besuch führt Högl von Bad Zwischenahn ins 50 Kilometer entfernte Schortens – zum Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“, das dem Motto folgt: Semper Comunis (Immer gemeinsam). 1500 Soldaten sind hier unweit der Nordsee stationiert und 100 von ihnen jeweils im Auslandseinsatz, in Mali, Niger und Jordanien. Auch stellt der Verband Kräfte für die schnellen Nato-Eingreiftruppen NRF und VGTF ab.

Die Wehrbeauftragte ist am 1. Mai 2020 ins Amt gekommen, hat 2022 mit ihrem 64-köpfigen Team 2600 Eingaben bearbeitet und bisher zwei Drittel der Standorte anvisiert. Ihre Visiten haben zwei Ziele: Sehen und Hören.

Morgens um neun sieht Högl zunächst Kommandeur Helge Gerken, der im Mai gekommen ist und erläutert, dass der Standort seit Jahrzehnten existiere und früher als Fliegerhorst für Kampfflugzeuge des Typs „Tornado“ gedient habe. Die sollen im Rahmen des 100 Milliarden Euro starken Sondervermögens für die Bundeswehr bald von US-amerikanischen F-35-Kampfbombern abgelöst werden. Auf dem Gelände stehen verstreut alte Hangars.

Heute ist der Verband auf Objektschutz spezialisiert, vorrangig auf Flughäfen. Dabei sichert er auch das Umfeld ab, um möglichen Beschuss aufzuklären und zu verhindern. Die Journalist:innen in Högls Begleitung sehen junge Rekrutinnen und Rekruten, die an einer Schulung über alle möglichen Kleinwaffen teilnehmen. Minen, Granaten, Streu- und Kleinbomben sind zu sehen. Zwei Soldatinnen suchen mit einer Sonde auf einer Wiese nach Minen unter der Grasnarbe – und werden fündig.

Anerkennung kommt an

Auf der anderen Seite des Rollfeldes simuliert das Regiment den Angriff auf ein Feldlager „mit potenziell gefährlichen Chemieerzeugnissen“. Eine Drohne schwebt über dem Gelände. Soldaten mit ABC-Schutzmaske rücken an, dazu ein Löschzug. Munition explodiert. Sinn der Sache ist, den potenziell gefährlichen Stoff zu identifizieren – und Soldaten zu dekontaminieren.

Vor dem Mittagessen trifft sich Högl mit Nachwuchssoldat:innen. Einer klagt über ungenügende Ausstattung mit Stiefeln, ein anderer über Bürokratie, der Dritte über Mobbing gegen russischstämmige Kameraden – und eine Soldatin darüber, dass sie sich in den Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz gedrängt fühlte, obwohl sie da gar nicht hinwollte. Die Wehrbeauftragte nickt.

Das Objektschutzregiment steht gut da – anders als andere Standorte, die bisweilen verkommen. Hier werden bis 2030 außerhalb des Sondervermögens 300 Millionen Euro investiert – in neue Unterkünfte, Sport- und Schießhallen, Büros. „Es könnte schneller gehen“, sagt Kommandeur Gerken, „aber es wird grundsätzlich das erfüllt, was wir wollen.“ Vom Sondervermögen profitierten seine Soldaten bei der persönlichen Ausrüstung, für die allein 2,4 Milliarden Euro fließen sollen: „Es ist zu begrüßen, dass wir da Fortschritte erzielen.“

Wichtiger ist für Gerken offenkundig die Anerkennung, die von dem Geld ausgeht. „Gesellschaft und Politik holen jetzt auf, was in Jahrzehnten versäumt wurde“, sagt er. „Es ist für die Soldaten sehr wichtig, dass die Zeit des Sparens vorbei ist und wir für moderne Streitkräfte auch etwas tun wollen. Das führt zu einer grundsätzlich guten Motivation.“

Eva Högl lobt: „Ich erlebe überall in der Bundeswehr hoch engagierte, professionelle Soldaten.“ Das Sondervermögen erzeuge jedoch „eine enorme Erwartungshaltung“, betont sie: „Meine Aufgabe ist, darauf zu achten, dass das Geld auch ankommt.“

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