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Was tun bei Niedrigzinsen?

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Von: Christoph Höland

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Demonstration von Greenpeace vor der EZB für eine andere Klimapolitik der Bank am Mittwoch.
Demonstration von Greenpeace vor der EZB für eine andere Klimapolitik der Bank am Mittwoch. © dpa

Die EZB bleibt weitgehend bei ihrer Linie. Für viele Menschen hat das Folgen.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in seiner Sitzung am Donnerstag eine leichte Verminderung des Tempos der Anleihenkäufe unter dem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) beschlossen. Die Dauer des Anleihenkaufprogramms bis mindestens Ende März 2022 bleibt unverändert. Auch die Leitzinsen bleiben auf ihrem historisch niedrigen Stand, bis die Inflationsrate konstant und langfristig die Marke von zwei Prozent erreicht habe, erklärte der EZB-Rat. Für eine Übergangszeit könne die Inflationsrate dabei auch über dieser Marke liegen.

Gerade weil die Inflationsrate steigt, wird seit einiger Zeit die Kritik an der Europäischen Zentralbank lauter. Allerdings wirkt sich die lockere Geldpolitik teilweise auch positiv aus. Ein Überblick, wie die EZB den Alltag von Verbraucher:innen beeinflusst – und was man gegen unangenehme Folgen unternehmen kann.

Inflation: Einkaufen wird immer teurer: 3,9 Prozent Inflation wurden zuletzt in Deutschland gemessen, drei Prozent in der Euro-Zone. Das könnte auch an der EZB liegen, sie pumpt mit dem Aufkauf von Anleihen und mit niedrigen Zinsen viel Geld in den Markt – was gemäß klassischer Wirtschaftstheorien die Inflationsrate erhöht. Für deren Anstieg könnten aus Sicht vieler Fachleute aber auch andere, nur zeitweise wirkende Faktoren verantwortlich sein, etwa steigende Rohölpreise, das Ende der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und der 2021 eingeführte Preis für das Klimagas CO2.

„Die Inflation trifft besonders Menschen mit hohem Energieverbrauch, etwa Pendler“, sagt Herrmann-Josef Tenhagen von „Finanztip“. Kurzfristig gibt es vor steigender Inflation indes kaum Schutz. „Jetzt ist ein besonders guter Zeitpunkt, um Einsparmöglichkeiten im Alltag zu suchen“, rät Tenhagen. Er empfiehlt etwa das Kündigen ungenutzter Abos und überteuerter Verträge.

Arbeitsmarkt: Die Kehrseite der EZB-Linie ist eine trotz Pandemie halbwegs robuste Konjunktur. Es ist so viel billiges Geld im Umlauf, dass Unternehmen und Staaten leicht an Kredite kommen und damit Arbeitsplätze schaffen. „Die relativ niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland ist nicht nur das Ergebnis der Krisenbekämpfung der Regierung, sondern insbesondere auch Folge der Stabilisierung durch die Europäische Zentralbank“, so Silke Tober vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Geldpolitik (IMK).

Ihr zufolge handelt die EZB derzeit durchaus im Rahmen ihres Auftrags, „aus heutiger Sicht wird das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent selbst im Jahr 2023 noch nicht erreicht“. Zugleich hält Tober die lockere Geldpolitik keineswegs für alternativlos: „Eine Investitionsoffensive der Regierung könnte es der EZB ermöglichen, früher aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen.“

Sparen und Vorsorge: Diejenigen, die wegen niedrigen Einkommens auf risikoarme Anlagen angewiesen sind, ringen aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts für Wirtschaft (IW) mit den niedrigen Zinsen. Denn Sparkonten und Lebensversicherungen werfen kaum noch Rendite ab.

„Da muss man ran und das Geld anders anlegen“, sagt Finanzexperte Tenhagen. Das sei ohnehin sinnvoll, „seit 2004 gab es nur ein Jahr, in dem Zinsen bei Sparbüchern überhaupt die Inflation ausgeglichen haben.“

Größere Anschaffungen: Zugleich sind Kredite nicht nur für Staat und Unternehmen momentan sehr günstig, sondern auch für Privatleute – weshalb Tenhagen rät, größere Anschaffungen wie ein Auto oder sogar ein Eigenheim möglichst jetzt ins Visier zu nehmen. „Da viele Anleger auf der Suche nach Erträgen auf Immobilien ausweichen, steigen die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen in Deutschland wie in vielen anderen Ländern des Euroraums stark an“, warnt aber Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Aktienmärkte: Die Negativzinsen der EZB tragen maßgeblich dazu bei, dass die Kurse von Aktien in die Höhe schießen - denn die Menschen suchen nach Anlagemöglichkeiten. Dadurch seien „deutsche Aktien verglichen mit den Gewinnen der Dax-Unternehmen hoch bewertet“, sagt Commerzbanker Krämer.

Tenhagen rät trotzdem zu Geschäften mit Aktien und Fonds. Schließlich hätten solche Geldanlagen Anleger:innen in der Vergangenheit auf lange Sicht stets Gewinne beschert. Mit afp

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