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Noch sind die Innenstädte – wie hier in Rostock – voll.
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Noch sind die Innenstädte – wie hier in Rostock – voll.

Konjunktur

Warten auf den harten Winter

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Die steigende Zahl der Infektionen könnte auch die Konjunktur merklich eintrüben.

Ein harter Winter kommt auf uns zu. Das ist nicht meteorologisch gemeint, sondern wirtschaftlich. Für namhafte Ökonom:innen steht fest, dass die steigende Zahl der Covid-19-Infektionen die Konjunktur eintrüben wird. Gastronomie, Tourismus und der Einzelhandel würden das in den nächsten Wochen zu spüren bekommen. Aber auch die Industrie wird es wohl treffen.

„Ein dynamisches Pandemiegeschehen dürfte die wirtschaftlichen Aktivitäten einschränken, da vielerorts aus Sorge vor Ansteckung auf Konsum verzichtet wird“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Die Stimmung der Konsument:innen ist derzeit getrübt. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zum Weihnachtsgeschäft hervor: Die Budgets für Geschenke schrumpfen. Viele Menschen rechnen zugleich mit steigenden Preisen wegen diverser Lieferengpässe. Und die Vorfreude auf das Fest und das dazugehörige Shopping werde dadurch getrübt, dass Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen nicht oder nur mit Einschränkungen stattfinden.

Auch Michael Grömling vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht, dass „der personennahe Dienstleistungsbereich noch ein weiteres Mal aus dem Tritt gerät“, so der Konjunkturexperte. Und dafür brauche es noch nicht einmal neue Lockdowns: „Allein die Präferenzänderungen bei Konsumenten, die mit den enormen Inzidenzzahlen einhergehen, werden dazu führen, dass zumindest im Winterhalbjahr noch einmal die wirtschaftliche Entwicklung spürbar gebremst wird.“ Selbst viele jüngere Menschen trauten sich mittlerweile kaum aus dem Haus, scheuen beispielsweise den Besuch von Konzerten und anderen Veranstaltungen.

Seine Prognose fällt düster aus, nicht nur wegen abgesagter Weihnachtsmärkte: „Wir müssen die Erwartungen für das vierte Quartal deutlich zurückschrauben.“ Aufgrund der Produktionsstörungen in vielen Sektoren sei das ohnehin schon angezeigt gewesen. Dies habe sich wegen der Pandemie noch einmal verschärft, auch weil vielfach Arbeitskräfte fehlten. „Wir erwarten nun, dass von der Industrie im vierten Quartal keine Impulse kommen“, betonte Grömling – das IW stellt in der nächsten Woche seine aktualisierte Konjunkturprognose vor.

Sebastian Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, betont ebenfalls: „Das Wachstum im vierten Quartal 2021 und im ersten Quartal 2022 hängt nicht nur von den Kontaktbeschränkungen ab, sondern zentral von den Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten, insbesondere bei Halbleitern.“ Wegen des Materialmangels dürfte 2021 etwa ein Drittel der Autos nicht gebaut werden, für die Bestellungen vorlägen. Dullien hofft aber, dass sich die Engpässe in den nächsten Monaten auflösen und die deutsche Wirtschaft an einer Rezession vorbeischrammen kann.

Doch auch unter den Börsianern, die lange Zeit euphorisch waren, wachsen Zweifel. Der Lockdown in Österreich habe Anlegern erst einmal die Laune verdorben, erläutert Stephan Weibel, Experte für die Stimmungen an den Finanzmärkten. Nach dem Allzeithoch des Deutschen Aktienindexes am Mittwoch voriger Woche ging es ziemlich mau weiter. Am Montag sank das Börsenbarometer abermals – bis zum späten Nachmittag zeitweise fast ein halbes Prozent. Die Ölpreise, ein wichtiger Indikator für die weitere Entwicklung, haben sich weit von ihren Notierungen von Ende Oktober entfernt – das Fass (159 Liter) der Referenzsorte Brent kostete am Montag weniger als 78 Dollar. Vor drei Wochen waren es mehr als 86 Dollar gewesen.

Grömling rät der neuen Bundesregierung, sich an Bewährtes zu halten: „Da wo Kurzarbeit greifen kann, muss sie genutzt werden, um auf Sicht gesteuert durch diesen Winter zu kommen. Da wo es geht, müssen wir Beschäftigungsverhältnisse stabilisieren.“ Grimm macht auf Folgendes aufmerksam: „Lockdowns würden bedeuten, dass der Staat weiter Überbrückungszahlungen für die betroffenen Unternehmen leisten müsste. Wichtig dürfte auch sein, noch von früheren Lockdowns ausstehende Hilfszahlungen zügig zu tätigen. Ansonsten könnten Unternehmen sehr schnell unter Druck geraten.“

Zwar lobt die Wirtschaftsweise die Berliner Politik für die Wiedereinführung kostenloser Covid-Tests. „Allerdings ist äußerst zweifelhaft, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um das Pandemiegeschehen in den Griff zu bekommen“, fügt sie hinzu. Es brauche eine mittel- und langfristig tragfähige Strategie.

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