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Herbert Diess leitet Volkswagen seit April 2018.
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Herbert Diess leitet Volkswagen seit April 2018.

Neue Strategie von Volkswagen

VW will die Quadratur des Kreises

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Der Autokonzern setzt voll auf Elektromobilität. Trotz Corona gibt es einen hohen Gewinn in 2020.

Das passiert auch nicht alle Tage: Die VW-Aktie schoss am Dienstag bis zum Nachmittag zeitweise um fast acht Prozent in die Höhe. Einen derartigen Schub innerhalb eines Handelstages hatte es zuletzt Mitte 2015 gegeben. Ursache waren die ambitionierten Ansagen von Konzernchef Herbert Diess. Er will einerseits den Wolfsburger Autobauer bis 2025 zum Weltmarktführer in der Elektro-Mobilität machen und andererseits bei der viel beachteten operativen Umsatzrendite einen Wert von sieben bis acht Prozent erreichen.

Diese Kennziffer (Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit im Verhältnis zum Umsatz) ist in der Branche das Maß aller Dinge. Sie lag 2020 bei 4,3 Prozent. Bislang gilt, dass mit E-Autos keine großen Profite gemacht werden können. Viele Stromer und hohe Renditen – das ist eigentlich die Quadratur des Kreises.

Doch Diess will das mit einem Ausbau der sogenannten Plattformstrategie erreichen. Das bedeutet, dass Fahrzeuge und Dienstleistungen auf weitgehend einheitlichen technischen Grundlagen beruhen. Es geht um die Hardware (vor allem Autos), um Software, um die Themen Batterie und Laden sowie um Mobilitätsdienste (Carsharing oder Mitfahrservice auf Abruf).

Plattform- und Baukastensysteme waren schon in der Vergangenheit bei Volkswagen der Garant für profitable Geschäfte. Wenn das auch in der E-Auto-Ära gelingt, könnten damit Kosten massiv gedrückt werden. Von konzernweiten Synergien ist die Rede. Allein die Aufwendungen für die Batteriezellen, die teuerste Komponente der Stromer, will der Vorstand in den nächsten Jahren halbieren. Der Vorstand plant, die Produktion eines Großteils der benötigten Akkus am Ende des Jahrzehnts in sechs eigenen Fabriken in Kooperation mit Partnerfirmen zu stemmen.

Der designierte neue Finanzchef Arno Antlitz will überdies die fixen Ausgaben bis zum Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Milliarden Euro drücken. Die Kosten für Material sollen um sieben Prozent sinken. Zugleich plant Diess milliardenschwere Investitionen in Software für Autos.

Stabilisator China

In etwa fünf Jahren sollen 60 Prozent der Programme hausgemacht sein. Volkswagen werde damit hinter SAP zur zweitgrößten Software-Schmiede in Europa, betonte der Konzernchef. Das alles orientiert sich unausgesprochen am Elektro-Pionier Tesla, der nicht nur wegen der Antriebe, sondern vor allem wegen seiner Digitalisierung von Investoren hoch gehandelt wird. Diess sieht die Zukunft seines Unternehmens als „software-getriebenen Mobilitätskonzern“.

Schon in diesem Jahr sollen eine Million elektrifizierter Autos (reinrassige Stromer – BEV und Plugin-Hybride) verkauft werden. Das ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu 2020. In etwa vier Jahren soll jeder fünfte verkaufte Pkw einen batterie-elektrischen Antrieb haben. Und 2030 soll die Zahl der abgesetzten BEV die Auslieferungen von Verbrennern übertreffen.

Ehrgeizig? Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, relativiert: „Die Ziele von Volkswagen klingen gut, allerdings ist die politische Realität in vielen Ländern schon längst so weit oder weiter.“ Norwegen wolle schon 2025 den Verkauf neuer Verbrenner verbieten. Und möglicherweise werde das fünf Jahre später für ganz Europa gelten.

Schwope erwartet, dass VW dieses Jahr bis zu 700 000 BEV an Kund:innen übergibt, bei insgesamt maximal zehn Millionen verkauften Pkw. Wobei er davon ausgeht, dass damit auch im nächsten Jahr „nicht unbedingt Gewinne“ erzielt werden.

Diess sprach von einer „beschleunigten Transformation“, die durch das gute Abschneiden 2020 Rückenwind bekommen habe. Der Gewinn ging zwar um gut ein Drittel zurück, unterm Strich verdienten die Wolfsburger aber immer noch 8,3 Milliarden Euro. Als Stabilisator hat sich erneut der für VW mit Abstand wichtigste Markt erwiesen: China. Das zügige Eindämmen der Pandemie führte dazu, dass die Einbußen bei Absatz, Umsatz und Profit erheblich niedriger als in anderen Weltgegenden ausfielen. Die Wolfsburger liefern mittlerweile 41 von 100 gefertigten Autos in der Volksrepublik aus.

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