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Vorbereitungen für die nächste Feuersaison

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Von: Gerd Höhler

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August 2021: Menschen auf der Insel Euböa bringen sich vor den Flammen in Sicherheit.
August 2021: Menschen auf der Insel Euböa bringen sich vor den Flammen in Sicherheit. © dpa

Brandschneisen, Wasserbomber, Drohnen: Nach den verheerenden Waldbränden im Vorjahr will Griechenland im kommenden Sommer besser auf drohende Katastrophen reagieren.

Es waren Feuerstürme, wie sie die Menschen in Griechenland noch nie zuvor erlebt hatten. Im August 2021 wüteten die Brände zunächst in den nördlichen Vororten Athens, dann fegte eine Woche lang eine Flammenwalze über die Insel Euböa. Allein dort brannten mehr als 500 Quadratkilometer ab, ein Drittel des Waldbestandes der zweitgrößten Insel Griechenlands wurde vernichtet. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber Hunderte Familien, die von der Bienenzucht und der Harzgewinnung in den Wäldern lebten, verloren ihre Existenzgrundlage. Insgesamt brannten in Griechenland im vergangenen Sommer mehr als 1300 Quadratkilometer Wald ab. Das war so viel wie in den vorangegangenen sieben Jahren zusammen. Die eingeäscherten Gebiete entsprechen der Fläche von München, Hamburg und Köln zusammen.

Der Sommer 2021 war in Europa nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Dem Bericht zufolge steigt der Anteil klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre. Das lässt eine weitere Erderwärmung befürchten, somit wächst auch die Gefahr künftiger Brandkatastrophen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prognostizieren, dass ein Anstieg der sommerlichen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad das Waldbrandrisiko um 41 Prozent erhöht, ein Anstieg um zwei Grad sogar um 62 Prozent.

Griechenland will sich dafür rüsten. In diesem Sommer sollen 90 Löschflugzeuge und Hubschrauber für die Waldbrandbekämpfung zur Verfügung stehen, 16 mehr als im vergangenen Jahr. Um Brände so früh wie möglich zu erkennen, sollen Feuerwehrleute mit geländegängigen Motorrädern in den Wäldern patrouillieren. Zur Überwachung aus der Luft werden neben Flugzeugen und Helikoptern auch verstärkt Drohnen eingesetzt. Für die Zeit von Mai bis Oktober werden rund 2500 Feuerwehrleute zusätzlich eingestellt. An den Militärflughäfen Eleusis, Thessaloniki, Heraklion, Lamia, Ioannina und Patras werden Spezialeinheiten stationiert, die schnell in Brandgebiete geflogen werden können.

Waldbrände in Griechenland geraten leicht außer Kontrolle. Das liegt unter anderem daran, dass viele Wälder nicht bewirtschaftet werden. Deshalb möchte der griechische Minister für Klimakrise und Zivilschutz, Christos Stylianides, jetzt 4000 Hektar Waldland von dem besonders leicht brennbaren Unterholz reinigen, 1600 Kilometer Brandschutzschneisen schlagen und 16 000 Kilometer neue Waldwege für die Feuerwehren anlegen lassen.

Schneller an den Brandort

Stylianides war von 2014 bis 2019 als zyprischer EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz zuständig. Nach den Waldbränden im Sommer 2021 berief der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis den Zyprer in sein Kabinett. Er setzt jetzt ein auf 1,7 Milliarden Euro veranschlagtes Programm für den Katastrophenschutz um. Dazu gehört der Aufbau eines modernen Krisenzentrums. Ein Ziel ist es, Löschmannschaften innerhalb der ersten fünf bis zehn Minuten nach einer Brandmeldung vor Ort zu bringen. Damit könnten 70 bis 75 Prozent der Waldbrände gelöscht werden, bevor sie außer Kontrolle geraten, sagt Minister Stylianides.

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