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Unterschätzte Hilfe

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Von: Christoph Höland

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Viele Menschen denken an Roboter wie diesen, wenn sie KI hören. Häufiger aber helfen KI-Systeme im Hintergrund.
Viele Menschen denken an Roboter wie diesen, wenn sie KI hören. Häufiger aber helfen KI-Systeme im Hintergrund. © imago images/Pixsell

Künstliche Intelligenz arbeitet längst mit, bleibt oft aber unerkannt.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Popkultur mit der Frage, wie künstliche Intelligenz (KI) die Geschicke der Menschheit verändern könnte. Dabei ist KI-Nutzung längst in der Arbeitswelt angekommen: Wie Forschende am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt haben, merken viele Erwerbstätige aber nicht, wenn sie mit KI-Systemen zu tun haben.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine frappierende Diskrepanz festgestellt: Gerade einmal 20 Prozent der Befragten des jährlich erhobenen SOEP-Panels gaben in der Vergangenheit an, am Arbeitsplatz KI zu nutzen. Fragt man Erwerbstätige hingegen nach der Nutzung von Systemen etwa zur Sprach-, Bild- oder Texterkennung, haben damit schon 45 Prozent Erfahrung – dabei fußen jene Systeme allesamt auf künstlicher Intelligenz.

„Viele Menschen denken beim Begriff KI an intelligente Roboter in einer fernen Zukunft – dabei sind bereits jetzt in vielen Betrieben KI-Systeme im Einsatz, die Erwerbstätigen Aufgaben abnehmen“, sagt deshalb Studienautor Oliver Giering von der TU Berlin.

Und auch Co-Autorin Alexandra Fedorets (DIW) betont: „Es findet längst Zusammenarbeit zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz statt.“

Dabei geht es aus Sicht des Forscherteams weniger um Maschinen mit eigenem Bewusstsein als vielmehr um sogenannte schwache KI: Software und Algorithmen, die bei der Interaktion mit Menschen lernen. „Ein Paradebeispiel sind Buchhalter: Die haben früher Rechnungen entgegengenommen, sie eingetragen und die Bezahlung organisiert“, schildert Fedorets. Heute könne sich eine KI um die Verifikation kümmern und kleinere Rechnungen automatisch bezahlen.

„Der Buchhalter muss sich aber weiterhin um die komplexen Entscheidungen, etwa die langfristige Finanzplanung, kümmern“, betont die Expertin. Dass Menschen dank ihrer künstlichen Kollegen in die Arbeitslosigkeit stürzen, ist aus ihrer Sicht ein überschaubares Risiko: „In der Vergangenheit hat technologischer Fortschritt nie zu massiver Arbeitslosigkeit geführt“, sagt Fedorets.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihr, dass offenbar kaum Bewusstsein für den Umgang mit künstlicher Intelligenz besteht. Ein Risiko, weil Beschäftigte den Anschluss an die neue Technik verpassen könnten. „Der Mensch muss lernen, wie man mit KI kooperiert und wie man selber davon profitiert“, findet Fedorets.

Konkret bedeutet das, Schwächen der Software zu erkennen: Wann patzt die Bilderkennungssoftware besonders häufig? Wann gerät die Spracherkennung an Grenzen? Und unter welchen Suchbegriffen liefert das KI-basierte Assistenzsystem hilfreiches Wissen? „Es ist zentral zu verstehen, was die Technologie kann und was ihre Fallstricke sind“, betont Fedorets.

Was genau gefragt ist, unterscheidet sich ihr zufolge von Beruf zu Beruf. „Wichtig ist, dass Beschäftigte eine gewisse Neugier auf die Möglichkeiten mitbringen. Und auch das lebenslange Lernen wird noch wichtiger“, sagt die Forscherin. Die Voraussetzung dafür ist freilich, dass man sich mit den neuen Möglichkeiten und ihren Grenzen beschäftigt – auch um den neuen Techniken nicht ausgeliefert zu sein.

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