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Ukraine-Krieg:Bald Waffen aus Zypern für Kiew

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Von: Gerd Höhler

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Die USA heben das 35 Jahre alte Waffenembargo gegen Zypern auf. Damit ist der Weg für Nikosia frei, Rüstungsgüter an die Ukraine zu liefern.

Die USA heben mit Beginn des kommenden Finanzjahres das vor 35 Jahren gegen Zypern verhängte Waffenembargo auf. Damit kann die EU-Inselrepublik wieder US-Kriegsgerät kaufen. Profitieren soll davon auch die Ukraine.

Zypern ist geteilt, seit die Türkei im Sommer 1974 den Nordteil der Insel militärisch besetzte. Mit der Invasion wollte Ankara Annexionspläne der Athener Junta durchkreuzen und die befürchtete Vertreibung der türkischen Volksgruppe von der Insel verhindern. Die USA hatten das Embargo 1987 verhängt. Damit wollte Washington den Druck zu einer Verhandlungslösung erhöhen und ein Wettrüsten auf der Insel verhindern. Das ist misslungen. 2004 lehnten die griechischen Zyprer:innen per Volksabstimmung einen UN-Einigungsplan ab. Seither haben sich die Fronten weiter verhärtet. Die Türkei tritt für eine Zwei-Staaten-Lösung ein, die die Teilung festschreiben würde.

Zehntausende Militärs

Heute ist das von 1,12 Millionen Menschen bewohnte Zypern eines der am stärksten militarisierten Länder der Erde. Im Norden stehen 36 000 türkische Besatzungstruppen und 5000 Soldaten der nordzyprischen Streitkräfte. Die zyprische Nationalgarde im Süden der Insel zählt 12 700 Männer und Frauen, hinzu kommen 1200 Soldaten aus Griechenland. Auf den beiden britischen Militärbasen Akrotiri und Dekelia stehen 7500 Soldatinnen und Soldaten. Auch sind 900 Angehörige der UN-Friedenstruppe auf Zypern stationiert.

Nachdem die USA das Waffenembargo verhängten, versorgte sich Zypern vor allem in Russland mit Kriegsgerät. Heute verfügt die Nationalgarde unter anderem über 82 russische T-80 Panzer, 43 BMP-3 Schützenpanzer, 11 Kampfhubschrauber des Typs Mi-35P, sechs Tor-M1 und vier Buk-M1-Luftabwehrsysteme sowie vier Raketenwerfer des Typs BM-21. Diese Systeme könnten durch moderne US-Waffen ersetzt und im Ringtausch an die Ukraine geliefert werden, deren Soldaten damit vertraut sind. Noch im April lehnte der zyprische Verteidigungsminister eine Lieferung an die Ukraine ab. Aber mit Ende des Embargos lässt die Regierung in Nikosia Bereitschaft erkennen. Weil die Zeit drängt, wird erwogen, kurzfristig Ersatz aus Beständen anderer Nato-Länder nach Zypern zu schicken.

Die Beziehungen zwischen Zypern und Russland sind historisch eng. 40 000 russische Staatsbürger:innen leben auf Zypern. Russland nutzte zyprische Häfen als Stützpunkte für seine Kriegsflotte. Nach Moskaus Invasion in der Ukraine kündigte Zypern das Arrangement auf. Das und Zyperns Fortschritte beim Kampf gegen Geldwäsche russischer Oligarchen, war wichtige Gründe für die Aufhebung des US-Waffenembargos.

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