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Ukraine: „Gefangenenaustausch war ein großer Erfolg“

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Von: Jan Emendörfer

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Ein Verteidiger des Asow-Stahlwerks kehrt zurück.
Ein Verteidiger des Asow-Stahlwerks kehrt zurück. © dpa

Kiews Unterhändler Umerov berichtet über die Einigung mit Russland. Ankara und Riad halfen beim Austausch von mehr als 250 Gefangenen.

Es war der größte Gefangenenaustausch seit Beginn des brutalen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, der Mitte dieser Woche über die Bühne ging. Nach ukrainischen Angaben sind 205 Ukrainer und zehn ausländische Staatsbürger von den Russen freigelassen worden. Im Gegenzug kam unter anderem der ukrainische Multimillionär und prorussische Politiker Viktor Medwedtschuk frei, der als Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin gilt, sowie 55 russische Soldaten.

Organisiert wurde der Austausch von ukrainischer Seite durch ein vierköpfiges Team, dem neben dem Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, und zwei Geheimdienstchefs auch Rustem Umerov, der Chef des Staatlichen Vermögensfonds der Ukraine, angehörte. Von ihm erfuhr das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Einzelheiten zu dem Austausch, der auch mit Hilfe der Türkei und Saudi-Arabiens zustande kam. „Wir haben 215 Menschen aus der russischen Gefangenschaft geholt, darunter zehn ausländische Staatsbürger – das ist der bislang größte Austausch und ein großer Erfolg für uns“, sagte er. Es sei eine große Rettungsaktion gewesen, denn Russland hatte angekündigt, ein „schreckliches Tribunal mit öffentlicher Folter“ über diese Menschen zu veranstalten und Todesurteile über einige von ihnen zu verhängen, einschließlich der ausländischen Staatsangehörigen, sagte Umerov.

Bei den Ausländern handelte es sich laut unterschiedlichen Quellen um fünf Briten, zwei US-Amerikaner und je einen Schweden, Kroaten und Marokkaner, die zum Teil an der Seite der ukrainischen Armee gekämpft hatten. Sie wurden in die Hauptstadt Riad ausgeflogen. „Wir danken dem Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman, und dem Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, für ihre Hilfe bei der Aktion“, sagte Umerov. Die Überstellung von Bürgern aus Drittstaaten sei entscheidend, da es sich um einen gemeinsamen Krieg der Demokratien gegen die Autokratie handelt, unterstrich der ukrainische Politiker. Nach seinen Angaben wurden bei dem Austausch 188 ukrainische Soldaten freigelassen, die an der wochenlangen Verteidigung des Asow-Stahlwerks in der Hafenstadt Mariupol beteiligt gewesen waren, darunter 108 Angehörige des Assow-Regiments.

Mit dem Austausch, so Umerov, habe die ukrainische Seite Russland gezwungen, sich an die Genfer Konvention zu halten. Diese wurde seit ihrer ersten Fassung von 1864 mehrfach überarbeitet und regelt den humanitären Umgang mit Kriegsgefangenen. Trotz dieses Erfolgs müssten die internationalen Partner die Ukraine weiterhin mit mehr Waffen versorgen, mahnte Umerov. Russland habe dem Austausch der Kriegsgefangenen nur wegen der militärischen Niederlagen während der erfolgreichen Gegenoffensive der Streitkräfte der Ukraine zugestimmt.

Umerov unterstrich, der Austausch habe nichts mit Friedensgesprächen zu tun. Das seien zwei verschiedene Dinge, sagte er und gab sich siegessicher: „Unser Gegenangriff und unser Vormarsch werden weitergehen, bis wir alle unsere Gebiete befreit haben.“

Das russische Verteidigungsministerium erklärte seinerseits am Donnerstag, 55 russische Militärangehörige seien im Gegenzug nach Russland gebracht worden. Sie seien in medizinische Einrichtungen gebracht worden. Die Militärs seien während ihrer Gefangenschaft „in Lebensgefahr“ gewesen. „Sie erhalten die notwendige psychologische und medizinische Hilfe“, hieß es aus Moskau.

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