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„Truth Social“: Donald Trump bastelt an Comeback

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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„Truth Social“ - der Kommunikationskanal, auf den Donald Trump setzt.
„Truth Social“ - der Kommunikationskanal, auf den Donald Trump setzt. © AFP

Der ehemalige US-Präsident will sein soziales Netzwerk an die Börse bringen – doch die Aufsicht sieht viele Ungereimtheiten.

Donald Trump bastelt an seinem Comeback. Dafür braucht er zunächst einmal ein digitales Kommunikationswerkzeug. „Truth Social“ soll es heißen und die dazu gehörige Aktie alsbald an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Doch schon jetzt gibt es jede Menge Ungereimtheiten. Börsen- und Finanzmarktaufsicht ermitteln.

Der Reihe nach: Im Oktober gab der Ex-US-Präsident bekannt, dass er eine neue Firma gegründet hat: die Trump Media & Technology Group (TMTG). Sie soll der Betreiber von Truth werden: ein Internet-Dienst, Twitter ähnlich. Trump benötigt eine Plattform, weil seine Zugänge nicht nur bei Twitter, sondern auch bei Facebook oder Youtube gesperrt sind, seit er Anfang Januar seine Anhänger zum Sturm aufs Kapitol aufrief. Mit seinen Tweets hatte Trump als Präsident Politik gemacht, mit Truth will er offensichtlich seine Rückkehr ins Weiße Haus im Jahr 2024 bewerkstelligen. Die Plattform soll im ersten Quartal 2022 online gehen.

Der nächste Schritt war die Ankündigung der Fusion von TMTG mit der Firma Digital World Acquisition Corporation (DWAC) – dahinter steckt der ehemalige Deutsche-Bank-Investmentbanker Patrick Orlando. Bei DWAC handelt es sich um ein sogenanntes Spac, eine leere Unternehmenshülle, die gleichwohl bereits an der Börse notiert ist. Spacs sammeln Geld ein, um damit Firmen zu kaufen, die so an die Börse gehievt werden. Die übernommene Gesellschaft umgeht damit den Zulassungsprozess, der für einen konventionellen Börsengang nötig ist.

Am vorigen Wochenende erklärten DWAC und TMTG nun, dass man sehr potente Investoren gefunden habe, die für Truth Social eine Milliarde Dollar bereit gestellt hätten. Namen wurden allerdings nicht genannt.

Am Montag teilte Trumps Tech-Firma dann noch mit, dass Devin Nunes, republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, im neuen Jahr sein Mandat abgebe, um Vorstandschef des Start-ups zu werden. Nunes gilt als einer der treuesten Anhänger der Ex-Präsidenten. Er ließ mitteilen, es sei an der Zeit, im Internet wieder Ideen und Meinungen ohne Zensur zuzulassen. Nunes sprach von einem „Weltklasseteam“, dem er künftig vorstehen werde. Es wurde auch bereits ein Organigramm publiziert. Es listet aber nur Vornamen und die Initialen der Nachnahmen auf.

Das hat die demokratische Senatorin Elisabeth Warren dazu gebracht, bei der SEC Alarm zu schlagen. Sie vermutet insbesondere Verstöße gegen das Börsenregelwerk und geht davon aus, dass Orlando und Trump schon vor Monaten die Truth-Operation ausgeheckt haben – lange bevor der Zusammenschluss von DWAC und TMTG publik gemacht wurde. Investoren seien nicht rechtzeitig informiert worden.

Zeitgleich mit der Nunes-Nominierung teilte DWAC indes mit, dass eine Informationsanfrage von den Aufsichtsbehörden eingegangen sei. Man bitte um Auskünfte über die Inhalte von Besprechungen, an denen Führungskräfte des Unternehmens beteiligt gewesen seien. Ferner werde nach der Identität bestimmter Investoren gefragt. Zudem gehe es um Vorgänge, die mit dem Handel der DWAC-Aktien zusammenhingen.

So ist bemerkenswert, dass der Wert der DWAC-Aktie sich Ende Oktober – als die Fusion mit Trump Media bekannt wurde – innerhalb von zwei Tagen fast verzehnfachte, aber inzwischen fast die Hälfte des damaligen Werts eingebüßt hat. Wer hat von diesen massiven Ausschlägen profitiert?, fragen sich Börsenfachleute.

Der Finanzdienst Blomberg macht darauf aufmerksam, dass für Truth Social bislang keinerlei Geschäftspläne oder finanzielle Projektionen vorliegen würden. Und was bedeute es, wenn die ominösen Investoren beispielsweise aus Saudi-Arabien kämen? In US-Medien kursiert aber auch die Vermutung, dass es sich bei Truth Social um eine großangelegte Scharade handelt, die schlicht darauf abzielt, Investoren Geld für ein höchst fragwürdiges Projekt aus der Tasche zu ziehen.

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